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Fürstenfeldbruck:Streit um Studie zum Bahnausbau

CSU-Politiker werfen Grünen Verzögerungstaktik vor

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die vom bayerischen Verkehrsminister Hans Reichart (CSU) angekündigte Machbarkeitsstudie zum viergleisigen Ausbau der S 4 hat Streit ausgelöst. Knackpunkt ist, ob der dreigleisige Ausbau bis Eichenau, an dem die Staatsregierung bislang festhält, eine spätere Erweiterung blockiert. Martin Runge, Landtagsabgeordneter der Grünen, und Thomas Brückner vom Brucker Verkehrsforum warnen davor, dass Brücken, Unterführungen und Schienen wieder abgerissen werden müssten. Um einen solchen Schildbürgerstreich zu vermeiden, sollten die aktuellen Pläne für den dreigleisigen Ausbau überprüft und notfalls gestoppt werden. Die CSU-Abgeordneten Alex Dorow aus Landsberg und Benjamin Miskowitsch aus Mammendorf kritisieren Runges Einlassungen und schieben die Schuld für Verzögerungen auf die Grünen. "Sie reden ständig vom Ausbau des Nahverkehrs und versuchen gleichzeitig, wichtige Projekte zu boykottieren", heißt es in einer Stellungnahme. Die CSU-Politiker behaupten, die Grünen würden den zweiten S-Bahn-Tunnel in München ablehnen, um ihre Stammwähler in Haidhausen nicht zu belasten.

Solche Vorwürfe sind pikant, weil die Staatsregierung den Ausbau der S 4 seit einem Vierteljahrhundert verspricht und die Einweihung schon mal für 2009 angekündigt hatte. Angeblich hatte der Ausbau der S 4 Priorität, bis die Staatsregierung das Projekt hintanstellte, zugunsten der zweiten Röhre in München, die verkehrspolitisch umstritten ist und deren Kosten explodiert sind. Außerdem sollten erst vier Gleise bis Buchenau verlegt werden, dann hieß es plötzlich, drei Gleise wären ausreichend. Minister Reichart hat die neue Studie in Auftrag gegeben, weil Politiker der Freien Wähler, dem Koalitionspartner, inzwischen vier Gleise für sinnvoll halten. Dafür haben sich zwar auch Dorow und Miskowitsch ausgesprochen, warnen aber, dass Eingriffe in privates Eigentum notwendig wären. Runge hat im Landtag eine Anfrage gestartet, ob es sich um Grundstücke handelt, die die Bahn AG verkauft hat und die jetzt fehlen. Er erinnert daran, dass die Staatsregierung die Machbarkeit von vier Gleisen schon vor Jahren in einer Studie für 120 000 Euro hat belegen lassen.

© SZ vom 24.10.2019
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