Der Freistaat Bayern hat eine Planungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn AG zum Ausbau der Gleise zwischen Pasing und Fürstenfeldbruck unterzeichnet. Demnach wird der Freistaat mit 41 Millionen Euro „freiwillig“ in Vorleistung gehen, wie der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) erklärt. Er verweist darauf, dass gemäß Grundgesetz der Bund für den Ausbau und die Finanzierung zuständig sei. Mehr als 50 000 Fahrgäste nutzten täglich die Züge von München-Pasing in Richtung Allgäu, Bodensee und Schweiz. Deshalb sei ein Ausbau „dringend notwendig“.
Bernreiter rügt, der Bund habe die Bahn bislang nicht mit den Planungen beauftragt. „Leider kommt vom Bund viel zu wenig und es dauert alles zu lang“, kritisiert der CSU-Politiker. Deswegen springe der Freistaat freiwillig ein, die Planungen sollen im Laufe des Jahres starten. Pläne und Gutachten wurden allerdings schon seit Jahrzehnten fabriziert, etwa zu der Frage, ob ein dreigleisiger Ausbau reiche oder nicht.
Hintergrund der Vorwürfe ist, dass die Strecke zum Bodensee 2021 in den Deutschlandtakt aufgenommen wurde, weshalb der Bund seitdem auch in der Pflicht steht. Bahnexperte Ralf Wiedenmann weist allerdings darauf hin, dass für den Nahverkehr die Länder zuständig seien. Der Bund fördere solche Ausbauten mit bis zu 75 Prozent der Kosten.
Der Fürstenfeldbrucker Stadtrat Mirko Pötzsch (SPD), Sprecher der Bürgerinitiative „S 4-Ausbau jetzt“ sagt, die Erklärung Bernreiters enthalte „fast nix Neues“. Die Bahn AG habe die Unterzeichnung schon für 2024 angekündigt. Die Vereinbarung mit dem Bund, dass der Freistaat in Vorleistung geht, stamme aus dem Jahr 2023.
Ein anderes Problem sei der Ausbau des Westkopfs Pasing, der früher mit dem Projekt des S4-Ausbaus verbunden war, aber mit der Planungsbeauftragung vorgezogen worden sei. Bund und Freistaat hätten die Bahn mit der verkehrlich optimalen Variante beauftragt, was das Unternehmen so interpretiere, dass bei einem viergleisigen Ausbau der Strecke zwischen Pasing und Bruck die S-Bahn auf den beiden inneren, der Regional- und Fernverkehr auf den äußeren Gleisen fahren soll.
Das stehe im Widerspruch zu einer Entscheidung des Landtags, der wiederum dem Wunsch von Bürgerinitiativen sowie den Senioren- und Behindertenbeiräten von Puchheim gefolgt ist, die S-Bahn außen fahren zu lassen, um den Bahnhof in Puchheim barrierefrei mit Rampen auszustatten. Die Planung in Pasing sei weiter gediehen und man müsse darauf achten, dass dabei dort nicht Fakten geschaffen würden, „die nicht gewollt und dann nicht mehr veränderbar sind“, warnt Pötzsch.
Im September präsentierte das bayerische Verkehrsministerium eine Machbarkeitsstudie zum Ausbau der S 4, die einen Abzweig zum Fliegerhorst sowie einen neuen Bahnhof in Emmering und ein viertes Gleis in Fürstenfeldbruck vorsieht. Dieses Gleis würde auf der Südseite liegen und mit einem neuen Außenbahnsteig ausgestattet. Die Kosten wurden in dieser Studie mit 48 Millionen Euro beziffert, allerdings zu Preisen von anno 2016 und ohne Geld für Planungen.


