Innerörtlicher Verkehr„Städte nicht autogerecht, sondern menschengerecht gestalten“

Lesezeit: 2 Min.

Elisa Straubinger ist meistens selbst auf zwei Rädern unterwegs, um sich ein Bild davon zu machen, wo es noch hakt.
Elisa Straubinger ist meistens selbst auf zwei Rädern unterwegs, um sich ein Bild davon zu machen, wo es noch hakt. (Foto: Stadt Fürstenfeldbruck)
  • Elisa Straubinger ist seit Oktober Radverkehrsbeauftragte von Fürstenfeldbruck und will das Radfahren sicherer und attraktiver machen.
  • Fürstenfeldbruck könnte sich an Malmö orientieren, das Rad- und Fußverkehr vor Autoverkehr priorisiert und menschengerechte Stadtgestaltung umsetzt.
  • Die Stadt bietet noch bis zum 31. Dezember ein Förderprogramm für Fahrrad- und E-Mobilität sowie drei kostenlose Lastenräder zum Ausleihen an.
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Elisa Straubinger ist in Fürstenfeldbruck seit Oktober zuständig für alle Fragen und Planungen rund um den Radverkehr. Sie erklärt, was man vom schwedischen Malmö lernen kann. Und wann sie selbst auf welches Fahrrad steigt.

Interview von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Elisa Straubinger, 29, ist seit Oktober Radverkehrsbeauftragte von Fürstenfeldbruck. Sie hat an der Malmö University in Schweden ihren Master in „Urban Studies“ mit dem Fokus auf nachhaltige Stadtentwicklung absolviert. Im Interview erläutert sie, wo es beim Radverkehr in der Kreisstadt noch Luft nach oben gibt und was man von Malmö lernen kann.

SZ: Was ist ihr erster Eindruck in der Stadt? Wo hakt es, wo läuft es schon gut?

Elisa Straubinger: Fürstenfeldbruck hat bereits eine gute Basis für den Radverkehr, unter anderem durch die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern, die langjährige erfolgreiche Teilnahme am Stadtradeln und eine wachsende Sensibilität für nachhaltige Mobilität. Nachholbedarf gibt es vor allem bei weiteren vorgezogenen Haltelinien, Rotmarkierungen und einer durchgängigen Vernetzung der Radwege.

Was sind Ihre Aufgaben und Ziele in Fürstenfeldbruck?

Ich bin zuständig für die Planung, Koordination und Weiterentwicklung der Radverkehrsinfrastruktur in Fürstenfeldbruck, von sicheren Abstellmöglichkeiten bis zu langfristigen Konzepten. Mein Ziel ist es, das Radfahren in der Stadt sicherer, inklusiver, einfacher und attraktiver zu machen. Gleichzeitig nehme ich Wünsche und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern auf, um sie bestmöglich umzusetzen.

Wo könnte sich Fürstenfeldbruck an Malmö orientieren?

Malmö setzt stark auf die Priorisierung von Rad- und Fußverkehr vor dem Autoverkehr, mit breiten, sicheren Radwegen, die von der breiten Bevölkerung genutzt werden. Die Stadt schafft eine Atmosphäre, in der umweltfreundliche Mobilität zur Normalität wird, indem Infrastruktur und städtebauliche Planung den Verzicht auf das Auto attraktiv und komfortabel machen. Ergänzt wird dies durch Sharingräder, zahlreiche Abstellmöglichkeiten und öffentliche Reparaturstationen.

Wie wichtig sind Tempolimits und verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche wie in der Schöngeisinger Straße?

Tempolimits sind wichtig, damit Sicherheit und Wohlbefinden für alle, besonders Schutzbedürftige, gewährleistet sind. Niedrigere Geschwindigkeiten erhöhen zudem die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. In meinen Augen sollten Städte nicht autogerecht, sondern menschengerecht gestaltet werden, wie es beispielhaft Fahrradzonen oder verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche zeigen.

Es gibt eine Art Glaubensstreit, was besser ist: separate Fahrradwege oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Was empfehlen Sie?

Beides hat seine Berechtigung, entscheidend ist der jeweilige Kontext. Separate Radwege sind besonders sinnvoll, um das Sicherheitsempfinden der Radfahrenden zu erhöhen, denn sie schaffen einen geschützten Raum und ermöglichen ein angenehmeres Fahrerlebnis. Schutzstreifen auf der Fahrbahn können bei geringerem Verkehrsaufkommen gut funktionieren. Leider wird jedoch innerorts der Mindestabstand von 1,50 Metern von Autofahrenden oftmals nicht eingehalten.

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Wie könnte man noch mehr Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad motivieren?

Eine gute Infrastruktur bildet die Grundlage, entscheidend für den Umstieg ist jedoch die Alltagstauglichkeit: sichere Wege, ausreichend Abstellmöglichkeiten und ein attraktives Wegenetz. Aktionen wie Radverleihsysteme oder Firmenprogramme können zusätzlich Hemmschwellen abbauen. Unternehmen könnten beispielsweise Pedelecs sowie passende Ausrüstung für Sommer und Winter bereitstellen, um den Umstieg vom Auto aufs Rad für Pendlerinnen und Pendler möglichst niederschwellig zu gestalten.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich Lastenräder von der Stadt auszuleihen?

Wir bieten aktuell drei kostenlose Lastenräder an, die über eine Online-Plattform reserviert werden können. An drei verschiedenen Standorten können die Räder für jeweils bis zu drei Tage kostenlos ausgeliehen werden. Zusätzlich gibt es weitere Stationen in der Stadt, an denen Lastenräder gegen einen geringen Betrag genutzt werden können. Derzeit prüfe ich, ob ein weiterer Standort im Brucker Westen etabliert werden könnte.

„Die Stadt bietet noch bis 31. Dezember ein Förderprogramm für Fahrrad- und E-Mobilität an.“

Gibt es städtische Zuschüsse zum Kauf von Fahrrädern und E-Bikes?

Die Stadt Fürstenfeldbruck bietet noch bis 31. Dezember ein Förderprogramm für Fahrrad- und E-Mobilität an. Gewerbetreibende, Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und Privathaushalte können eine finanzielle Unterstützung für die Neuanschaffung von Pedelecs und Lastenrädern beantragen.

Mit welchen Fahrrädern sind Sie privat, beruflich oder vielleicht auch im Urlaub unterwegs?

In meiner Freizeit bin ich gerne mit dem Rennrad in der Natur oder mit dem Mountainbike in den Allgäuer Bergen unterwegs. Im Alltag nutze ich das Stadtrad, beruflich stehen mir Dienst-Pedelecs zur Verfügung.

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