Fürstenfeldbruck:Plädoyer für die Grippeimpfung

Illustration Erkältung

Hätte man über Corona doch fast vergessen: Auch die Grippe ist eine Viruserkrankung, unter der in "normalen" Jahren bundesweit Hunderttausende Menschen leiden - und die auch Todesopfer fordert.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Gesundheitsamt empfiehlt vor allem über 60-Jährigen und Risikopatienten eine Immunisierung - nachdem die Influenza-Saison wegen der Corona-Schutzmaßnahmen im Vorjahr fast ausgefallen ist

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Die Grippesaison 2020/2021 ist wegen des Coronavirus und seiner Folgen wie AHA-Regel, Homeoffice und Ausgangssperre nahezu ausgefallen - im ganzen Landkreis wurde ein einziger Fall gemeldet. Welche Auswirkungen auf die Herdenimmunität die entfallene Influenzawelle hat, darüber rätseln Experten von Oberstdorf bis Rügen. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) über 60-Jährigen sowie Risikopatienten eine Grippeimpfung. Die kann auch zusammen mit einer Immunisierung gegen Covid-19 verabreicht werden. Entscheidend ist, dass dies möglichst in den kommenden Wochen passiert.

"Wir wollen natürlich ermuntern zur Grippeimpfung", unterstreicht Lorenz Weigl. Wie der Leiter des Gesundheitsamtes erläutert, ist derzeit der optimale Zeitpunkt für eine Grippeimpfung. Dann hat der Körper noch ausreichend Zeit, Antikörper gegen die Influenza zu entwickeln. Und das ist auch notwendig. Denn sie ist etwas völlig anderes als ein grippaler Infekt. Letzterer ist eine Erkältungskrankheit der Atemwege, die in der Regel schleppend verläuft. Eine echte Grippe indes befällt den Körper meistens schlagartig und geht mit hohem Fieber einher; sie kann tödlich enden. Die bekannteste Influenza ist wohl die Spanische Grippe, die vor 100 Jahren weltweit 50 Millionen Tote forderte. Seit 1984 gab es laut Statista immer wieder Jahre mit bis zu 25000 Grippetoten.

Vorsorge in Form einer Impfung ist deshalb sinnvoll. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie Personen über 60 Jahren, da das Immunsystem im Alter schwächer wird, sowie sogenannten Risikogruppen. Laut Weigl gehören dazu chronisch an Herz, Lunge, Nieren oder Kreislauf Erkrankte, Diabetiker, Personen mit Immunschwächeerkrankungen sowie Schwangere, außerdem Menschen mit viel Kontakt zu anderen Menschen, wie zum Beispiel Pflegepersonal. Für Jüngere sei die Immunisierung nicht empfohlen, erklärt der Chef des Gesundheitsamtes. Die Stiko rate aber auch nicht davon ab.

Dazu passt, dass Mitarbeiterinnen in Arztpraxen von Puchheim bis Türkenfeld von einer sehr großen Nachfrage nach dem Grippeimpfstoff berichten, wie eine stichprobenartige Telefonumfrage ergibt. Die Praxen führen zwar keine Statistik, aber der rein subjektive Eindruck von Arzthelferinnen ist, dass die Nachfrage höher ist als in anderen Jahren. Unter den Impfwilligen seien auch viele unter 60 Jahren, heißt es. Impfstoff ist demnach noch ausreichend vorhanden, und auch die Kombination mit einer Coronaimpfung werde gelegentlich nachgefragt.

Bleibt noch die Frage, wie die Grippesaison in diesem Winter verlaufen wird. "Wir sind gespannt, wie das heuer wird", sagt Weigl. Denn zum einen sei die Grippesaison im Vorjahr wegen Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen praktisch ausgefallen: Im Landkreis wurde ein einziger Fall von Influenza gemeldet, gegenüber 1443 Erkrankungen in der Saison 2019/2020. Das Robert-Koch-Institut hat im vergangenen Winter mit nur einigen Hundert im Labor bestätigten Fällen die wohl schwächste Grippe-Saison seit Jahrzehnten erfasst - im Jahr davor waren es noch mehr als 180 000 Fälle, und auch das war eine eher harmlos verlaufende Grippe-Saison gewesen.

Für das menschliche Immunsystem bedeutet das Ausbleiben der Grippe fehlendes Training. Und zwar nicht nur gegen die Influenzaviren. Auch alle anderen Arten von Viren, Bakterien und Krankheitserregern, mit denen der Mensch normalerweise in Kontakt kommt, wurden durch die vielen Maßnahmen gegen die Pandemie verbannt oder zumindest stark reduziert. Einige dieser Verhaltensweisen, etwa das Abstandhalten, das häufige Händewaschen oder auch der Mund-Nasen-Schutz werden in diesem Winter fortgeführt, wobei die Ernsthaftigkeit eng mit dem Infektionsgeschehen verknüpft sein dürfte. Inwiefern das die Influenza-Viren in Schach halten wird, darauf ist man im Gesundheitsamt gespannt.

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