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Fürstenfeldbruck:Tagsüber arbeiten, abends in die Schule

An der Berufsschule plus machen junge Leute Ausbildung und Abitur in einem

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Abitur und Ausbildung gleichzeitig zu schultern, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Verwirklicht werden kann sie in der sogenannten Berufsschule plus, wie sie die Berufsschule Fürstenfeldbruck seit mittlerweile zwei Jahren anbietet. Das Programm richtet sich an besonders leistungsstarke Schüler, denn sie müssen eine dreifache Belastung auf sich nehmen: Die Berufsausbildung im Betrieb und den Besuch der Berufsschule absolvieren sowie drei Jahre lang Zusatzunterricht am Abend besuchen, der in den ersten beiden Schuljahren aus sechs und im dritten Jahr aus sieben Wochenstunden besteht. Unterrichtet werden sie in Deutsch, Englisch, Mathematik, Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Am Ende der drei Jahre legen sie ihre Fachabiturprüfung ab, die offiziell "Ergänzungsprüfung zum Erwerb der Fachhochschulreife" heißt, sowie die Abschlussprüfungen in ihren Berufen.

An der Berufsschule Fürstenfeldbruck werden die ersten Plus-Absolventen im kommenden Jahr ihr Fachabitur ablegen. Derzeit gibt es eine zehnte und eine elfte Plus-Klasse mit insgesamt neun und 13 Schülern. Der Schwund ist beträchtlich, denn angemeldet waren deutlich mehr, nämlich 35 und 45 Schüler. Viele kommen mit dem hohen Zeitaufwand nicht zurecht. Beiden Klassen gehören insgesamt elf externe Schüler an, die ihre reguläre Berufsschulzeit - abhängig von der jeweiligen Fachrichtung - an anderen Berufsschulen, zumeist in München, absolvieren. Für den Plus-Unterricht kommen sie nach Fürstenfeldbruck, was noch einmal zusätzlichen Organisationsaufwand für sie bedeutet. Die aktuellen Plus-Schüler kommen aus allen möglichen Ausbildungsberufen: Büromanagement, Bauzeichner, Steuerfachangestellte, medizinische Fachangestellte, Fachinformatiker, Elektroniker, Mechatroniker, Spengler.

Die Fürstenfeldbrucker Berufsschule hatte das Programm, das es in Bayern schon seit mehr als zehn Jahren gibt, zum Schuljahr 2018/19 neu eingeführt. Handwerk, Industrie und Handel erhoffen sich dadurch, junge Menschen zurückgewinnen zu können, die häufig der akademischen den Vorzug gegenüber der beruflichen Bildung geben.

Auch die Brucker Plus-Schüler wurden während der Corona-Krise online unterrichtet. Dafür habe man eine Arbeitsgruppe in Microsoft Teams gegründet, in der den Schülern sämtliche Unterlagen zur Verfügung gestellt worden seien, erläutert Christoph Vögerl, Lehrer und Koordinator der Berufsschule plus: "Und durch die Chatfunktion waren Rückfragen immer möglich." Vor allem die externen Schüler schätzten den Onlineunterricht, erinnert sich Vögerl, da ihnen dadurch über eine bestimmte Zeit das Pendeln erspart geblieben sei. Nach dem Ende der Pfingstferien wurde der Unterricht wieder vor Ort abgehalten, was sich gut habe organisieren lassen. Abends war ohnehin wenig los im Schulgebäude, und die beiden Klassen hatten eine überschaubare Größe.

Wer sich im Herbst neu für die Berufsschule plus in Fürstenfeldbruck anmelden möchte, muss dazu bis spätestens Mittwoch, 23. September, neben einem ausgefüllten Anmeldebogen (zu finden auf der Internetseite unter www.bs-ffb.de) den Berufsausbildungsvertrag sowie den Nachweis über den mittleren Schulabschluss (beides in Kopie) einreichen.

Der Notendurchschnitt in Mathematik, Deutsch und Englisch im Abschlusszeugnis darf dabei nicht schlechter als 3,5 sein. Eine Informationsveranstaltung am Dienstag, 22. September, an der Berufsschule Fürstenfeldbruck (Beginn 18.30 Uhr) kann helfen, letzte Zweifel auszuräumen.

© SZ vom 04.08.2020

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