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Fürstenfeldbruck:Rauhnachtsgsindl

Brucker Perchten

Zum Fürchten: Wenn Klaus Trnka in seine selbst hergestellte Verkleidung schlüpft, ist Respekt geboten.

(Foto: Matthias Döring)

Klaus Trnka und die Brucker Perchten am Jexhof

Von Ariane Lindenba ch, Fürstenfeldbruck

Die Zeit zwischen den Jahren, wenn Weihnachten vorbei ist und das neue Jahr noch nicht richtig begonnen, ist eine ganz besondere. Diese elf Tage und zwölf Nächte werden auch Rauhnächte genannt. "In dieser Zeit durfte nicht gearbeitet werden, keine weiße Wäsche gewaschen", erzählt Klaus Trnka von in Vergessenheit geratenen Gepflogenheiten. Unsere Vorfahren glaubten nämlich noch, dass in dieser Zeit Geister und Dämonen die Oberherrschaft hatten. Um sich vor ihnen zu schützen, verkleideten sich die Menschen mit Hilfe schauriger Masken zu furchterregenden Perchten; ihr Ziel: die bösen Geister vertreiben.

Trnka, Vorsitzender des Vereins "Brucker Perchten und Rauhnachtsgsindl", weiß viel über die Geschichte der Perchten und die alten Bräuche zu berichten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird er nach Einbruch der Dunkelheit mit 15 weiteren Maskenträgern und zehn Helfern am Bauernhofmuseum Jexhof auf beeindruckende Weise zeigen wie die furchteinflößenden Gestalten in früheren Zeiten zwischen den Jahren von Bauernhof zu Bauernhof zogen, um die bösen Winterdämonen zu vertreiben und dem Glück genug Raum zu lassen.

"Der Auftritt am Jexhof ist für uns der Höhepunkt", freut sich der 61-Jährige, der beruflich in der Personalabteilung der Deutschen Bahn AG tätig ist. Wenn er erzählt, spürt man das Mystische der Rauhnächte, selbst wenn man bei Trnka im Wohnzimmer sitzt. Auf dem früheren Einödhof mitten im Wald, ohne Licht und ohne Strom, herrsche die richtige Atmosphäre, um den Empfindungen der Vorfahren nachzuspüren, weiß der Vorsitzende. An diesem Ort brauche es nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie die Menschen noch vor wenigen Jahrzehnten diese dunkelste Zeit des Jahres erlebt haben. "Das ist ein Auftritt, wo wir über die Obstwiese kommen, wo wir Lagerfeuer haben", berichtet er voll Vorfreude.

Bei aller Begeisterung aber ist Trnka darum bemüht, die Geschichte korrekt wiederzugeben. "Bei uns hat es das Perchtenbrauchtum, zumindest nachweislich, nicht gegeben". Ihn faszinierten die Masken einfach "unheimlich", weshalb er sie in den Landkreis gebracht und mit alten Sagen und Erzählungen aus der Region verbunden habe.

"Brucker Perchten und Rauhnachtsgsindl"; Mittwoch, 26. Dezember, 17 Uhr; Jexhof

© SZ vom 22.12.2018
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