Fürstenfeldbruck Nachsitzen

Die MVV-Tarifreform ist heftig umstritten. Nun dürfen die Landräte nachverhandeln. Grünen-Kreisrat Martin Runge fordert sichtbare Verbesserungen für den Kreis Fürstenfeldbruck

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Sich für die Belange der Bürger aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck in Sachen MVV-Tarifreform stark zu machen, dazu hat Grünen-Kreisrat Martin Runge jetzt Landrat Thomas Karmasin (CSU) aufgefordert. Nach Protesten anderer Landkreise dürfen die Landräte der acht Verbundlandkreise am kommenden Freitag in der Staatskanzlei mit Ministerpräsident Markus Söder, Verkehrsministerin Ilse Aigner und Oberbürgermeister Dieter Reiter nachverhandeln. Runge appelliert an den Landrat, dieser möge bei dem Gespräch "die Schieflagen thematisieren und auf deren Behebung drängen". Mit anderen Worten: Verbesserungen für den Kreis Fürstenfeldbruck rausholen.

Der Kreisrat der Grünen hatte die Ergebnisse der Tarifreform von Beginn an vehement kritisiert und lässt auch jetzt nicht locker. Kein Landkreis stünde im Ergebnis so schlecht da wie der Fürstenfeldbrucker, wiederholte Runge in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses, in der er das Thema noch einmal ansprach. Für den Grünen ist es deshalb unverständlich, dass seine Kollegen im Kreistag dem Reformwerk Ende Juli dennoch mit deutlicher Mehrheit von 47:12 Stimmen ihr Plazet erteilt hatten. "Ein schwerer Fehler", so Runge in seinem siebenseitigen Schreiben an Karmasin, in dem er die Schwächen der Tarifreform aus Sicht der Landkreisbürger zusammenfasst. Karmasin verwahrte sich nun im Kreisausschuss dagegen, den Eindruck entstehen zu lassen, dass "70 Kreisräte zu doof sind, das zu erkennen" und betonte, dass man im Vorfeld zugegeben habe, dass es "Gewinner und Verlierer" der Reform geben werde. Er betonte noch einmal, dass die beste Lösung eigentlich die Abrechnung nach einem Entfernungstarif sei, der "in mehreren Regionen der Welt problemlos" funktioniere: "In München aber hat man sich nicht in der Lage gesehen, das technisch zu realisieren." Karmasin gestand auch ein, dass es den acht Landräten bei den drei Jahre währenden Verhandlungen zur MVV-Tarifreform "nicht gelungen ist, etwas Besseres als dieses Paket herauszuhandeln". Runge formulierte es drastischer: "Der Münchner OB hat die Landkreise über den Tisch gezogen."

Dass das Thema nun auf oberster politischer Ebene noch einmal auf die Tagesordnung kommt, liegt auch am massiven Widerstand aus dem Landkreis München, der vor allem die Zoneneinteilung kritisiert und in seinem Kreistag noch kein Votum herbeigeführt hatte. Die Landräte hatten sich deshalb schon zu einem Strategiegespräch getroffen, das Ergebnis könne er aber "nicht öffentlich machen", bekannte Karmasin und äußerte sich im Folgenden uneindeutig. "Neues Los, neues Glück", sagte er, und dass die Karten nun neu gemischt würden. Ob damit Hoffnungen auf ein besseres Verhandlungsergebnis verbunden sein könnten?

Im Landkreis München fühlt man sich durch die Tarifreform deutlich schlechter gestellt. Auch im Kreis Fürstenfeldbruck, so hat Runge errechnet, seien Tausende von immensen Preissteigerungen von 30, 50 oder sogar 87 Prozent betroffen: Vor allem jene Fahrgäste mit Zeitkarten, die mit dem MVV nicht bis in die Münchner Innenstadt fahren, sondern nur bis Pasing oder Laim oder die dort in Richtung Moosach/Allach weiterfahren wollen. Die Preissteigerungen betreffen Runge zufolge auch die Ausbildungstarife.

Die Ermäßigungen, von denen 70 Prozent aller Fahrgäste durch die Reform profitieren sollen, belaufen sich demnach nur auf Werte von 0,6 bis maximal 13 Prozent, so Runge. Für die meisten Fahrten zwischen S-Bahn-Stationen im Außenbereich und der Innenstadt läge die Preissenkung bei den Zeitkarten bei deutlich unter zehn Prozent. Weil auch der Tageskartentarif "München XXL" wegfällt, wird es auch für Nutzer von Tageskarten spürbar teurer, zum Beispiel für jene aus Fürstenfeldbruck oder Maisach um 15 Prozent. Auch die geplante U21-Streifenkarte, die künftig 60 Prozent der Erwachsenenstreifenkarte kosten soll, macht die Fahrten für Jugendliche teurer, die bisher einfach nur die Hälfte der für Erwachsene notwendigen Streifen abstempeln mussten.

"Es ist schön, dass wir die Chance haben, diesen Beschluss zu heilen", sagte Runge nun im Hinblick auf die anstehenden Nachverhandlungen, bei denen es auch um eine mögliche finanzielle Beteiligung des Freistaats geht. Auch das von Söder ins Gespräch gebrachte 365-Euro-Jahresticket könne eine Chance sein. Zu begrüßen sei auch, dass das Reformpaket Fahrten innerhalb des Landkreises - dabei handelt es sich vor allem um Busfahrten - billiger mache. CSU-Kreisrat Hubert Ficker warf Runge vor, Wahlkampf zu machen, und sprach von "ein paar negativen Aspekten" in der Tarifreform. Runge empfahl er, demokratische Beschlüsse zu beachten und "nicht immer wieder nachzutarocken".