Fürstenfeldbruck:Revolution in der Werkstatt

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Fürstenfeldbruck: Yolanda Taberna (Mitte) geht es weniger darum, dass ihre Teilnehmer am Ende ein fertiges Werk mitnehmen, vielmehr sollen sie sich ausprobieren.

Yolanda Taberna (Mitte) geht es weniger darum, dass ihre Teilnehmer am Ende ein fertiges Werk mitnehmen, vielmehr sollen sie sich ausprobieren.

(Foto: Günther Reger)

Workshop mit Yolanda Taberna lässt Teilnehmer neue Wege gehen

Von Sonja Pawlowa, Fürstenfeldbruck

Acht Künstler aus Hessen, Franken und der näheren Umgebung, Maler, Bildhauer, Frauen und Männer treffen sich in den Ateliers der Alten Schmiede in Fürstenfeld mit der spanischen Dozentin Yolanda Taberna. Es geht um Austausch, Wachsen und Annäherung an das unausgelotete Selbst. Der fünftägige Workshop der Kulturwerkstatt Haus 10 mit dem Titel "Die Revolution des Selbst" endet am Sonntag ab 13 Uhr mit einer Präsentation der entstandenen Werke.

"Das Wort Revolution, das will ich nicht. Ich muss nicht mit Feuer und Schwert daher kommen," sagt die Workshopteilnehmerin Ludwina Simmet. Sie und Bärbel Engelbrecht kennen Yolanda Taberna von einem Seminar von in Madrid, das ihren Blick revolutionierte.

Der Titel ist sowieso weniger wichtig als die Anwesenheit von Taberna. Ihre Ausstrahlung und Art regen die Künstler dazu an, Unbekanntes aus Unbewusstem zu schöpfen. "Es gibt nichts zu verlieren," sagt sie. "Es geht nicht darum, am Ende ein fertiges Bild oder Produkt mit nach Hause zu nehmen. Für mich zählt der Schritt ins Neue, der Prozess." Es geht also darum, Grenzen zu überschreiten.

Dennoch hat der Weg dorthin Struktur. Am ersten Seminartag, gleich nach dem Kennenlernen, wirft Yolanda Taberna Begriffe wie Angst, Gold, Tier oder Maske in den Raum. Die Künstler sollen irgendetwas spontan in weniger als 10 Minuten gestalten. Später lässt Yolanda Taberna die Teilnehmer drei Bilder blind aus einem Sortiment verdeckter Fotokopien von Kunstwerken ziehen und damit arbeiten. Nicht nachdenken, handeln. Das fällt nicht allen leicht.

Klaus Busch mag es flüchtig und schnell. Das Thema "Revolution des Selbst" deutet er buchstäblich, als das Innere nach außen zu kehren. Als Hausarzt und Psychotherapeut versteht er unter Innenschau nicht nur Gefühlswelten und Befindlichkeit. Geschlachtete Tiere, Eingeweide, Organe, die unter der Haut verborgen liegen, bildet er in Aquarellen und Zeichnungen ab. Nur entfernt gleichen sie dem Anatomiebuch. Der Darm als Wurm, die Wirbelsäule als archäologische Fundstätte, erscheinen ästhetisch und vielschichtig zugleich. Zwei Lungenflügel, aufgeteilt auf zwei Papierbögen, könnten gleichsam wohlschmeckende Puschtörtchen sein. Busch kommt aus Frankfurt und kennt Yolanda Taberna aus Trier, wo sie als Professorin an der Europäischen Kunstakademie unterrichtete, wie auch an der Hochschule für Angewandte Kunst in Hamburg. Daher die Breite ihrer Erfahrung mit allen möglichen Materialien von Glas bis Bronze. Hinzu kommt ein Renommée, das seinesgleichen sucht. Von der Galerie Van de Loo bis zum Mori Museum, Tokyo - alles was Rang und Namen hat, schmückt ihre Biografie.

Für die Teilnehmer am Workshop ist das sekundär. Die meisten kennen Taberna bereits. So auch Hansjürgen Vogel, der Leiter der Bildhauerwerkstatt. Er hat vor einigen Jahren an einem ihrer Seminare teilgenommen. Aktuell arbeitet er mit Metall. Er will sich darüber klar werden, ob er sich mit 76 Jahren an eine drei Meter hohe Skulptur wagen soll. Immerhin eine körperliche Herausforderung.

Gabriele Schröder begrüßt es, wenn sie durch Anregungen und Vorgaben von außen ins Tun kommt. Sie arbeitet augenblicklich mit Transparentpapier. Hände, die ein Gesicht verdecken, auf zwei bildlichen Ebenen, das ist für sie Mehrdimensionalität. Vision und Storytelling fallen bei ihr zusammen, indem sie Landschaftsfotos von Lappland und Kugelschreiber-Zeichnungen als Collage vereint.

Bei Juditha Grundhoff entsteht gerade die Zeichnung eines überdimensionalen Hodens. Normalerweise entwirft die gelernte Goldschmiedin überdimensionale Outdoor-Skulturen. Wie alle Teilnehmer ist sie gespannt, in welche Richtung ihre Arbeit bis Sonntag sie führen wird. In jedem Fall steht ab 13 Uhr das Atelier hinter dem Haus 10 fürs Publikum offen. Überraschung inklusive.

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