Kommunalwahl im Landkreis FürstenfeldbruckWahlkampfendspurt mit Promi-Faktor

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Wahlkampf-Coup: Klima-Aktivistin Luisa Neubauer (rechts) ist das erste Mal in Fürstenfeldbruck. Sie möchte einen Beitrag dazu leisten, dass Ronja von Wurmb-Seibel die Stichwahl gegen Thomas Karmasin gewinnt.
Wahlkampf-Coup: Klima-Aktivistin Luisa Neubauer (rechts) ist das erste Mal in Fürstenfeldbruck. Sie möchte einen Beitrag dazu leisten, dass Ronja von Wurmb-Seibel die Stichwahl gegen Thomas Karmasin gewinnt. Niels P. Jørgensen
  • Klima-Aktivistin Luisa Neubauer unterstützt vier Tage vor der Stichwahl die Grünen-Landratskandidatin Ronja von Wurmb-Seibel in Fürstenfeldbruck vor etwa 300 Besuchern.
  • Wurmb-Seibel holte im ersten Wahlgang 21,7 Prozent und zwang Amtsinhaber Thomas Karmasin (CSU) in die Stichwahl, liegt aber noch 23 Prozentpunkte hinter ihm.
  • Neben Neubauer unterstützte auch die ehemalige Grünen-Parteivorsitzende Ricarda Lang die Kandidatin spontan beim Wahlkampf in Olching.
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Kurz vor der Stichwahl holt Ronja von Wurmb-Seibel die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer nach Fürstenfeld. Etwa 300 Besucher verfolgen das Gespräch der beiden Frauen. Es geht um Mut, Zuversicht, Zukunft – und ums Busfahren.

Von Christian Kern, Fürstenfeldbruck

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Luisa Neubauer macht Selfies nicht einfach so, sie macht Selfies professionell. Erst im Hochformat, dann im Querformat. Im Zeitalter der sozialen Medien ist es wichtig, beides zu haben. Obwohl es so länger dauert. Es ist kurz vor 22 Uhr, als Neubauer im Veranstaltungsforum Fürstenfeld das Handy nochmals dreht. Auch die letzten Besucher sollen ihr Querformat-Foto mit Deutschlands bekanntester Klimaaktivistin bekommen.

Mit auf das Bild stellt sich eine große, blonde Frau im Hosenanzug. Sie ist an diesem Abend auf jedem Foto dabei, sie weicht nicht von Neubauers Seite. Denn der Besuch der 29-Jährigen ist so etwas wie ihr persönlicher Coup. Ihr Wahlkampf-Coup. Landratskandidatin Ronja von Wurmb-Seibel (Bündnis 90/Die Grünen) holt das deutsche Gesicht von „Fridays for Future“ nach Fürstenfeld. Und das vier Tage vor der Stichwahl um den Landratsposten in Fürstenfeldbruck. „Ronja trifft Luisa“: So bewarben die Grünen die Veranstaltung in einer Mitteilung. Und sie schrieben: „Gemeinsam sprechen sie über die großen Fragen unserer Zeit.“

Es war nur die halbe Wahrheit. Zu den großen Fragen mischte sich natürlich das Kleine, das Lokale, die Wahl im Landkreis Fürstenfeldbruck: Wurmb-Seibel gegen den langjährigen Amtsinhaber Thomas Karmasin (CSU). Der Amtsinhaber gegen die Newcomerin. Die Autorin und Neu-Politikerin holte im ersten Wahlgang auf Anhieb 21,7 Prozent, zwang Karmasin in die Stichwahl. Ein Erfolg. Allerdings: Der CSU-Politiker lag immer noch 23 Prozentpunkte vor ihr. Wurmb-Seibel kann Neubauer ganz gut brauchen.

Den vollen Saal im Veranstaltungsforum, den donnernden Applaus, den beide Frauen schon zu Beginn der Veranstaltung geschenkt bekommen. Neubauer strahlt ins Publikum, legt ihre Hand auf die Brust, um Rührung zu signalisieren. „Das ist meine erste Stunde in Fürstenfeldbruck und ich bin ganz begeistert.“ Sie war zuvor noch nie hier. Sie wusste auch nicht, was sie erwartet. Neubauers Besuch, er war „ganz, ganz kurzfristig“, sagt die Stichwahl-Kandidatin. Und wahrscheinlich wäre er auch nicht zustande gekommen, wenn sich die beiden nicht so gut kennen würden.

