Süddeutsche Zeitung

Fürstenfeldbruck:Schwimmende Miniaturarchitektur

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Grundschüler haben wieder mehr als 200 Häuschen gebaut. Diese sind in der Sparkasse ausgestellt, bis sie in zwei Wochen in die Amper gelassen werden. Der Brauch geht auf das 18. Jahrhundert zurück und huldigt der heiligen Lucia

Von Fabiana Braunstorfer, Fürstenfeldbruck

Bunte Fantasiewelten inmitten vom erwachsenen Alltagsgeschäft: In der Sparkasse am Hauptplatz, neben Bankschaltern und Arbeitsplätzen, thront bunte Miniaturarchitektur. Fürstenfeldbrucker Kinder bauten wie jedes Jahr die sogenannten Luzienhäuschen, die nun für zwei Wochen in der Bankfiliale zu bestaunen sind. Schüler der Philipp-Weiß-Schule und der Grundschule Mitte bauten mehr als 200 kleine Kunstwerke aus Holz, Papier und Karton - auf kleinen Plattformen, damit sie schwimmen. Am Abend des 13. Dezembers werden sie dann der Strömung der Amper übergeben - nachdem sie in der Leonhardikirche gesegnet und mit angezündeten Kerzen bestückt worden sind. Europaweit wird am 13. Dezember der heiligen Lucia mit Lichterfesten gehuldigt. Ihr verdankt die Brucker Tradition den Namen, der vom lateinischen "Lux" abgeleitet ist und "Licht" bedeutet.

Stadtrat Franz Höfelsauer erinnert sich an die historischen Wurzeln des Festes: "Erst war es eine Bitte, dann ein Dank." Im Jahr 1785 habe es eine Hochwassernot gegeben. Da beteten die Fürstenfeldbrucker, die in der Nähe des Flusses wohnten, und opferten kleine Nachbildungen ihrer Häuser an die Amper. Sie blieben verschont. So ist die Tradition erhalten geblieben - fortgeführt von den Brucker Grundschülern.

Luzienhäuschen sind längst nicht mehr nur kleine Versionen von Wohnhäusern oder anderen Bauten, die man als Originale im Landkreis wiedererkennen könnte. Die Bandbreite reicht von Nachbildungen der ägyptischen Pyramiden über kleine Eiffeltürme bis zu bunten Iglus. Doch auch die Popkultur und der Kapitalismus haben Einzug gefunden; so finden sich beispielsweise eine quietschgelbe Ikea-Filiale, ein Bienenhaus und Pappkarton-Raketen.

Im Vergleich zu vergangenen Jahren ist die Zahl etwas geringer: Im Jahr 2017 wurden 255, 2018 waren es 286 Häuschen ausgestellt - dieses Jahr sind es 220. Das liegt auch daran, dass nun viele Kinder in Gruppen basteln. Diese gemeinsam fertig gestellten Bauwerke seien dann zumeist auch etwas größer, sagt Höfelsauer. Die Lehrerinnen Kathrin Vogel und Christine Widmann von der Grundschule Mitte berichten, sie und die Kinder hätten etwa sieben Schulstunden investiert. Die Schüler konnten sich aussuchen, ob sie im Team bauten oder alleine. Da viele von Vogels Schützlingen noch dabei seien, Deutsch zu lernen, sei die Teamarbeit sinnvoll gewesen, um sich in Kommunikation zu üben. Schüler und Lehrer freuen sich gleichermaßen auf diese Zeit im Jahr, sagt Widmann. "Da werden ungeahnte Talente entdeckt", sagt sie. Vogel pflichtet bei. Es tauchten immer viele kreative Ideen auf, mit denen sie gar nicht rechnete.

Am 13. Dezember werden die Luzienhäuschen gesegnet, ihre Kerzen angezündet und in die Amper gelegt. So entsteht ein Lichtermeer aus schwimmenden Häusern. Viele jungen Architekten wünschen sich daher ein schwimmfähiges Häuschen. "Wir hoffen, dass unser Haus nicht gleich untergeht", sagt auch Melinda, neun Jahre. Sie hat mit ihrer Freundin Sarah, zehn Jahre, eines gebaut, aus dessen Schornstein Watte raucht. "Wir hatten viele Kartons", erklärt Sarah. "Da haben wir gesagt, machen wir doch ein mehrstöckiges Hochhaus." Es kommt laut Höfelsauer zwar auch vor, dass Häuschen an Flussrändern hängen bleiben oder sofort sinken - aber viele schafften es schon bis Emmering.

Bis zur Luzienfeier am Freitag, 13. Dezember, werden die 220 Häuschen in der Sparkassenfiliale am Brucker Marktplatz ausgestellt: Geöffnet Montag bis Donnerstag zwischen 8.30 und 12.30 Uhr; nachmittags montags und dienstags von 14 bis 16, donnerstags von 14 bis 19 Uhr. Am Freitag ist die Filiale zwischen 8.30 und 15 Uhr besetzt.

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Quelle:
SZ vom 29.11.2019
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