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Fürstenfeldbruck:Sonderregeln für Flüchtlingsklassen

Da nur ein Drittel der jugendlichen Asylbewerber Platz an einer Schule findet, fordert SPD-Kreisrat Michael Schrodi mehr Flexibilität

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Kreisrat Michael Schrodi (SPD) will sich nicht damit abfinden, dass die Aussichten von jungen Flüchtlingen auf einen Schulplatz im Landkreis "unbefriedigend" sind und in absehbarer Zeit keine wirkliche Besserung ins Sicht ist. Er regt deshalb an, zu diesem Zweck gezielt bereits ausgebildete, aber nicht in den Staatsdienst übernommenen Lehrer anzustellen und Personal von anderen Schulen abzuordnen. Da es auch nicht genügend Unterrichtsräume gibt, soll ausnahmsweise auch die Beschränkung des Pflichtunterrichts auf Regelschulen aufgehoben werden. Dann wäre es nämlich möglich, spezielle Klassen für Flüchtlinge auch an weiterführenden Schulen einzurichten, obwohl diese Schüler weder einen Realschulabschluss noch ein Abitur anstreben.

Da für solche Maßnahmen nicht der Landkreis, sondern der Freistaat zuständig ist, kündigte Schrodi in der jüngsten Kreistagssitzung einen entsprechenden Antrag der SPD-Kreistagsfraktion an. Für etwa 400 von insgesamt 600 jungen Flüchtlingen im Alter von 16 bis 21 Jahren, die im Landkreis leben und einen Anspruch auf den Besuch einer Schule haben, wird es im Herbst voraussichtlich keine Möglichkeit geben, dies auch zu tun. Es fehlen sowohl die entsprechenden Klassenräume als auch die Lehrkräfte. Laut dem SPD-Kreisrat sind deshalb größere Anstrengungen und mehr Flexibilität erforderlich, um allen jungen Migranten mit dem Schulbesuch die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Landrat Thomas Karmasin (CSU) stimmte im Prinzip Schrodis Ansinnen zu, dessen Ausführungen sich vor allem auf die berufliche Bildung, also Berufsintegrationsklassen der Berufsschule und die auf diese Ausbildung vorbereitende Integrations-Vorklassen bezogen. Karmasin ließ aber offen, wie mehr jungen Flüchtlingen ein Schulbesuch ermöglicht werden kann. In einem Punkt ging der Landrat sogar weiter. Er verwies darauf, dass ebenfalls noch nicht genügend Kinder von Asylbewerbern und Migranten an eine Realschule oder auf ein Gymnasium wechseln können. Bei denjenigen, die den Sprung an eine weiterführende Schule schaffen, handelt es sich laut Karmasin nur um einen kleinen, "handverlesenen" Kreis von Jugendlichen. Das sei ausbaufähig, meinte er.

Zu Schrodis Vorschlag, vom Staat nicht übernommene Lehrer einzustellen, meinte Karmasin, ihm fehle die Kompetenz um zu beurteilen, ob dieser Personenkreis nicht mit der Aufgabe überfordert sei. Laut Schrodi ist erst dann mehr Migranten ein Schulbesuch und damit der Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen, wenn die Staatsregierung das Personal- und Kapazitätsproblem gelöst habe. Eine weitere Option, mehr Migranten in absehbarer Zeit einen Schulbesuch zu ermöglichen, besteht laut dem Sozialdemokraten darin, beispielsweise Gymnasiallehrer nicht ausschließlich an Gymnasien einzusetzen, sondern zusätzlich noch an anderen Schulen für den Unterricht in speziellen Flüchtlingsklassen.

Zudem könnte ausnahmsweise die Beschränkung aufgehoben werden, den Pflichtschulbesuch von Flüchtlingen ausschließlich auf Regelschulen zu beschränken, also auf Grund-, Haupt, Mittel- und Berufsschulen. Gerade an Gymnasien gibt es laut Schrodi an den Nachmittagen freie Räume, weil hier in der Regel vormittags unterrichtet wird.

Wie dramatisch die Situation im Landkreis ist, ist dem Bericht der Landkreisverwaltung zur Schul-, Bildungs- und Ausbildungssituation unbegleiteter minderjähriger und volljähriger Flüchtlinge bis zu einem Alter von 21 Jahren zu entnehmen. Dieser war auf Antrag der SPD-Kreistagsfraktion erstellt worden. Für die etwa 600 16- bis 21-Jährigen umfasst laut dem Schulreferat das aktuelle Angebot an der Berufsschule in Fürstenfeldbruck zurzeit nur 60 Plätze. Da aber nicht alle, die die Berufsschule besuchen müssten, über die erforderliche Qualifikation verfügen, wird nach einem Eignungstest selektiert. Zum neuen Schuljahr soll sich dieses Angebot auf 180 Plätze verdreifachen. Allerdings kann die Berufsschule diese Aufgabe nicht alleine stemmen. Deshalb hatte Berufsschulleiterin Andreas Reuß bereits Anfang April in einer Sitzung des Kreisausschusses an die weiterführenden Schulen im Landkreis appelliert, sie mit Personal und Infrastrukturangeboten zu unterstützen.

Schon vom kommenden Schuljahr an werden an der Ferdinand-von-Miller-Realschule in Fürstenfeldbruck für schlupflichtige Asylbewerber und Migranten zwei sogenannte Sprintklassen mit einer intensiven Sprachförderung gebildet. Mit dem Ziel, den Realschulabschluss zu schaffen. Zudem gibt es Überlegungen, am Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck, als Pilotprojekt eine sogenannte Integrationsklasse (InGym) einzuführen. Dieses Angebot richtet sich an besonders leistungsfähige und leistungsbereite Schüler, die erst vor Kurzem zugewandert sind und über eine gymnasiale Vorbildung, aber nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen.

© SZ vom 30.05.2016
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