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Fürstenfeldbruck:Schwierige Suche nach Virenschutz

Mund-Nasen-Masken, die eine Ansteckung ihres Trägers mit Corona verhindern sollen, werden in vielen Formen und Materialien angeboten. Doch es gibt Zweifel daran, dass sie halten, was sie versprechen

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Die Gesichtsmasken gehören neben dem Abstandhalten und den Hygieneregeln zu den Bedingungen für die Lockerungen in der Corona-Pandemie. Deshalb gilt in Geschäften sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln die Vorschrift, Mund und Nase zu bedecken, um andere nicht anzustecken. Dem dienen die sogenannten Community-Masken, also die einfachen Stoffmasken, die auch selbst hergestellt werden können, und die OP-Masken. Allerdings sind diese Masken nicht dazu geeignet, sich selbst vor Ansteckung zu schützen. Zum Selbstschutz benötigt man eine partikelfiltrierende Bedeckung von Mund und Nase, in Kurzform: eine FFP-2-Maske. Doch von diesen gibt es mittlerweile so viele verschiedene, dass man als Laie nicht entscheiden kann, ob sie alle die nötigen Eigenschaften besitzen. So unterscheiden sich die Schutzmasken vor allem in Form, Größe und Material. Zudem wird vor Fälschungen gewarnt. Da den Träger schützende Masken um vieles teurer sind als anderer Mund-Nasen-Schutz, möchte man als Käufer sichergehen, dass die Maske einem auch die versprochene Sicherheit bietet. Wie aber kann ein Käufer feststellen, ob es sich bei der ihm verkauften FFP-2-Maske um eine richtige handelt?

Atemschutzmaske

Partikelfiltrierende (FFP-2-) Maske.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Christian Sickau von der Johannes-Apotheke in Gröbenzell rät, auf das Prüfzertifikat zu achten. FFP-2-Gesichtsmasken unterliegen einer Prüfung. Richtige Masken erhalten eine mit "CE" und einer Nummer versehene Bestätigung. Sickau, der auch Kliniken mit Gesichtsmasken versorgt, verkauft seinen Worten nach nur Gesichtsmasken mit dem CE-Zertifikat. Das empfiehlt auch Thomas Benkert den Kunden. Der Mammendorfer Apotheker, der auch Präsident der Landesapothekerkammer ist, vertraut nur Produkten mit dem CE-Zertifikat. Er wäre vorsichtig, wenn eine FFP-2-Maske ohne dieses Zertifikat verkauft würde, sagt er.

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OP-Masken.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Doch es gibt Apotheken im Landkreis, in denen Masken angeboten wurden und werden, die über kein CE-Zertifikat verfügen. Grund dafür ist der Engpass bei den Masken in Deutschland, wie er vor allem am Beginn der Pandemie bestand. Weil seinerzeit nicht genügend Mund-Nasen-Schutz vorhanden war, durften und dürfen auch Masken aus Nicht-EU-Ländern vertrieben werden. Ihnen fehlt mitunter das CE-Zertifikat. Entsprechen sie den Standards in den USA, Japan oder Australien, die den EU-Kriterien ähnlich sind, dann dürfen sie eingeführt werden. Das gilt beispielsweise für die Masken mit der Bezeichnung KN 95. Sie stammen meist aus China.

Rieke Common vom "Maison Common" in München designt Stoffmasken in der Corona-Krise, 2020

Community-Maske.

(Foto: Catherina Hess)

Welchen Mund-Nasen-Schutz man in einer Apotheke - oder in einem anderen Geschäft - kaufen kann, das liegt am Lieferanten. Er erhalte jeden Tag an die 20 Angebote von Herstellern und Lieferanten, sagt Sickau. Ob all diese angebotenen Masken auch halten, was versprochen wird, ist nicht sicher. Sickau sagt selbst, dass es auch kaum zu erkennende Fälschungen der Zertifikate gibt. Der Kauf von Schutzmasken ist also auch Vertrauenssache.

Er könne für alle seine Masken Zertifikate vorlegen, sagt Sickau. Doch es gibt Zweifel daran, dass Zertifikate tatsächlich bestätigen, was sie versprechen. So warnt die ESF (European Safety Federation), ein europäischer Zusammenschluss von Herstellern, Importeuren und Verkäufern von persönlicher Schutzausrüstung, vor gefälschten Zertifikaten sowie solchen, die auf Firmen ausgestellt sind, die gar keine Befugnis zum Testen von Schutzausrüstung haben, die in Europa verkauft werden darf. Im Internet kann man sich die Liste der europäischen Organisation ansehen (www.eu-esf.org/covid-19/4513-covid-19-suspicious-certificates-for-ppe).

Nicht nur für Laien ist es also mühselig und schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen, was FFP-2-Masken angeht, auch für Apotheker gilt das. Sickau und Benkert räumen dies ein. Es gebe einen Haufen an CE-Zertifikaten, sagt der Gröbenzeller Apotheker. Wer also sichergehen möchte, die richtige Schutzmaske zu bekommen, sollte deshalb nicht nur nach dem Zertifikat fragen, sondern auch einige andere Dinge beachten. So muss nach Auskunft des Interessenverbunds persönliche Schutzausrüstung (IVPS), dem deutschen Zusammenschluss von Herstellern und Vertreibern von Schutzausrüstung, jedem Produkt eine Herstellerinformation beigefügt sein, aus der sich alle sicherheitsrelevanten Informationen für den Benutzer ergeben. Zudem benötigt eine Schutzmaske eine EU-Konformitätserklärung sowie eine bestimmte Kennzeichnung, in der Regel eine CE-Kennzeichen mit vierstelliger Prüfnummer der notifizierten Stelle, die die jährliche Überwachung vornimmt.

© SZ vom 20.06.2020
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