Obwohl der Landkreis Fürstenfeldbruck seit nunmehr einem Jahr Biomüll über eine eigene Tonne erfasst, reichen die Mengen auch zusammen mit zwei Nachbarlandkreisen nicht aus, um eine Biomüllvergärungsanlage bauen und wirtschaftlich betreiben zu können. Die Suche nach organischem Abfall aus weiteren Landkreisen geht also weiter. Ein potenzieller Mitstreiter könnte der Landkreis München sein.
Man stehe „in ständigem Austausch mit den umliegenden Landkreisen“, heißt es aus dem Münchner Landratsamt. „Diese und andere bestehende und potenziell zukünftige Verwertungsmöglichkeiten“ würden „im Sinne einer zukünftigen nachhaltigen und kostenorientierten Verwertung unter Berücksichtigung aller relevanter Faktoren, wie Beteiligungsformen, Mengen, Fahrtwege geprüft“, antwortet die Behörde einigermaßen unbestimmt auf Anfrage der SZ. Im ersten Quartal des neuen Jahres wollen sich die Gremien des Landkreises München mit möglichen Szenarien befassen.
Fix ist also noch nichts. Außer dass der Landkreis München seit 2022 keine eigene Vergärungsanlage mehr und damit ebenfalls ein Problem hat. Diejenige im Brunnthaler Ortsteil Kirchstockach, die seit 1997 in Betrieb war, wurde damals wegen technischer Mängel stillgelegt. Der Biomüll wird seither extern verwertet.
Die Kreise Fürstenfeldbruck, Dachau und Starnberg möchten gemeinsam eine Vergärungsanlage für organische Abfälle in der Gemeinde Maisach im Kreis Fürstenfeldbruck bauen. Das damit erzeugte Biogas soll Maisacher Haushalte mit Wärme versorgen. Benötigt würden idealerweise mindestens 60 000 Tonnen „Biogut“ pro Jahr, wie Thomas Raussen vom Witzenhausen-Institut den Biomüll nennt: „Das wäre ziemlich ideal für den Gasbedarf in Maisach“, sagt er der SZ. Je größer eine solche Anlage ist, desto günstiger seien die Kosten. Das Witzenhausen-Institut hatte eine Berechnung mit 45 000, 60 000 und 75 000 Tonnen Bioabfällen angestellt.
26 000 Tonnen Bioabfall im Jahr reichen bei Weitem nicht
Derzeit sammeln die Kreise Fürstenfeldbruck, Dachau und Starnberg zusammen lediglich 26 000 Tonnen im Jahr ein. Das bedeutet, dass sie auch zu dritt nicht in der Lage sind, eine Vergärungsanlage wirtschaftlich zu betreiben. „Wir müssen noch Mengen finden“, weiß deshalb auch Stefan Mayer, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Fürstenfeldbruck. 2025 lag das gesammelte Aufkommen im Fürstenfeldbrucker Land bei etwa 8200 Tonnen, zuvor waren es mit einem nunmehr abgeschafften Sacksammelsystem um die 6000 Tonnen gewesen.

Abfallwirtschaft:Biomüll, der nachgefragte Rohstoff
Die drei Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau und Starnberg möchten gemeinsam eine regionale Vergärungsanlage bauen. Doch es kommt nicht genügend organischer Abfall zusammen. Jetzt suchen sie nach weiteren Mitstreitern.
Bedenken äußerte Grünen-Kreisrätin Ingrid Jaschke, da die bisher beteiligten Landkreise „nicht mal die Hälfte an Biomüll beisteuern können“. Sie wollte zunächst eine Entscheidung des Landkreises München abwarten. Die Mehrheit der Fürstenfeldbrucker Kreisräte aber wollte ein Zeichen setzen: dass man die Vergärungsanlage auch wirklich bauen möchte. Dazu wurde beschlossen, dem Gemeinsamen Kommunalunternehmen für Abfallwirtschaft (GfA), das die Kreise Fürstenfeldbruck und Dachau im Olchinger Stadtteil Geiselbullach betreibt, auch die Verwertung und Beseitigung von Bioabfällen in Aussicht zu stellen. Allerdings beinhaltet der Beschluss auch, dass die Voraussetzung dafür das Vorhandensein von mindestens 60 000 Tonnen eingesammelter Bioabfälle sein muss.
Das Gutachten des Witzenhausen-Instituts ergab, dass der Standort westlich der Gemeinde Maisach gut geeignet ist für eine Vergärungsanlage, dass je nach Anlagengröße zwischen 54 und 78 Millionen Euro netto investiert werden müsste und eine solche Anlage 2030 in Betrieb gehen könnte.

