Fürstenfeldbruck Neue S-Bahn auf Probefahrt im Landkreis

Bürgermeister testen einen modernisierten Zug und lernen größere Durchgänge und eine Kuschelecke kennen

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die S-Bahn-Flotte wird modernisiert. Der Innenraum aller 238 Züge wird bis Ende 2020 sukzessive komplett entkernt und neu eingerichtet. Die Kosten liegen bei etwa 300 Millionen Euro, die der Freistaat bezahlen. Die ersten beiden Züge sind fertig und gehen am Donnerstag auf die Reise. Das Konzept hat die Münchner Agentur Neomind entwickelt, die auf Industriedesign spezialisiert ist. So hat die Agentur eine moderne Beleuchtung entwickelt, die sich nach dem Tageslicht ausrichtet. Insgesamt geht es allerdings weniger um Ästhetik als darum, Kapazitätsprobleme zu handhaben. "Die Frage ist, wie wir die Zeit bis zur Fertigstellung der zweiten Stammstrecke überstehen", erklärte Heiko Büttner, der Geschäftsführer der S-Bahn-München, auf der Probefahrt nach Fürstenfeldbruck am Dienstag.

Die umstrittene zweite Röhre in München sollte eigentlich 2026 in Betrieb gehen, danach werden mehr S-Bahnen eingesetzt und etwa die S 4 dreigleisig ausgebaut, haben Staatsregierung und Bahn AG versprochen. Allerdings ist bei solchen Mammutprojekten mit Verzögerungen zu rechnen. Bis dahin wächst die Bevölkerung im gesamten Großraum München um jährlich etwa 35 000 Menschen. Das bedeutete, dass eine steigende Nachfrage auf ein System trifft, das bereits an seine Kapazitätsgrenze gelangt ist. Die Münchner S-Bahn war vor viereinhalb Jahrzehnten für 250 000 Fahrgäste konzipiert worden, heute sind es bis zu 850 000 im Jahr. Die S-Bahn-Züge vom Typ ET 423 stammen aus den Jahren 2000 bis 2005. Sie werden von den Arbeitern der DB Fahrzeuginstandhaltung in Krefeld und Nürnberg außen neu lackiert und mit einem Graffitischutz versehen. Innen werden die Züge komplett neu ausgebaut und eingerichtet.

Einige der Bürgermeister der Kommunen entlang der S-Bahn-Linien bei ihrer Probefahrt nach Pasing.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dabei werden in jedem Fahrzeug 26 Sitze weniger montiert als bisher, dafür werden es 94 Stehplätze mehr. Die Kapazität steigt insgesamt von 544 auf 612 Plätze. Insbesondere fallen Sitze an den Eingängen weg, die Windfänge dort werden kleiner und die Durchgänge ausgeweitet. Die Passagiere sollen dadurch an den Haltestellen der Stammstrecke schneller ein- und aussteigen können, was die Pünktlichkeit verbessern soll.

Die Lehnen der Sitze sind niedriger als bei den bisherigen Garnituren. Das soll dazu beitragen, dass Fahrgäste auch weiter entfernte freie Sitze erspähen können. Viele Sitze sind frei aufgehängt, so dass darunter Gepäck verstaut werden kann. Insgesamt soll die Durchlässigkeit der Züge damit verbessert werden. Die Planer gehen davon aus, dass die Zahl der "aktiv genutzten Sitze" gleich bleibt. "Bisher bleiben Sitze frei, weil Passagiere sie gar nicht sehen, nicht durchkommen oder sie mit Gepäck zugestellt sind", sagte der Geschäftsführer. Allerdings dürften in der Realität sowohl Durchblick als auch Durchgänge zumindest in München und im Berufsverkehr ähnlich wie bei der U-Bahn weiterhin ziemlich blockiert sein.

Es gibt wie bisher Klappstühle in Bereichen, wo Kinderwägen, Rollstühle und Fahrräder abgestellt werden können und zusätzlich Stehplätze mit Polstern zum Anlehnen wie in der U-Bahn. Die Zahl der Piktogramme wurde erhöht, um die Orientierung zu erleichtern. An den Enden der Fahrzeuge wurden Sitzgruppen als Eckbänke eingerichtet, die bereits den Spitznamen "Kuschelecke" tragen. Dort machten es sich die Bürgermeister bei der Probefahrt von Bruck nach Pasing gemütlich.

Weniger Sitze, mehr Stehplätze, Bildschirme an der Decke und eine sogenannte Kuschelecke sind geplante Neuerungen in den S-Bahnen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Sogenannte Haltepilze im Eingangsbereich sollen die Sicherheit verbessern. Neu sind große Monitore, die von der Decke hängen, sie zeigen Fahrtverläufe, Umsteigemöglichkeiten, Störungen und Fahrplanänderungen an. Von Mitte nächsten Jahres an sollen die Informationen in Echtzeit erscheinen, wie Büttner erklärte. Ein kleines Manko ist, dass größere Menschen unter diesen Monitoren den Kopf einziehen müssen, um nicht anzustoßen.