Fürstenfeldbruck Quälendes Brummen

Die Fürstenfeldbruckerin Angelika M. leidet unter einem Dauergeräusch

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Angelika M. ist verzweifelt. Seit acht Monaten wird sie von einem Brummton geplagt. Sie hört ihn Tag und Nacht. "Es ist wie ein Motor im Leerlauf, bei dem immer wieder Gas gegeben wird", beschreibt sie das, was sie ständig hört. Um den Dauerton in den Hintergrund zu drängen, hat sie bei sich zu Hause in Fürstenfeldbruck sämtliche Fenster geöffnet. Die Verkehrsgeräusche von draußen unterdrücken den Brummton. Doch nachts hilft das wenig. Dann liegt die 55-Jährige in ihrem Bett und findet keinen Schlaf. In einer Tour rattert der brummende Motor in ihrem Ohr. Bisweilen spürt sie das Brummen mehr, als dass sie es hört. Dann zittert sie am ganzen Körper. Medikamente dagegen gibt es nicht, jedenfalls hat sie noch keines gefunden.

18 Jahre wohnt Angelika M., die ihren ganzen Namen nicht in der Zeitung stehen haben möchte, mit ihrer Familie nahe der Augsburger Straße. 17 Jahre war kein Brummen zu hören, doch seit Jahresanfang wird sie von dem ständigen Geräusch gequält. Und nicht nur das Geräusch ist eine Qual. Auch dass sie es fast als einzige im Umkreis hört. Eine Leidensgenossin hat sie in ihrer Tochter, die das Brummen aber weniger intensiv wahrnimmt. Mann und Sohn dagegen hören nichts, ebenso wie die gesamte Nachbarschaft. In der war Angelika M. unterwegs, um zu fragen, wer außer ihr das Dauergeräusch hört. Doch alle schüttelten den Kopf. Bei einem Privatradio hat sie einen Aufruf gestartet. Ein weiterer Einwohner Fürstenfeldbrucks hat sich bei ihr gemeldet. Er wohnt in der Nähe der Kreisklinik und hört ebenfalls das Brummen.

Die 55-Jährige hat viele Ärzte aufgesucht, denn zunächst dachte sie, wie wohl jeder Betroffene, das Brummen habe eine körperliche Ursache. Doch die Bruckerin hat einfach ein besonders feines Gehör. Das bestätigt ihr Ohrenarzt. Tieffrequente Töne müssen besonders laut sein, um von einem durchschnittlichen Gehör wahrgenommen zu werden. Die Bruckerin hört diese Töne auch wenn sie nur leise sind, wenn sie sozusagen flüstern. Sie brauche bestimmt niemals ein Hörgerät, habe der Ohrenarzt zu ihr gesagt, erzählt Angelika M. Momentan gäbe sie etwas dafür, schlechter hören zu können.

Woher das Brummen kommt, dazu hat die Bruckerin eine Vermutung - ein nahe gelegener Betrieb. Doch beweisen kann sie das nicht. Dazu bedürfte es noch einiger schalltechnischer Untersuchungen. Die aber sind teuer. 7500 Euro kostet so eine Untersuchung, Angelika M. weiß das, denn sie hat bereits ein renommiertes Büro in ihrem Haus messen lassen. Dabei wurde festgestellt, dass es die tieffrequenten Töne tatsächlich gibt, unter denen die 55-Jährige leidet. Für eine Aussage darüber, wo sie entstehen, seien aber noch zwei weitere Gutachten nötig, sagt sie. Und selbst wenn sie diese bezahlen könnte und mit ihrer Vermutung Recht hätte, verpflichte dies den Betrieb noch zu nichts. Denn gegen gesetzliche Auflagen verstößt er nicht. In den Gesetzen kommen Menschen mit so einem feinen Gehör wie Angelika M. schlicht nicht vor.

Das Zuhause sollte doch ein "Ruhepol im Leben" sein, sagt die Bruckerin. "Doch ich bin froh, wenn ich rauskomme." An ihrer Arbeitsstelle in einer Apotheke geht es ihr besser. Durch den Kontakt mit den Kunden ist sie abgelenkt. In solchen Momenten stört das Brummen nicht mehr so. Angelika M. aber hängt an ihrem Zuhause, in das die Familie auch Geld hineingesteckt hat. "Wir können nicht wegziehen", sagt sie. Und selbst wenn: Gut möglich, dass der Brummton mitzieht, besser gesagt, dass tieffrequente Töne sie auch an einem anderen Ort belästigen würden.

Angelika M. hofft, weitere Brummton-Geschädigte zu finden. Vielleicht kann sie dann etwas erreichen. Sie will ihrer Hilflosigkeit entfliehen und fürchtet um ihre Familie, denn alle Mitglieder leiden unter der Situation.