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Fürstenfeldbruck:Straßennamen bleiben belastet

Zusatztafel Wernher-von-Braun-Straße

Ein Zusatztext an diesem Straßenschild soll über Wernher von Braun aufklären.

(Foto: Stadt Fürstenfeldbruck/oh)

Mehrheit des Brucker Stadtrats entscheidet sich für Zusatztafeln

Die Debatte um NS-belastete Straßennamen in Bruck ist nach sechs Jahren beendet. Im Sommer wurden in den ersten Straßen Zusatztafeln angebracht. Allein über deren Inhalt hatte der Stadtrat mehr als ein Jahr gestritten. Nun ist über sechs Wehrmachtssoldaten in der früheren Fliegerhorstsiedlung jeweils zu erfahren, dass die Namensgebung 1962 erfolgte, dem damaligen Traditionsverständnis von Gesellschaft und Bundeswehr entsprach und heute umstritten sei. Unter diesen Soldaten befinden sich zwei Angehörige der Legion Condor, die während des spanischen Bürgerkriegs Zivilisten massakrierte und Guernica verwüstete, sowie General Emil Zenetti, der als Freikorpsoffizier an den Massakern während der Räterepublik in München 1919 beteiligt und als Gerichtsherr der Wehrmachtsjustiz für Todesurteile verantwortlich war. Der Ingenieur Wernher von Braun und Reichspräsident Paul von Hindenburg bekamen im Oktober Texttafeln, in denen ihre Verantwortung für oder Beteiligung an den Verbrechen des Faschismus benannt werden. Außerdem heißt es über den SS-Sturmbannführer von Braun, er sei "Wegbereiter der Mondrakete" gewesen. Die Tafeln zu dem antisemitischen Schriftsteller Julius Langbehn im Ortsteil Puch werden erst im Zuge der Dorferneuerung angebracht.

Eine große Koalition aus BBV, CSU, FDP und FW hat damit verhindert, dass auch nur eine Straße umbenannt wurde. Während die Bundeswehr bereits 2006 alle belasteten Straßenpatrone auf dem Gelände des Fliegerhorstes entfernte, fruchteten bei der Mehrheit der Stadträte und Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) weder die Fakten noch Argumente von Experten wie der Kulturreferentin Birgitta Zwerenz (CSU) oder dem Stadtarchivar Gerhard Neumeier oder zuletzt ein Appell der Bundesvereinigung der Opfer der NS-Justiz. Etwa die Hälfte der Namen, die 2013 zu Beginn der Diskussion zur Disposition standen, wurden vom Stadtrat ohnehin rehabilitiert, darunter der des Wehrwirtschaftsführers Willy Messerschmitt.

"Zu gegebener Zeit werden wir eine Eingabe an den Bundestag richten" kündigte Jakob Knab an. Der Religionslehrer aus Kaufbeuren befasst sich seit Jahrzehnten mit der Traditionspflege der Bundeswehr und hat die Debatte um die Straßennamen auf dem Fliegerhorst mit initiiert. Seine Petition an den bayerischen Landtag wegen der Brucker Namen war im Ausschuss von einer Mehrheit aus AfD, CSU und Freien Wählern abgewiesen worden.

© SZ vom 30.12.2019 / bip
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