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Fürstenfeldbruck:Sozialer Wohnungsbau light

Zinslose Kredite und Genehmigungen für Immobiliengesellschaften: Die Kreisstadt will ohne große Investitionen die Schaffung bezahlbarer Unterkünfte fördern und sich ein Belegungsrecht sichern.

Die Kreisstadt will sich bei der Belegung von Sozialwohnungen nicht mehr auf das Wohlwollen der Wohnbau- und Immobiliengesellschaften verlassen müssen. Die Oberbayerische Heimstätte und die Igewo sollen mit Baurecht und zinslosen Krediten zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums gelockt werden. Im Gegenzug hofft Fürstenfeldbruck, sich in den nächsten Jahren ein Belegungsrecht für 40 bis 50 neue Sozialwohnungen sichern zu können.

Heimstättenstraße FFB

Abbruchhäuser an der Heimstättenstraße in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Günther Reger)

Der Fall einer kranken, alleinerziehenden Mutter hatte die Problematik erst jüngst wieder verdeutlicht. Die 50-Jährige muss bis Ende Januar ihre Mietwohnung räumen und sucht bis heute vergeblich nach einer bezahlbaren, barrierefreien Wohnungen. Daran änderte auch die Unterstützung durch Karl-Heinz Weiß, den Vorsitzenden des Behindertenbeirats Fürstenfeldbruck, nichts. Die Stadt selbst besitzt zwar Wohnungen, in denen zurzeit 139 Mieter leben, diese sind aber teils nicht behindertengerecht, stark sanierungsbedürftig und eben belegt.

In dringenden Fällen ist das Wohnungsamt auf das Gutdünken der Gesellschaften angewiesen, die freie Sozialwohnungen im Angebot haben. Die Stadt kann in solchen Fällen aber nur eine Vorschlagsliste mit fünf Kandidaten einreichen. Aus denen sucht sich der Vermieter dann einen aus - er darf aber auch alle fünf ablehnen. Und weil die 50-Jährige mit ihrer 15 Jahre alten Tochter wiederholt abgewiesen wurde, bleibt ihr bald nur der Umzug in die Obdachlosenunterkunft.

Neben der Bebauung des Fliegerhorsts wird der soziale Wohnungsbau von Brucker Kommunalpolitikern immer wieder als vorrangige Aufgabe genannt. So forderte die BBV bei den jüngsten Haushaltsberatungen mehr Engagement, günstigen Wohnraum zu erhalten und zu schaffen. Und Grüne sowie SPD haben in den zurückliegenden Monaten immer wieder in die selbe Kerbe geschlagen.

Gegen den Einstieg bei den langfristig zum Verkauf stehenden GBW-Wohnungen votierte die Mehrheit im Stadtrats aber ebenso wie gegen eine Beteiligung an einer Wohnbaugesellschaft der Kommunen unter Federführung des Landkreises, wie sie die Kreis-SPD angeregt hatte. Zu teuer, heißt es unisono.

Der Druck, sich um bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu kümmern, ist in den vergangenen Monaten aber gewachsen. Dass es Handlungsbedarf gibt, hat Oberbürgermeister Sepp Kellerer (CSU) längst eingesehen. Mittlerweile widerspricht da nicht einmal mehr der Finanzreferent Ludwig Lösch (CSU), der als Aufsichtsrat der Wohnungsbaugenossenschaft Fürstenfeldbruck mit ihren 164 Wohnungen selbst über einschlägige Erfahrungen verfügt.

Es geht nur noch um die beste Strategie, die möglichst wenig Geld kosten soll. Und die könnte so aussehen: Fürstenfeldbruck gewährt der Oberbayerischen Heimstätte als Anreiz für 20 Neubau-Sozialwohnungen einen zinslosen Kredit von jeweils 30000 Euro. Im Gegenzug gewährt die Heimstätte der Stadt das Belegungsrecht, verzichtet also auf eine eigene Auswahl. Die alten, heruntergekommenen Häuser an der Heimstättenstraße will die Tochter des Bezirks Oberbayern ohnehin in den nächsten Wochen abreißen. Noch im kommenden Herbst könnte nach Einschätzung Kellerers mit den Neubauarbeiten begonnen werden. Die städtischen Gremien müssen diesem Plan noch zustimmen.

Nachdem sich der Stadt durch die überraschend hohen Schlüsselzuweisungen von gut einer Million Euro neue finanzielle Spielräume eröffnen und sie für ihr Darlehen selbst nur 12 000 Euro zahlen müsste, rechnet Kellerer von dieser Seite ebenso mit Zustimmung wie von der Seite der Kommunalaufsicht, die über das städtische Konsolidierungsprogramm wacht und bei einer Kreditaufnahme mitreden kann. Den Weg ebnen könnte auch der Verkauf von Grundstücken, der einen siebenstelligen Verkaufserlös verspricht. Die Oberbayerischen Heimstätte wollte sich am Donnerstag nicht zu dem Projekt äußern.

Weitere 20 bis 30 Sozialwohnungen wünscht sich die Stadt auf dem Gelände an der Cerveteristraße. Die Wohnbaugesellschaft Igewo soll südlich des geplanten neuen Standorts der Stadtwerke bauen dürfen und der Stadt auch hier möglichst für 25 Jahre ein Belegungsrecht zusichern. Ein Termin der Fertigstellung ist freilich noch nicht absehbar. Denn es gibt Widerstand gegen den geplanten Grundstückstausch der Stadtwerke mit der Igewo und Anzeichen für ein Bürgerbegehren, das die Verlagerung der Stadtwerke an die Cerveteristraße verhindert werden soll. Unklar ist, ob die Igewo im Fall eines Scheiterns noch bereit wäre, Sozialwohnungen zu bauen.

In Fürstenfeldbruck werden bis dato jedes Jahr lediglich rund 30 Sozialwohnungen frei. Die Oberbayerische Heimstätte und die GFBW verfügen jeweils über rund 270 Sozialwohnungen, die GWG über 70, das Katholische Siedlungswerk über rund 80 und die Fürstenfeldbrucker Wohnungsbaugenossenschaft über weniger als zehn. Insgesamt nimmt die Zahl der Sozialwohnungen ab, weil sie aus der gesetzlichen Mietpreisbindung fallen und kaum Ersatz geschaffen wird.