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Fürstenfeldbruck:Platz für Start-ups und Kultur

Seufzerbrücke Stadtwerke

Tierisch traumhafte Lage: Das einstige Geschäftsführerhaus (ganz rechts), von der "Seufzerbrücke" aus gesehen. Es liegt direkt am Ufer eines Amperarms, unweit der denkmalgeschützten Aumühle (von Bäumen halb verdeckt).

(Foto: Günther Reger)

Fürstenfeldbruck will ein Haus auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände übergangsweise für junge Unternehmen öffnen. Und im Dachgeschoss soll der Literatur- und Theaterverein Turmgeflüster unterkommen

Die Kreisstadt will Start-ups fördern. Auf der Lände sollen junge Unternehmen in einem dreigeschossigen Gebäude Platz finden, in dem vor dem Umzug der Stadtwerke die damalige Geschäftsleitung residierte. Der Hauptausschuss empfiehlt dem in einer Woche tagenden Stadtrat, dem Antrag von Klaus Wollenberg (FDP) und Georg Jakobs (CSU) zu folgen. Die SPD setzte sich vergeblich dafür ein, zunächst ein detailliertes Konzept auszuarbeiten. Nun soll das Interesse von jungen Unternehmen ausgelotet werden.

Teile des ehemaligen Stadtwerkegeländes am Ende der Bullachstraße befinden sich im Besitz der Wohnbaugesellschaft Igewo, weitere Flächen und Immobilien, so auch das frühere Geschäftsführerhaus, sollen von den Stadtwerken an die Kreisstadt veräußert werden. Bis um den denkmalgeschützten Gebäudebestand herum der vorgesehene Mix aus Wohnungen und kleinen Gewerbebetrieben der Kreativwirtschaft realisiert werden kann, dürften viele Jahre vergehen. Wollenberg und Jakobs raten in ihrem Vorschlag davon ab, Räume in so zentraler Lage so lange leer stehen zu lassen. Beide hatten für eine vorübergehende Weitergabe an Start-ups zunächst ein anderes Bürogebäude im Blick gehabt, das sich im Besitz der Igewo befindet. Dort wollten sie übergangsweise auch Teile der Stadtverwaltung unterbringen, die zurzeit noch an den Niederbronner Weg ausgelagert sind. Weil mittlerweile aber die Rathauserweiterung beschlossene Sache ist und sich an der Kirchstraße weitere Grundstücksoptionen ergeben haben, besserten Wollenberg und Jakobs ihren im April eingereichten Antrag im August nach.

Wollenberg bekräftigte am Dienstag eine zentrale Forderung, von der er nicht abrücken wollte: Das Angebot für die Start-ups sollte schnell und unbürokratisch als "niederschwelliges Angebot", ohne große Investitionen, erfolgen. Im Erdgeschoss und im ersten Stock des Geschäftsführerhauses könnten nach Berechnungen der Stadtverwaltung bis zu 18 Arbeitsplätze eingerichtet werden.

Philipp Heimerl (SPD), der sich vor gut drei Jahren gemeinsam mit Florian Weber (Die Partei) bereits für ein Gründerzentrum in Fürstenfeldbruck eingesetzt hatte, warnte davor, "ins Blaue hinein " zu planen. Einfach nur ein Haus für Start-ups "aufzusperren", genüge nicht. Auch die Stadtverwaltung hatte in ihrer Expertise eine "Markt- und Standortanalyse" empfohlen und mit 100 000 Euro gerechnet. Walter Schwarz vermisste denn auch Details, als Basis für einen Beschluss.

Letztlich aber setzten sich die Befürworter des niederschwelligen Angebots durch. Für einen "kleinen Anfang" habe das Haus "die ideale Größe", sagte Oberbürgermeister Erich Raff (CSU), der sich eine Betreuung der Jungunternehmer durch den Wirtschaftsbeirat und die Aktivsenioren vorstellen könnte. "Wagen wir es", empfahl auch Andreas Lohde (CSU). Ähnlich äußerten sich Alexa Zierl (Die Partei und Bruck mit Zukunft), Tommy Beer sowie Willi Dräxler (BBV) und Jan Halbauer (Grüne).

Wegen des hohen Aufwands mehrheitlich verworfen wurde die alternative Einrichtung eines durch die Stadt oder einen externen Dienstleister betriebenen Coworking-Centers, in dem sich Freiberufler, Selbständige oder Start-ups zeitlich flexibel einmieten können. Einstimmig beschlossen wurde am Dienstag hingegen, dem bislang in Adelshofen gemeldeten Literatur- und Theaterverein Turmgeflüster im Obergeschoss des Geschäftsführerhauses Räume zur Verfügung zu stellen.