Corona-Pandemie:Staat zahlt 102 Millionen Euro an Corona-Hilfen

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Corona-Pandemie: Leere Gaststube: Während der Pandemie müssen die Wirte zusperren; im Bild der Unterwirt in Türkenfeld.

Leere Gaststube: Während der Pandemie müssen die Wirte zusperren; im Bild der Unterwirt in Türkenfeld.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Knapp ein Drittel des Geldes erhalten Wirte, Hoteliers und Betreiber von Bars und Diskotheken. Die Zuschüsse haben eine Insolvenzwelle verhindert, sagt IHK-Vorsitzender Michael Steinbauer.

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Knapp 102 Millionen Euro haben Gaststätten, Betriebe und Selbständige im Landkreis bislang an Corona-Wirtschaftshilfen erhalten. Das geht aus einer Aufstellung der Industrie- und Handelskammer Oberbayern (IHK) hervor. Den größten Teil der Unterstützungszahlungen haben Wirte, Hoteliers und Betreiber von Diskotheken und Bars erhalten. Sie waren von den Einschränkungen wegen der Pandemie auch besonders stark betroffen. Jeder fünfte Antrag auf Zuschüsse aus einem der 13 Hilfsprogramme kam aus dem Gastgewerbe.

Monatelang hatten Gaststätten und Beherbergungsbetriebe geschlossen oder durften nur in geringem Umfang öffnen. Das hat Spuren in den wirtschaftlichen Bilanzen der Unternehmen hinterlassen. Mit 30,6 Millionen Euro hat der Staat der Gastronomie im Landkreis unter die Arme gegriffen. Sämtliche Umsatzeinbußen hat diese finanzielle Unterstützung wohl nicht wettgemacht, doch die Wirtschaftshilfen haben nach Aussage von Michael Steinbauer, dem Vorsitzenden der IHK im Landkreis, dazu beigetragen, dass der Schwund an Betrieben sich in Grenzen gehalten hat. Allerdings leiden Gaststätten und Hotels weiterhin an den Folgen der Schließungen. Vor allem sie haben viele Mitarbeiter verloren, etliche von ihnen müssen wegen Personalmangels Ruhetage einlegen.

Mehr als 5000 Anträge

Knapp jeder sechste Euro an Wirtschaftshilfe ist laut Statistik in den Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung gegangen. Zu diesem Bereich gehören Museen, Theater, Konzertveranstalter und Unternehmen wie Fitness-Studios. Sie haben bislang etwas mehr als 16 Millionen Euro erhalten. Gut elf Millionen Euro sind an Handelsbetriebe ausgezahlt worden, die wegen der Corona-Maßnahmen schließen mussten. Das verarbeitende Gewerbe hat knapp sechs Millionen Euro bekommen, Freiberufler in technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen 4,4 Millionen.

5200 Anträge auf Unterstützungsleistungen haben die IHK München und Oberbayern aus dem Landkreis erreicht. Insgesamt waren es bislang knapp 425 000 aus ganz Bayern. Alle mussten von der IHK München und Oberbayern bearbeitet werden. Diese war im Auftrag der Staatsregierung dafür zuständig. Steinbauer räumt ein, dass Bearbeitung und Auszahlung - besonders zu Beginn - "holprig" gewesen seien und einige Zeit gedauert hätten. Nach einer Phase des "enormen Learnings", so Steinbauer, habe es aber besser geklappt, die Auszahlungen seien rasch und unkompliziert passiert. Zeitweilig sei die Hälfte der Mitarbeiter der IHK nur mit der Bearbeitung von Corona-Hilfen befasst gewesen, Mitarbeiter der Messe München halfen mit, die Berge an Anträgen zu bewältigen.

"Die Not war groß", sagt Steinbauer

Insgesamt 13 Bundesprogramme gab es für Unternehmen und Selbständige, von der Überbrückungshilfe eins über die November- bis zu den Neustarthilfen. Mehr als zehn Milliarden Euro wurden bislang an Antragsteller in Bayern ausgezahlt, aber noch sind nicht sämtliche Anträge abgearbeitet. "Die Not war groß", sagt Steinbauer angesichts der Zahlen. Und sie konnte dank der Unterstützungsgelder auch großenteils gelindert werden. Eine breite Insolvenzwelle sei verhindert worden, sagt auch Klaus Josef Lutz, Präsident der IHK München und Oberbayern.

Doch Corona hat auch Probleme hinterlassen, die die Betriebe weiterhin beschäftigen. So fehlt es wegen der in Mitleidenschaft gezogenen Lieferketten an Materialien und Vorprodukten. Verstärkt hat sich auch der Mangel an Fachkräften, besonders auffällig ist das in der Gastronomie. Wegen der langen Schließungen sind Arbeitskräfte in andere Bereiche abgewandert. Steinbauer will deshalb die Berufsausbildung stärken. Zusätzliche Unterstützung soll es auch für Unternehmer und Existenzgründer geben. Die IHK plant nach den Worten ihres Vorsitzenden eine spezielle Aktion für den Herbst. Wie es dann mit Corona aussieht, das ist aber noch ungewiss.

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