Wo sollen sich Kinder eigentlich austoben? Auf der Straße? Nicht so ideal. Auf dem Spielplatz? Okay, geht. Im eigenen Garten? Wenn es einen gibt. Und was ist mit den Sportanlagen der Schulen? Zumeist schwierig, denn diese sind nahezu ausschließlich für Schulunterricht oder Vereinssport zugänglich. Versuchsweise sollen jetzt die Spiel- und Sportflächen an den Schulzentren in Fürstenfeldbruck und Puchheim für alle geöffnet werden – in den Sommerferien.
Dafür sprach sich einstimmig der Ausschuss für Kultur, Freizeit und Sport aus, ein vorberatender Ausschuss des Kreistags. Zuständig für die beiden Schulzentren in Fürstenfeldbruck (mit Graf-Rasso-Gymnasium und FOS/BOS) und Puchheim (mit Gymnasium und Realschule) ist der Landkreis. Im Landratsamt hat man allerdings Bedenken. Die Kreisverwaltung rät davon ab, dem Wunsch, den der Jugendkreistag schon vor 14 Monaten vorgebracht hatte, nachzukommen. Ihre Argumente: Die Baugenehmigungen würden lediglich Schul- und Vereinssport abdecken. Außerdem würden aus Rücksicht auf Anwohner und Nachbarn streng regulierte Immissionsschutzwerte und Nutzungszeiten gelten, die im Falle einer Öffnung für alle nicht mehr gewährleistet werden könnten.
Auch die Sorge vor Vandalismus treibt die Behörde um: Ihren Angaben zufolge wurden zuletzt drei Strafanzeigen wegen erheblicher Schäden am Schulzentrum Fürstenfeldbruck erstattet. Schon seit einigen Jahren gibt es dort für die Pausenflächen und das Parkdeck eine zeitlich beschränkte Videoüberwachung. Eine solche wurde wegen Vandalismus und Diebstahl mittlerweile auch am Schulzentrum in Puchheim installiert. Auch hafte der Landkreis für das Geschehen auf den öffentlichen Sportflächen. Eine weitgehend unkontrollierte Nutzung würde aus Sicht des Landratsamtes zudem zu höheren Kosten für Reinigung und Müllbeseitigung führen.
Die jungen Leute wollten mit ihrem Antrag „nicht wissen, warum es nicht geht, sondern wie es gehen könnte“, betont indes Grünen-Kreisrätin Angelika Simon-Kraus. Landrat Thomas Karmasin (CSU) sieht sich dazu aufgerufen, seine Behörde zu verteidigen: Die Verwaltung habe „kein grundsätzliches Bestreben, Dinge abzulehnen, sondern allenfalls Risiken auszuschließen“.
Der Pilotversuch in Fürstenfeldbruck führte bisher nicht zu Beschwerden von Anwohnern
Anderswo ist man schon einen Schritt weiter. In München zum Beispiel, wo Kreisrätin Bettina Betz (CSU) das Schulamt der Landeshauptstadt leitet. „Ja, manchmal passiert was“, räumt sie ein. So sei am Campus in Freiham ein Feuer entzündet und Mobiliar im Ferien beschädigt worden. Dennoch regt sie für die beiden Schulzentren im Landkreis Fürstenfeldbruck eine probeweise Öffnung in den Sommerferien an.
In ihrer Haltung bestätigt fühlen sich die Kreisrätinnen und Kreisräte auch von den Erfahrungen der Stadt Fürstenfeldbruck, die im vorigen Sommer die Sportflächen der Grund- und Mittelschule Nord außerhalb der Schulzeiten – allerdings nicht in den Ferien – der Allgemeinheit zugänglich gemacht hatte. Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, „läuft der Pilotversuch gut, es gibt bislang keine Beschwerden von Anwohnern oder von der Schulfamilie“. Die Sportfläche an der Schule Nord soll geöffnet bleiben und eine Ausweitung auf andere städtische Schulen geprüft werden.