Ein Gespräch über das Große und das Kleine, über die Welt und den Landkreis: Ronja von Wurmb-Seibel beim Gespräch im kleinen Saal des Veranstaltungsforums Kloster Fürstenfeld.
Ein Gespräch über das Große und das Kleine, über die Welt und den Landkreis: Ronja von Wurmb-Seibel beim Gespräch im kleinen Saal des Veranstaltungsforums Kloster Fürstenfeld. Niels P. Jørgensen

Neubauer hat die Bücher der gebürtigen Dünzelbacherin gelesen. Sie hat ihr Nachrichten geschrieben. Auch nach dem ersten Wahlgang wieder. Neubauer fragte, ob sie noch helfen könne. Wurmb-Seibel erkannte ihre Chance. So sitzen beide am Mittwochabend auf der Bühne im Veranstaltungsforum. Sie sprechen vor knapp 300 Leuten und sie sprechen ohne große Vorbereitung. „Wir improvisieren einfach“, sagt Wurmb-Seibel zu Beginn. Dafür sieht das alles ziemlich unimprovisiert aus.

Neubauer und Wurmb-Seibel gehen aufeinander ein, spielen sich rhetorisch Bälle zu wie eine gut trainierte Fußballmannschaft. Es geht bei ihnen um gewichtige Themen: Mut, Zuversicht, Zukunft. Beide nähern sich dem aus ihrer jeweiligen Perspektive. Neubauer spricht über die Klimakonferenz der Vereinten Nationen, Wurmb-Seibel über den Stadtrat.

Luisa Neubauer sagt: „Demokratie ist Busfahren.“

Die langjährige Journalistin hat intensive Wochen hinter sich. Sie hat einen Wahlkampf geführt, der überregional beachtet wurde. Wurmb-Seibel ging hinaus, klingelte unermüdlich an Türen im Landkreis. Mehr als 24 000 hätten sie und ihr Team geschafft. Sie selbst habe über 2000 Gespräche geführt. Dabei hat die Kandidatin viel über Demokratie gelernt.

Neubauer fragte, ob sie im Wahlkampf helfen könnte. Sie konnte. Etwa 300 Zuhörer kamen, um sie und die Grünen-Landratskandidatin zu hören.
Neubauer fragte, ob sie im Wahlkampf helfen könnte. Sie konnte. Etwa 300 Zuhörer kamen, um sie und die Grünen-Landratskandidatin zu hören. Niels P. Jørgensen

In Fürstenfeldbruck nickt sie, als Luisa Neubauer sagt: „Demokratie ist Busfahren.“ Also: sich mit anderen Menschen grob in die gleiche Richtung bewegen und dann irgendwo rauskommen. Wurmb-Seibel weiß: Jeder Bus braucht eine Person, die ihn lenkt.

Für Maren Wunderlich ist klar, wer das künftig im Landkreis übernehmen soll. Sie ist mit ihrer Tochter aus Gröbenzell zu der Veranstaltung gekommen. „Super gut“ sei sie gewesen, „sehr inspirierend“. Ihre Wahlentscheidung am Sonntag stehe ganz fest. Wunderlich scheint im Bus der Landratskandidatin Platz genommen zu haben.

Ricarda Lang macht Wahlkampf in Olching

Ricarda Lang auch. Die ehemalige Parteivorsitzende der Grünen kam am vergangenen Sonntag nach Olching, um mit ihrer Parteifreundin an Haustüren zu klingeln. Wurmb-Seibel sagt, die Aktion sei „genauso spontan“ gewesen wie der Neubauer-Besuch. Auch Lang habe ihr geschrieben und gefragt, ob sie sie unterstützen könne. Die Kommunalpolitikerin hat es geschafft, reichlich Partei-Prominenz in ihren Bus zu holen. Doch ist er auch wirklich groß genug?

Kurz bevor ihr Gespräch mit Neubauer zu Ende ist, sagt Wurmb-Seibel, dass sie gar nicht mehr als Verliererin vom Platz gehen könne. Zu viel hätten sie und ihr Team in den vergangenen Wochen bewegt. Es ist ein Satz, den man oft Politikern hört, die nicht gewählt werden. So eine Politikerin will Wurmb-Seibel aber nicht sein. „Ich will unbedingt gewinnen.“ Luisa Neubauer sitzt daneben. Sie applaudiert kräftig.

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Von Gerhard Eisenkolb

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