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Fürstenfeldbruck:Schneller, bequemer, weiter

Expressbusse wie jener nach Puchheim sind deutlich schneller unterwegs, weil sie nicht so oft halten wie die regulären Busse.

(Foto: Privat)

Der Nahverkehrsplan soll die Personenbeförderung im Landkreis erheblich verbessern. Erreicht werden soll dies mit mehr Expresslinien, Barrierefreiheit und der Verknüpfung von Bus, Bahn, Auto und Fahrrad

Ausbau von Expressbuslinien, barrierefreie Haltestellen und bargeldloses Bezahlen der Fahrkarten: Der Landkreis nimmt sich für die kommenden Jahre einiges vor, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen und Autofahrer zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. Verzeichnet sind sämtliche Vorhaben in einem Nahverkehrsplan, über den der Kreistag am Donnerstag beschließen soll. CSU-Kreisrat Hubert Ficker bezeichnet diesen Plan als "großes Werk", SPD-Kreisrätin Petra Weber als "Lexikon des Nahverkehrs". Ob das viele Autofahrer dazu bringt, ihren Wagen stehen zu lassen, daran gibt es unter den Kreisräten allerdings auch Zweifel. Jan Halbauer (Grüne) fordert, die S-Bahn zu verbessern, wenn man den Straßenverkehr reduzieren wolle.

Für den Ausbau der S-Bahn ist der Landkreis allerdings nicht zuständig. Auf diesen kann er nur als Mitglied im MVV dringen. Leichter hat er es dagegen beim Ausbau des Busnetzes, für das ist er selbst verantwortlich. In diesem Bereich attestiert sich die Kreisverwaltung ein "sehr gutes Basisangebot". Den Befund begründet sie damit, dass 97,4 Prozent aller Adressen im Landkreis im näheren Einzugsbereich des öffentlichen Nahverkehrs lägen. Dem Basisangebot soll nun das optimierte Angebot folgen. Angehen will man dies mit dem Ausbau von Expressbuslinien. Die auf diesen Routen verkehrenden Fahrzeuge bedienen weniger Haltestellen als die auf üblichen Linien und steuern oft Ziele außerhalb des Landkreises an, wodurch verschiedene S-Bahn-Linien verbunden werden und die häufig geforderten Tangentialverbindungen entstehen. Dadurch sollen Fahrgäste verschiedene S-Bahn-Linien erreichen, ohne erst nach Pasing oder Laim fahren zu müssen.

Eine weitere Aufgabe besteht darin, bis Anfang 2022 Fahrzeuge und Haltestellen barrierefrei zu gestalten. Das bedeutet, dass den in ihrer Mobilität eingeschränkten Fahrgästen Hindernisse wie Stufen und hohe Randsteine aus dem Weg geräumt werden, damit sie den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Etwa 800 Haltepunkte gibt es nach Auskunft des Landratsamtes derzeit zwischen Moorenweis und Gröbenzell. Sie alle werden in einem Haltestellenkataster erfasst. In dieses Kataster wird auch eingetragen, ob ein Haltepunkt barrierefrei zu erreichen ist, oder was dafür noch getan werden muss. Das Kataster wird mit den Kommunen abgestimmt, denn die Städte und Gemeinden sind in der Regel für den barrierefreien Ausbau der Haltepunkte zuständig.

Für die künftige Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs denkt der Landkreis auch an die Einrichtung von Mobilitätsstationen. Sie sollen verschiedene Fortbewegungsmittel verknüpfen. Idealerweise liegt eine Mobilitätsstation an einer S-Bahn-Haltestelle, an der auch eine oder mehrere Buslinien Station machen. Zudem soll es möglich sein, an solchen Stationen ein Auto oder ein Fahrrad auszuleihen, um den Weg fortzusetzen. Außerdem sollen die Stationen Platz für das Abstellen von Fahrrädern bieten. An den Mobilitätsstationen gehe es um die freie Wahl zwischen Verkehrsmitteln, die Sicherheit, einen Anschluss zu bekommen, sowie Fahrzeuge mit klimafreundlichen Antrieben, heißt es in Unterlagen für die Kreisräte. Auch auf eine bessere Information der Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs soll geachtet werden, also beispielsweise auf Informationen über die Abfahrt von Bahnen und Bussen oder über Verspätungen.

Bislang haben 15 der 23 Städte und Gemeinden im Landkreis Interesse an der Einrichtung von Mobilitätsstationen gezeigt. Das geht aus einer Pressemeldung des Landratsamtes hervor. Alling, Egenhofen und Türkenfeld haben noch keine Entscheidung getroffen, die Westgemeinden Adelshofen, Althegnenberg, Hattenhofen, Mittelstetten und Oberschweinbach wollen abwarten, welche Erfahrungen mit den ersten solchen Stationen gemacht werden. Allerdings werde die Umsetzung nicht leicht, heißt es in der Mitteilung, denn vor allem Platz- und Eigentumsverhältnisse sind einschränkende Faktoren. So muss dort, wo kommunale Grundstücke nicht genügend Platz bieten, mit anderen Eigentümern verhandelt werden. Solche Eigentümer könnten die Deutsche Bahn, kirchliche Träger oder Wohnungsbaugesellschaften sein, heißt es von Seiten des Landratsamts. Zudem gibt es wohl einige privatwirtschaftliche Unternehmen, die zu Kooperationen bereit wären.

Die Einführung einer Chipkarte soll die Benutzung von Bussen und Bahnen vereinfachen. Der Kauf von Fahrkarten könnte entfallen, ebenso das oftmals komplizierte Errechnen, wie viele Streifen für die Fahrt zu einem bestimmten Ziel abzustempeln sind.