Fürstenfeldbruck Protest der Tierschützer

Etwa 20 Aktivisten demonstrieren am Freitag gegen das Zirkusgastspiel auf dem Brucker Volksfestplatz und gegen die Genehmigung durch die Stadt. Auch der Ton zwischen Politikern wird zunehmend rauer

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Etwa 20 Aktivisten haben am Freitagnachmittag auf dem Volksfestplatz gegen den Zirkus Louis Knie und gegen die Erteilung der Auftrittsgenehmigung durch die Stadt protestiert. Sie hielten Transparente hoch mit Aufschriften wie "Kein Applaus für Tierquälerei" oder "Für Tierrechte - denn Mitleid ist zu wenig" und skandierten "Manege frei von Tierquälerei". Angemeldet hatte die Demonstration der Fürstenfeldbrucker Hinrich Rieken von "Animals United", unterstützt wurde er von SPD-Stadtrat Axel Lämmle. Vier Polizisten mussten nicht eingreifen, alles blieb friedlich.

Einige Mitarbeiter und Kinder des Zirkusunternehmens beobachten die Demonstration, die gut eine Stunde vor der Nachmittagsvorstellung begann, aus der Distanz. Vor einem der Zelte stehen drei Kamele, Ponys, ein Lama und ein Yak, ein Pferd wird von einem Mann an der Leine im Kreis geführt.

Der Zirkus, so der Vorwurf, habe zwar die Wildtiere wegen städtischer Auflagen nicht dabei, aber immer wieder tierschutzrechtliche Vorgaben missachtet. Verwirrung stiftet dabei der Name. Die Tierschützer sind der Überzeugung, dass es sich beim "Österreichischen Nationalcircus Louis Knie" eigentlich um den Circus Alberti handelt, für den die Tierschutzorganisation Peta eine Latte von Verstößen gegen Auflagen oder Anzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung auflistet. Zirkusmanagerin Anja Noichl widerspricht: Von einem der beiden früher existierenden Circus Albertis habe der Circus Louis Knie lediglich einzelne Artisten und Tiere engagiert - so auch Ben, den Bären, den laut Peta letzten Zirkusbären Deutschlands. Peta zufolge wurde der Zirkuswagen mit dem Bären am Donnerstag in Gunzenhausen gesichtet, das zuständige Veterinäramt habe auf Initiative von Peta die Unterbringung in einem geräumigeren Außengehege statt in der beengten Innenbox durchgesetzt. Als Erfolg verbuchen die Tierschützer auch die Nachricht, dass die beiden Affen mittlerweile in eine Tierauffangstation abgegeben wurden. In seiner Ansprache auf dem Volksfestplatz bedankt sich ein Sprecher von Animals United dafür ausdrücklich beim Zirkus. Gleichwohl gehe das nicht weit genug: Zirkusse sollten generell auf Tiere verzichten.

Etwas mehr als eine Stunde machen Tierschützer ihrem Unmut Luft über Tiernummern und den Circus Louis Knie (im Hintergrund) im Besonderen.

(Foto: Günther Reger)

So sieht das auch Susan Dieffenbach, die von ihrem Mann, dem früheren Grünen-Stadtrat Reiner Dieffenbach, begleitet wird. "Ebenso wie das Ponyreiten auf Volksfesten sind Auftritte von Tieren im Zirkus nicht mehr zeitgemäß." Diese leiden ihrer Ansicht nach auch deshalb, weil sie kreuz und quer durch Deutschland gekarrt werden. Ein Zirkus könne Clowns und Akrobaten auftreten lassen, Tiere seien da überflüssig. In einem Brief hatte Susan Dieffenbach vor einer Woche bei der Stadt gegen den bevorstehenden Auftritt protestiert - aber keine Antwort bekommen. "Dass der Stadtverwaltung bei der Genehmigung ein Fehler unterlaufen ist, kann vorkommen", sagt Axel Lämmle. "Aber sie hätte den Fehler korrigieren müssen, nachdem die Hintergründe über den Circus Alberti bekannt wurden." Zweitem Bürgermeister Erich Raff (CSU) wirft Lämmle "fehlendes Demokratieverständnis" vor, nachdem dieser mit ihm in einer Gremiumssitzung aneinandergeraten war und sich abfällig über einen Teil der Absender von Protestbriefen geäußert hatte. Lämmle hatte zuvor Bürgern empfohlen, sich bei der Stadt zu beschweren und gleich noch die entsprechenden Telefonnummern und Mailadressen genannt.

Diese Vorgehensweise kreidet ihm auch Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne) an. Zwar habe sie grundsätzlich Verständnis für die Kritik an einer Tierhaltung von Zirkusbetrieben und auch für eine Demonstration. Lämmle lässt ihrem Eindruck zufolge aber keine andere Meinung gelten. Auf seiner Facebook-Seite habe er kritische Kommentare schnell entfernt, während Beiträge wie die Bauanleitung von Molotow-Cocktails erst mit großer Verzögerung gelöscht worden seien. Mit Blick auf die bevorstehende Demonstration sei so etwas gelinde gesagt "merkwürdig". "Deshalb haben wir das auch bereits an die Polizei weitergegeben." Laut Polizei hat sich die Sache mit der Bauanleitung als eher harmloser Jux Jugendlicher herausgestellt. Für die "Jungs aus dem Westen", die sich auf seiner Facebook-Seite geäußert hatten, sei es als Spaß gedacht gewesen, beteuert auch Lämmle. Der entsprechende Eintrag sei umgehend gelöscht worden. Am Freitagmittag war auf der entsprechenden Seite des SPD-Stadtrats keine Bauanleitung mehr zu finden, wohl aber waren Beiträge zu lesen, die Lämmles Linie kritisieren.

Tierschützer fanden den Aufenthaltsort von Ben, dem Bären, heraus, der nicht nach Bruck mitreisen durfte.

(Foto: Peta)

Karin Geißler bestätigte am Freitag, dass Simon Fischer von der "Bürgerinitiative Wildtierverbot Deutschland" eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Raff eingereicht hat. Fischer hatte vergeblich verlangt, dass die Stadt den Mietvertrag für den Viehmarktplatz widerruft. Ebenso wie Lämmle glaubt Fischer, dass die Stadt gegen ihren eigenen Beschluss, nur nachweislich über Jahre untadelige Unternehmen ohne Wildtiere aufzunehmen, verstoßen hat. Die Stadt werde eine Stellungnahme schreiben, so Geißler, die Kommunalaufsicht müsse dann entscheiden. In der Sache steht sie weiterhin hinter Raff. Die Prüfung des "Österreichischen Nationalcircus Louis Knie", so der offizielle Name, hätte keine Auffälligkeiten ergeben. Geißler räumt freilich ein, dass man eine lückenlose Überprüfung nicht garantieren kann - denn es gebe kein Verzeichnis, das alle vorherigen Gastspielorte aufliste und bescheinige, dass ein Zirkus alle Auflagen erfüllt hat.

Der Kamelwallach, der auf Weisung der Stadt zunächst das Stadtgebiet wegen einer fehlenden "Genehmigung für als gefährlich eingestufte Tiere" verlassen sollte, darf nun doch bleiben. Eine Tierärztin kam zu dem Schluss, dass von dem gutmütigen Tier keine Gefahr ausgeht und es bei seinen Artgenossen auf dem Volksfestplatz besser aufgehoben ist.