bedeckt München

Fürstenfeldbruck:Sparbuch bleibt attraktiv

Trotz niedrigster Zinsen scheint das Vertrauen in die klassische Anlagenform ungebrochen zu sein. Allein bei der Brucker Volksbank macht das Volumen 32 Millionen Euro aus

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

Es sind schwierige Zeiten für Menschen, die Geld sparen oder anlegen wollen. Wer zur Bank geht und etwas zurücklegen will, wird sich vom klassischen Sparbuch nicht mehr viel erwarten dürfen. Das kleine bunte Heft mit den Zahlenkolonnen und dem einmal im Jahr verbuchten Zinsertrag war für viele Kinder der Anfang in der Finanzwelt. War? Nein, Sparbücher gibt es nach wie vor, die herkömmlichen wie die modernen Finanzprodukte zum Sparen. Weder bei der Sparkasse noch bei den Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis hat die Bereitschaft zum Sparen nachgelassen. Das ist zumindest aus den Vorstandsetagen zu hören und sichtbar in den Statistiken der jeweiligen Kreditinstitute. Allein bei der Volksbank Fürstenfeldbruck liegen 32 Millionen Euro an Spareinlagen aus den bankeigenen "Spar-Plänen". Dort wurden insgesamt etwa 45 000 Sparbücher für normales wie für Renditesparen ausgegeben, 54 000 Kunden hat die Brucker Volksbank.

"Das Sparbuch ist heute noch modern", sagt Walter Müller von der Volksbank Fürstenfeldbruck. Doch die "Grundlage zum Sparen" ist nicht mehr das einzige Angebot, das die Volksbank schon den jungen Kunden macht. Längst bekommen schon Kinder und Jugendliche mit, wie sich ihr Geld - wenigstens ein wenig jährlich - vermehren kann, wenn es entsprechend angelegt wird. "Da kommt schon was zusammen, wenn man regelmäßig mit einem Dauerauftrag zum Beispiel für einen Führerschein spart", ermuntert Vorstandsvorsitzender Müller die Jugend. Damit die Kundenbindung von Anfang an auch klappt, stellt die Volksbank für Neugeborene ihrer Kunden gleich ein Sparbuch aus.

Auch bei der Sparkasse kann man vermelden, dass die Zahl der Sparer nicht gesunken, sondern eher gestiegen ist. "Auch wenn man weiß, dass mit Sparprodukten die Renditen relativ gering sind", wie Dirk Hoogen, Sprecher der Sparkasse Fürstenfeldbruck anmerkt. "Sparen hat seinen Wert", befindet er, denn es gehe um den Gedanken, etwas zurückzulegen, ganz unabhängig von Renditen. Hoogen sagt, dass die Spareinlagen über die Jahre hinweg auf etwa gleichem Niveau geblieben seien: "Es gab keine Riesenzuwächse." Aber die Kunden sähen die Sparkasse als einen Ort an, an dem das Geld gut aufgehoben werde, bis man es benötige. Das werde auch gestützt durch Untersuchungen, wonach die Wertsicherheit der Sparkassen nach der Finanzmarktkrise von 2008/2009 "eine ganz enorme Bedeutung bekommen" habe.

Ähnliches weiß auch Rainer Klügl, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Westkreis mit Sitz in Moorenweis zu berichten. Auf dem Land sei die Bank über ihre Mitglieder verwurzelt, es gebe verschiedene Angebote und Anreize, ein Sparguthaben anzulegen. "Wir fördern den Spargedanken unter anderem mit einem Ratensparen mit einem Sonderzinssatz", sagt Klügl. Das sei freilich etwas anderes, als das klassische, gebundene Sparbuch, auf dessen Einlagen es kaum Zinsen gebe. Junge Leute wollten auch eher etwas Digitales, auch das biete die Raiffeisenbank Westkreis an. Dafür gebe es sogar einen richtigen Kontoauszug. Eine ganz besondere Form der langfristigen Einlage seien die Anteile, die ein Mitglied der Raiffeisenbank zeichne. Für die gibt es eine jährliche Rendite, gut fünf Prozent - und ein zünftiges Essen dazu.

Trotz aller Anstrengungen, die die Sparkassen und Genossenschaftsbanken beim Thema Sparen unternehmen, sind die Perspektiven in der momentanen Niedrigzinsphase eher schlecht. Sparkassen-Sprecher Hoogen sieht nämlich "ein gesamtgesellschaftliches Problem auf uns zukommen", weil die Generation 30 plus bei der Vorsorge, also beim Sparen für die Versorgung im Alter, nachlässig sei. "Es heißt immer, Riester-Sparen bringt nichts", echauffiert sich Hoogen, "doch wird dabei meiner Meinung nach nicht bedacht, dass es ja auch noch staatliche Zuschüsse obendrauf gibt." Er stelle sich oft die Frage, wie man im Alter leben wolle, wenn man den Wertverfall der Lebensversicherungen ansehe beziehungsweise jetzt nichts dafür tue. "Jeder sollte seinen eigenen Sparplan haben", sagt Hoogen. Dem kann Volksbank-Vorstand Müller nur beipflichten: "Man muss, will man als Erwachsener zu sparen anfangen, Fonds genauso berücksichtigen wie Wertpapiere und Aktien und darf das Tagesgeld nicht vergessen."

© SZ vom 13.06.2014
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema