Fürstenfeldbruck:Noch näher am Bürger

Fürstenfeldbruck: Im Churfürstensaal des Klosters tragen Studenten des Masterstudiengangs ihre Arbeiten vor.

Im Churfürstensaal des Klosters tragen Studenten des Masterstudiengangs ihre Arbeiten vor.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Hochschulabsolvent der Polizei stellt seine Abschlussarbeit vor

Von Zoe Englmaier

Applaus ertönt im prunkvollen Churfürstensaal der Polizeihochschule Fürstenfeldbruck. Es werden die 31 Absolventen des Masterstudiengangs "Öffentliche Verwaltung - Polizeimanagement" vorgestellt. "Sie sind die Spitze ihres Jahrgangs, die wissenschaftliche und polizeiliche Elite", betont Klaus Wollenberg, Stadtrat und Referent für Kultur, bei der Veranstaltungsreihe "Fürstenfelder Impulse."

Im Rahmen des zweijährigen Studiengangs schreiben die Studierenden jeweils eine Masterarbeit. Maximilian Schrödl, ehemaliger Student, beschäftigte sich im Zuge dieser Aufgabe mit dem Thema "Bürgernahe Polizeiarbeit im Kontext migrationsbedingter Herausforderungen." Dieses wurde auch am zweiten Veranstaltungsnachmittag im Rahmen eines Impulsvortrages präsentiert.

Seit 2010 bemerke man einen steigenden Zuwachs von Migranten. Den Höhepunkt markiere das Jahr 2015 mit etwa 1,1 Millionen Zugewanderten in Deutschland. "In Bayern lag 2017 der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 23,8 Prozent", erklärt Schrödl. Aufgrundessen habe die Polizei eine zentrale Scharnierfunktion. Auf der einen Seite fordere der Rechtsstaat den Gesetzvollzug und auf der anderen Seite dürfe das Vertrauen der Bevölkerung nicht verloren gehen. Folglich lautet seine Forschungsfrage: "Welche Standards sind erforderlich, damit bürgernahe Polizeiarbeit im Zuge zunehmender Migration gelingt?"

Laut Schrödl ist eine verstärkt negative Einstellung bestimmter Gruppen, wie etwa Migranten, wahrnehmbar. "Sind Stereotypen und Vorurteile Grund dafür?", fragt er in die Runde. So spiele das Bild der Polizeiarbeit in der Öffentlichkeit eine große Rolle. Leider gebe es Probleme mit Rollenbildern, meist bei Zuwanderern aus dem arabischen und afrikanischen Raum. So hätten einige Migranten wirklich schlechte Erfahrungen mit den Beamten gemacht. Doch es gebe auch andere, die bisher keinerlei Kontakt gehabt hätten und trotzdem eine negative Einstellung hätten. Das liege vermutlich an Erzählungen von Freunden und Familie. Außerdem würden dazu auch traditionell geprägte Werte, wie das Frauenbild, beitragen. Als Integrationsherausforderung nennt er somit Hemmschwellen und Ängste einer immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe.

"Die Polizei muss für positive Kontakte sorgen", erklärt Schrödl. "Wir brauchen eine Polizei zum Anfassen!" Zum Beispiel an einem Tag der offenen Tür oder bei Bürgersprechstunden. Doch werden die betreffenden Menschen wirklich erreicht? Die Lösung sieht der Absolvent in Form von gezielten Einladungen. "Wir müssen mit Sozialarbeitern zusammenarbeiten", da diese wüssten, wie man auf bestimmte Gruppe zugehe. Überdies sieht er die Notwendigkeit des Faktors Sprache, wie zum Beispiel mit Dolmetschern. "Es führt kein Weg über Social Media, sondern nur über den persönlichen Kontakt", betont Schrödl. Das löse die Hemmschwellen und schaffe einen persönlichen Bezug. So sei die direkte Konfrontation, zum Beispiel bei Bürgersprechstunden, ein Muss für die bürgernahe Polizeiarbeit in der Zukunft. Außerdem gibt er zu bedenken, dass Beamte mit Migrationshintergrund eine integrative Rolle haben können. "Wir brauchen auch Ansprechpartner oder Sachbearbeiter auf dem Gebiet Migration und Integration, zum Beispiel aus Kulturvereinen, karitativen Beratungsstellen und religiösen Einrichtungen." Auch Fortbildungsangebote auf niedrigschwelliger Ebene können hilfreich sein. Dort könnten zentrale Themen, wie häusliche Gewalt, angesprochen werden.

Zuletzt gehe es auch um die Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls. So sollten zum Beispiel Migranten in Problemgebieten befragt werden. Man müsse eben alle Bevölkerungsgruppen einbeziehen und auch gegen sogenannte Viktimisierungsängste, der Angst, ein Opfer zu werden, vorgehen. "Wir müssen beobachten und entsprechend reagieren", verdeutlicht Schrödl.

© SZ vom 15.11.2018
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