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Fürstenfeldbruck:Shoppen ohne Schlendern

Einkauf mit Mund-Nasen-Schutz: In diesem Jahr verlaufen Weihnachtseinkäufe wie hier in Bruck anders als in anderen Jahren.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mit dem Auftakt des Weihnachtsgeschäfts sind Einzelhändler im Landkreis zufrieden. Aus Angst vor weiteren Corona-Beschränkungen scheinen die Kunden in diesem Jahr früher die Geschenke zu kaufen

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Vermiest das Coronavirus das Weihnachtsgeschäft? Verzichten Kunden aus Angst vor Ansteckung mit Covid-19 aufs Geschenke kaufen? Nach dem ersten Adventswochenende, das traditionell den Auftakt für den Geschenke-Einkauf vor dem Fest bildet, äußern sich die befragten Händler verhalten. Das liegt aber weniger daran, dass die Kunden ausgeblieben sind. Sondern vor allen Dingen daran, dass in der aktuellen Situation keiner Prognosen machen möchte. Dennoch. Nach einem ersten Eindruck scheinen viele Kunden ihre Weihnachtseinkäufe früher zu erledigen. Außerdem beobachten einige Händler, dass Kunden ganz gezielt Geschäfte vor Ort unterstützen wollen oder beziehungsweise sie vermehrt Zeit Zuhause verbringen und sie es sich dort gemütlich machen. Insofern bringt die Corona-Pandemie vielleicht nicht allen Geschäftsleuten nur Verluste ein.

"Wir sind in einer Branche, die eher positiv ist", erklärt Hermann Hutter. Der Vizepräsident des deutschen Handelsverbandes in Berlin hat vor drei Jahren mit seinem Traditionshaus Hutter Büro die drei gut etablierten Geschäfte von Treffpunkt Wagner in Olching und Fürstenfeldbruck übernommen. Das Sortiment mit Büromaterial und Schreibwaren, Spielen, Büchern sowie kleinen Geschenkartikeln befriedige die durch Homeoffice, Schulausfälle und die ganz allgemeine Tendenz, vor allem daheim zu bleiben, veränderten Kundenwünsche. "Das sind genau die Warengruppen, die wir anbieten." Nach einem Kompletteinbruch im Frühjahr, als wochenlang Kontaktbeschränkungen galten und die Läden geschlossen waren, sei die Nachfrage etwa von Juni an eher gestiegen.

"Bücher werden verstärkt nachgefragt", hat auch Katrin Schmidt festgestellt. Die Inhaberin der Buchhandlung Lesezeichen in Germering kann über das Geschäft am ersten Adventswochenende nicht klagen. "Grundsätzlich ist jetzt schon mehr los als sonst vor Weihnachten. Die Gewerbereferentin der Stadt Germering und Vorsitzende des örtlichen Wirtschaftsverbandes will aber auch nicht in Jubel ausbrechen, da sie überhaupt nicht einschätzen könne, ob dieser Trend anhalte.

"Bis jetzt könnte man den Eindruck haben, dass die Leute früher ihre Einkäufe machen", beispielsweise um sich in den zwei Wochen vor dem Fest selbst zu isolieren oder weil sie fürchten, dass die Geschäfte wegen steigender Infiziertenzahlen kurzfristig schließen müssen. "Man hat schon gehört, dass viele jetzt einkaufen", berichtet Hutter ebenfalls von vorgezogenen Weihnachtseinkäufen.

"Es kommen eigentlich weniger, aber die kaufen gezielter", schildert Thomas Schnattinger seine Beobachtungen. Er leitet den Expert Technomarkt Olching und vermisst jene Kunden, die sonst um diese Jahreszeit in der Hoffnung auf Inspiration für Geschenkideen durch den Laden schlendern. Auch er hat den Eindruck, dass einige ihre Einkäufe in diesem Jahr früher erledigen, da sie befürchten, die Geschäfte könnten wieder schließen müssen. Dafür spricht auch, dass die Online-Bestellungen seit Beginn der Pandemie spürbar zugenommen haben. Für die nächsten Tage und Wochen rechnet Schnattinger mit weiteren Bestellungen. Beliebt seien, auch beim klassischen Kauf im Laden, in diesem Jahr vor allem Fernsehgeräte mit einem großen Bildschirm sowie hochwertige Espresso-Maschinen. "Ich glaube, die Leute machen es sich ganz schön daheim", lautet sein Eindruck.

Die örtlichen Geschäfte profitieren zudem davon, dass viele Landkreis-Bewohner derzeit nicht nach München fahren, berichten Hutter und Schmidt, die oft mit Kollegen aus unterschiedlichen Branchen sprechen. "Uns kommt zugute, dass die Leute mehr lokal einkaufen", sagt Hutter. Von diesem Trend hätten ihr schon vereinzelt Kollegen aus Germering erzählt. Dennoch: Beispielsweise für Mode- und Schuhgeschäfte sei das Jahr 2020 ein großer Verlust. Ähnliches hat Hutter aus der ganzen Republik gehört: "Im Homeoffice braucht man keine Business-Klamotten."

© SZ vom 02.12.2020
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