Süddeutsche Zeitung

"Gegen jeden Krieg":Ostermarschierer demonstrieren vor Fürstenfeldbrucker Rüstungsunternehmen

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Rund 50 Friedensaktivisten ziehen zum Sitz der IT-Firma ESG, welche die Bundeswehr mit Software ausstattet.

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Die Positionierung ist eindeutig: "Bei allen Zorn über den aktuellen Krieg Russlands gegen die Ukraine vergessen wir nicht die Vorgeschichte, und so kritisieren wir bei unseren Ausflügen weiterhin alles Militärische: Gegen jeden Krieg", heißt es im Aufruf des Brucker Sozialforums Amper zum "Ostermarsch Draußen" gemeinsam mit der Münchner Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung (Bifa).

Etwa 50 Demonstranten haben am Ostermontag sich zum Treffpunkt am S-Bahnhof Buchenau eingefunden. Viele Friedens- und bunte Pace-Fahnen, auch zwei kleine Fahnen der Partei Die Linke sind zu sehen. Thematisch im Mittelpunkt steht nicht der Krieg in der Ukraine, sondern das Unternehmen ESG (Elektroniksystem- und Logistik GmbH) in der nahen Livri-Gargan-Straße. Das Friedensbündnis sieht sich vor allem in ihrer Aufklärungsfunktion über Firmen tätig, die für das Militär hierzulande und weltweit arbeiten.

"Bildungsarbeit auf allen Schienen" nennt das Inge Ammon, die die Demonstranten für das Sozialforum begrüßt. "Wir stehen seit 2003 für eine gerechte Sozialordnung, Frieden und Ökologie", beschreibt Ammon das Wirken der lokalen Vereinigung. Sie ist inzwischen 92 Jahre alt und ist seit Jahrzehnten als Aktivistin für Frieden und Abrüstung tätig. Sie erinnert mit einem Foto an das Schicksal des Wikileaks-Gründers Julian Assange, der seit exakt vier Jahren in London in Einzelhaft sitzt.

Vor der großen Glasfassade der Firma ESG erläutert Ursula Epple (Bifa) das Geschäft des IT-Unternehmens. Sie zitiert von der ESG-Internetseite deren Unternehmenszweck: "Entwicklung, Herstellung, Instandhaltung, Betreuung und Betrieb komplexer, sicherheitsrelevanter Systeme, Missionsausrüstung, Software und IT." Weiter bezeichnet sich ESG als "verlässlicher Technologie- und Innovationspartner der Bundeswehr" und bietet "Behörden und Industrie seit über 50 Jahren maßgeschneiderte kundenspezifische Lösungen, Services und Produkte für Sicherheit in allen Dimensionen einer vernetzten Welt" an.

Für Ursula Epple steht fest, dass das Unternehmen die Informationstechnologie dafür zur Verfügung stellt, dass die "Kampfkomponenten Hubschrauber, Panzer, Artillerien, Bodentruppen und Schiffe im ständigen Austausch koordiniert vorgehen können". Auch am sogenannten "sauberen Töten", zum Beispiel durch Drohnen, sei diese Art IT beteiligt. Neben den Land- Luft- und Seestreitkräften bediene ESG auch den Cyber- und Informationsraum.

Das Unternehmen habe im Jahre 2021 einen Umsatz von 320 Millionen Euro gemacht. Die Firma befindet sich an elf Standorten in der Republik, auch in München und mit der Zentrale in Fürstenfeldbruck und beschäftige 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eva Lechner von der Bifa macht anschließend auf das Nato-Manöver "Air Defender 2023" aufmerksam, das große Kampfflugzeugmanöver mit 220 Flugzeugen aus 18 Ländern, das die Bundeswehr im Juni organisieren wird. Auch bei der größten Luftkriegsübung seit Bestehen der Nato komme Software und IT von der ESG zur Anwendung.

Einig waren sich die Ostermarschierer, dass "die Rüstungsindustrie nicht Positives ist", so Epple. "Es darf nicht sein, dass 100 Milliarden Euro Sondervermögen in die Bundeswehr gehen und kein Geld für die Kindergrundsicherung da ist." Auch für die Umwelt, für Schulen, für die Gesundheit und den Klimaschutz würde dieses Geld dringend gebraucht.

Der Ukraine-Krieg ist ein Thema

Ein selbst gemaltes großes Transparent zeigt den Indo-Pazifik mit den Anrainern China, Vietnam und den Philippinen mit Kampfflugzeugen in der Luft und die Spannungen, die sich dort entwickeln. Natürlich kommt auch der Ukrainekrieg in den Gesprächen zu Wort, ehe sich die Demo-Teilnehmer zum Spaziergang an die Amper bis zur Einkehr an der Lände begeben. "Dialog statt Waffen - Frieden mit Russland" ist auf dem Schild von Inge Ammon zu lesen, das sie um den Hals hängen hat. "Jeder Krieg beginnt mit einer Lüge", sagt sie, die es wissen muss, weil sie in Ostpreußen 1931 geboren ist und nach Kriegsende von dort fliehen musste. "Ich verurteile den Krieg Russlands in der Ukraine", erklärt Monika Weidner, zeigt aber auch ihre Plakette "Verhandeln statt Schießen".

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