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Fürstenfeldbruck:Streit um die Namenslose

Seit einem Jahr liegt die Grunschule nicht mehr am Niederbronner Weg. Bis sie einen neuen Namen bekommt, könnte es noch etwas dauern

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Eine Grundschule zieht in Fürstenfeldbruck um. Nun weiß niemand mehr, wie sie heißt. Und die Suche nach einer passenden Bezeichnung wird zum Politikum

Jedes Kind braucht einen Namen. Jede Schule auch. Das gilt ebenfalls für jene, die im September vom Niederbronner Weg gut hundert Meter weiter ins frisch sanierte Gebäude des ehemaligen Graf-Rasso-Gymnasiums umgezogen ist. Dieses freilich liegt am Theresianumweg. Der alte Name passt also nicht mehr. Doch bis heute ist kein neuer gefunden. Stattdessen gibt es Zoff zwischen dem Brucker Stadtrat und der Schule.

Als Mitte September 73 Erstklässler mit großen Schultüten die neue Aula betreten, herrscht noch ungetrübte Freude. Offiziell beginnen sie ihre Schulkarriere in der "Schule am Niederbronner Weg". Daran hat sich auch kurz vor dem Erreichen der zweiten Klasse nichts geändert. Am Dienstag hat nun auch noch der Stadtrat überraschend die Empfehlung des zuständigen Fachausschusses überstimmt und den bereits weit gediehenen Prozess der Namensfindung gestoppt. Der Schulleitung in dem Haus mit der wunderbar bunten Fassade, das wird schnell deutlich, wird es nun selbst zu bunt.

Denn der Wirrwarr könnte kaum größer sein. Auf den Zwischenzeugnissen und auf der schulischen Homepage wird jenes Haus unverändert "Grundschule am Niederbronner Weg" genannt. In der Adresszeile muss man hingegen "www.gs-mitte-ffb.de" eingeben. Und auf der städtischen Homepage ist die Rede von der "Grundschule am Theresianumweg". "Wir schwimmen da ziemlich", bestätigt die genervte Schulleiterin Ursula Edelmann am Donnerstag. Sie deutet an, dass die Stadträte sich auf Gegenwind gefasst machen können und Lehrer sowie Elternbeirat mitnichten gewillt sind, sich einfach zu fügen.

Die Vorgeschichte: Nach dem Umzug bat die Stadtverwaltung die Schulleitung um Namensvorschläge. Denn die Benennung einer Schule ist Paragraf 29 des Schulgesetzes zufolge eine konzertierte Aktion. Sowohl der Freistaat als Schulträger als auch die Stadt als Schulaufwandsträger als auch die Lehrerkonferenz und der Elternbeirat dürfen mitentscheiden. Die Schule diskutierte über 20 Namen, einigte sich auf Bitte der Stadt aber im Februar auf drei Vorschläge. Das Kollegium war für "Grundschule am Hölzl", der Elternbeirat schlug "Grundschule am Theresianumweg" sowie "Niederbronner Grundschule am Theresianumweg" vor. Die Stadtverwaltung ergänzte die Liste um eine leicht modifizierte Variante: "Grundschule Mitte am Theresianumweg". Im März entschied sich der zuständige Sozialausschuss einstimmig für "Grundschule Mitte", obwohl unter anderem die Historikerin Birgitta Klemenz (CSU) die Einfallslosigkeit dieser Namensgebung nach dem Muster der Schule-Nord und der Schule-West kritisiert und eine Benennung nach bekannten Persönlichkeiten ins Spiel gebracht hatte - nach dem Vorbild von Viscardi- oder Graf-Rasso-Gymnasium sowie Ferdinand-von-Miller-Realschule. Schule und Elternbeirat stimmten jedenfalls der "Grundschule Mitte am Theresianumweg" im April zu.

Im Stadtrat am Dienstag dann die 180-Grad-Wende: Dieter Kreis (ÖDP) warnt, ähnlich wie zuvor Klemenz, davor, die Chance einer Benennung nach einer bekannten Brucker Person verstreichen zu lassen und wirbt für einen Frauennamen. Als Beispiele nennt er die Malerin Selma des Coudres, Maria von Brabant, Lena Christ oder die Asam-Frauen. Sein Credo: Schüler und Lehrer kommen und gehen, der Name einer Schule aber bleibt. Die Verwaltung möge doch einen geeigneten Namen vorschlagen. "Wir sollten da mitentscheiden". Das sehen Politiker wie Andreas Lohde (CSU) ähnlich. Vergeblich warnt Alexa Zierl (Grüne) davor, dass es Schülern, Eltern und Lehrern nicht vermittelbar sei, dass sie sich erst den Kopf zerbrechen sollen über einen eigenen Vorschlag und dieser dann übergangen wird: "Die warten jetzt seit fast einem Jahr auf einen Namen." Schulreferentin Claudia Calabrò findet "Grundschule Mitte am Theresianumweg" zwar auch nicht so prickelnd, würde den Beschluss der Schulfamilie aber ebenso akzeptieren wie ihr Fraktionsvorsitzender Walter Schwarz. Anders sieht es Beate Hollenbach (CSU). Die Schule habe "ihre Chance vertan", der Stadtrat solle entscheiden. Weil der sich aber auch nicht auf einen Namen einigen kann, ebnet Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV) schließlich den Weg zum Kompromiss, der fast einstimmig beschlossen wird. Die Stadträte Kreis, Zierl, Calabrò und Klemenz sollen erneut mit der Schule verhandeln, bevor der Stadtrat am 30. Juni abstimmt.

Es dürften harte Verhandlungen werden, denn die Schule lehnt die Namen der prominenten Bruckerinnen ab. "Das passt nicht zu unserer Schule", sagt Ursula Edelmann, "und wir werden auf keinen Fall etwas hinnehmen, was nicht zu uns passt" - auch wenn sich die Stadträte für noch so kompetent hielten. Das würde sich Lehrern und Schülern auch kaum vermitteln lassen. Wenn, dann will sie lieber wieder über "Hölzlschule" reden. Denn das nahe Emmeringer Hölzl sei so etwas wie "unser grünes Klassenzimmer". Edelmann rechnet nicht mehr damit, dass die Schule bis zum nächsten Schuljahr zu einen neuen Namen kommt. Aber sie sei es ja gewohnt, dass im Umgang mit der Stadt "alles sehr lange" dauere. Bis sich eine Lösung für die Namenlose findet, darf diese ihre unpassende, aber offizielle Bezeichnung "Grundschule am Niederbronner Weg" nicht ablegen.