Fürstenfeldbruck Pause mit Handy

Ein Schulversuch soll testen, inwieweit Smartphones in der unterrichtsfreien Zeit privat genutzt werden können. Die Berufsschule zieht eine erste positive Zwischenbilanz

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Handynutzung in der Schule - ein sehr strittiges Thema. Weil Schüler auf dem Pausenhof häufiger Mobbing-Videos posteten, gab es 2006 in Bayern ein gesetzliches Verbot der Handynutzung in der Schule. Das gilt auch weiter. Doch seit dem Beginn des aktuellen Schuljahres im September 2018 gibt es einen bayernweiten Schulversuch, Handys in den Pausen - im Gegensatz zum Unterricht - wieder zu erlauben. Die Staatliche Berufsschule Fürstenfeldbruck ist dabei. Nach einer ersten Befragung von Lehrern und Schülern, wie die Handynutzung gesehen wird, ist "meine Bilanz positiv", sagt Schulleiterin Andrea Reuß.

Es sei für die hundert Lehrer der Berufsschule alles viel einfacher geworden. "Das liegt auch daran, dass wir erwachsene Schülerinnen und Schüler haben, die im Berufsleben stehen. Die sind definitiv vernünftiger", sagt Reuß. Die Brucker Berufsschule ist die einzige Schule im Landkreis, die an diesem Pilotprojekt des Kultusministeriums teilnimmt. 24 staatliche Schulen sind in Oberbayern beteiligt. Vornehmlich sind es Gymnasien und Realschulen, aber auch drei Mittelschulen sind dabei, sowie mehrere Berufsschulen. Ausgenommen sind Grundschulen. Der Schulversuch ist auf zwei Jahre angelegt. "Wir haben uns beworben und den Zuschlag bekommen", erzählt Reuß.

"Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sind Mobilfunktelefone und sonstige digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, auszuschalten", heißt es im immer noch aktuellen Gesetzestext. Und weiter: "Bei Zuwiderhandlung kann ein Mobilfunktelefon oder ein sonstiges digitales Speichermedium vorübergehend einbehalten werden." Doch die Praxis sah ganz anders aus. "Es war für unsere Lehrer kaum machbar, das Handyverbot zu kontrollieren", berichtet Reuß und beschreibt die praktische Unmöglichkeit, ein Handyverbot bei insgesamt 2400 Schülerinnen und Schülern an der Berufsschule durchzusetzen. Es sei kaum möglich gewesen, wenn der Lehrer mit Pausenaufsicht auf hundert Schüler stößt, um dann von jedem Einzelnen zu fordern, das Handy auszumachen. "Da sind wir nur ein zahnloser Tiger", so Reuß. Die Lehrer hätten praktisch keine Handhabe gehabt, Handys einzukassieren. Die Drohung "Gib das Handy raus, sonst gehen wir zur Schulleitung!" ging ins Leere. Für eine generelle Freigabe der Handynutzung auch im Unterricht plädiert Reuß keinesfalls. Kommt das vor, werde das Handy dem Schüler abgenommen.

Die Debatte wurde Anfang des vergangenen Jahres durch einen Dringlichkeitsantrag der Grünen im Landtag neu belebt. Der forderte dazu auf, dass die jeweilige "Schulfamilie" (Schule, Schüler, Elternbeirat) selbst entscheiden sollte, wie der Umgang mit dem Handy aussehen soll. "Will man im Sinne der Kinder und Jugendlichen echte Medienkompetenz vermitteln, muss das im Unterricht und im Idealfall mit den eigenen Geräten geschehen", so die Grünen. Die Partei begründete ihren Antrag wie folgt: "Trotz des sogenannten Handyverbots nahmen bereits 2015 neun von zehn Schülerinnen und Schülern (92 Prozent) ihr Handy mit in die Schule. Die Nutzung von Mobiltelefonen, Tablets, Laptops und ähnlichen Geräten ist aus dem Leben der Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken".

Der Antrag wurde von der CSU-Mehrheit im Landtag zwar angelehnt, doch das bayerische Kultusministerium startete wenig später den Schulversuch, der in die gleiche Richtung ging. "Im Schulterschluss mit Schulleitern, Lehrern, Eltern und Schülern und unter wissenschaftlicher Begleitung wollen wir so Möglichkeiten ausloten, um neben der pädagogischen Nutzung von Handys im Unterricht auch dem Wunsch nach einem privaten Gebrauch von Smartphones im Schulalltag zu entsprechen", so Kultusminister Bernd Sibler.

Für Berufsschulleiterin Reuß ist auch der "Schutzgedanke", wie sie sagt, wichtig. Darüber werde mit den Schülern geredet. Es kommt natürlich vor, dass die Auszubildenden mit ihren jeweiligen Arbeitgebern in Kontakt stehen und auch zwischendurch telefonieren müssen. "Da geht es darum, die Schülerinnen und Schüler davor zu schützen, dass sie ständig erreichbar sind", so Andrea Reuß. Darüber könne man mit ihnen vernünftig reden: "Sie sehen das auch ein, dass es in der Schule auch ohne Handy gehen muss." Den Schutzgedanken des Gesetzes findet Reuß nach wie vor richtig. Deshalb lehnt sie es auch ab, dass die Handynutzung auch in den Pausen an den Grundschulen erlaubt wird.