Neubau in FürstenfeldbruckGutes Wohnen mit günstiger Miete

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Der Rohbau steht nach gut sechsmonatigen Bauarbeiten bereits: Im Sommer sollen die zwölf Wohnungen, die Räume der Friedhofsverwaltung und des Bestattungsinstituts im Erdgeschoss bezogen werden.
Der Rohbau steht nach gut sechsmonatigen Bauarbeiten bereits: Im Sommer sollen die zwölf Wohnungen, die Räume der Friedhofsverwaltung und des Bestattungsinstituts im Erdgeschoss bezogen werden. Toni Heigl

Fürstenfeldbruck und die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft errichten ein Mehrfamilienhaus. Sie wollen beweisen, dass sich geförderter Wohnungsbau und gehobener Standard nicht ausschließen müssen.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Wer mit kleinem Haushaltsbudget klarkommen muss, kommt um deutliche Abstriche beim Wohnen nicht herum. Klingt schlüssig, muss aber nicht so sein. Das will die Stadt Fürstenfeldbruck beweisen, die von der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises (WBG) in Holzhybridbauweise ein Wohn- und Verwaltungsgebäude errichten lässt – mit sehr ordentlicher Wärmedämmung sowie Wärmepumpe und Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Innovativ ist das Konzept für das Mehrfamilienhaus am Fürstenfeldbrucker Waldfriedhof nicht nur, weil drei der 13 Autostellplätze im Erdgeschoss untergebracht sind, sondern wegen des gemeinschaftlich nutzbaren Dachgartens nebst Spielplatz. Hier sollen Menschen einziehen, welche die vorgegebene Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Zum Zuge kommen könnten Personengruppen wie Alleinerziehende, Beschäftigte in Heil- und Pflegeberufen sowie anerkannte Flüchtlinge, die bei der Wohnungssuche wegen der hohen Mieten in der Münchner Region sonst oft leer ausgehen.

Zufriedene Gesichter hinterm Tannenbäumchen beim Richtfest (von links): Christoph Maier (Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft), Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Christian Götz, Zweiter Bürgermeister Christian Stangl, Architekt Eik Kammerl, Kämmerer Marcus Eckert, Stadtbaurat Johannes Dachsel, Zimmerer Stefan Enßlin, Regina Faber (Prokuristin der WBG) sowie Michael Strunz und Marc Schelbert von der Regierung von Oberbayern.
Zufriedene Gesichter hinterm Tannenbäumchen beim Richtfest (von links): Christoph Maier (Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft), Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Christian Götz, Zweiter Bürgermeister Christian Stangl, Architekt Eik Kammerl, Kämmerer Marcus Eckert, Stadtbaurat Johannes Dachsel, Zimmerer Stefan Enßlin, Regina Faber (Prokuristin der WBG) sowie Michael Strunz und Marc Schelbert von der Regierung von Oberbayern. Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis FFB

Gut ein halbes Jahr nach dem ersten Spatenstich wurde nun Richtfest gefeiert. Im Sommer 2026 sollen die Räume für die städtische Friedhofsverwaltung und das Bestattungsinstitut bezugsfertig sein, ebenso wie die zwölf Zwei- bis Vierzimmerwohnungen mit Wohnflächen zwischen 55 und 85 Quadratmetern. Alles in allem kalkuliert die Stadt für das Projekt mit neun Millionen Euro.

Förderungen gibt es für die Wohnungen in den drei Obergeschossen aus dem Topf des kommunalen Wohnungsbauförderprogramms des Freistaats: 2,4 Millionen Euro als Zuschuss, knapp drei Millionen Euro als zinsvergünstigtes Darlehen. Man komme für eine 80-Quadratmeter-Wohnung wohl auf eine Monatsmiete von um die 950 Euro, hatte WBG-Geschäftsführer Christoph Maier beim ersten Spatenstich prognostiziert. Kein Schnäppchen, aber in der Münchner Region für einen Erstbezug durchaus günstig. Für das Projekt gelten andere Regeln als für den klassischen sozialen Wohnungsbau mit seinen subventionierten Mieten.

Die genauen Richtlinien für die Vergabe der Wohnungen werden im Frühjahr im Fachausschuss des Stadtrats festgelegt. Bei der Auswahl der Bewerber ist die Stadt gehalten, sich an den vom Gesetz für die Wohnraumförderung vorgegebenen oberen Einkommensgrenzen zu orientieren. So darf für einen Einpersonenhaushalt die Schwelle von maximal 28 200 Euro nicht überschritten werden, für einen Zweipersonenhaushalt von 43 200 Euro (jeweils zuzüglich 3200 Euro pro Kind).

Maier und Oberbürgermeister Christian Götz (BBV) sind überzeugt, gemeinsam auf dem richtigen Weg zu sein. Das Projekt zeige, „dass sich bezahlbarer Wohnraum, nachhaltiges Bauen und gute Architektur gut verbinden lassen“, so Maier. Besonders ausgetreten ist der Weg freilich nicht. Vor allem, weil sich Fürstenfeldbruck, ebenso wie viele andere Städte und Gemeinden, Millioneninvestitionen kaum leisten kann – Zuschüsse hin oder her. Fraglich, ob die überraschend positive Prognose der Gewerbesteuereinnahmen, die jüngst von der Fürstenfeldbrucker Kämmerei vorgelegt worden ist, daran längerfristig etwas ändert. „Bezahlbarer Wohnraum am Waldfriedhof“ ist zurzeit auch das einzige geförderte Vorhaben der Stadt.

Es fallen mehr Wohnungen aus der Sozialbindung, als neue nachkommen

Das reicht nicht, um den Schwund an günstigen Mietwohnungen zu stoppen. Viele Städte haben ebenso wie Land und Bund ihre Wohnungsbestände verkauft. Die Hoffnung war, dass private Unternehmen effizienter wirtschaften. Gleichzeitig fielen immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung. In der Folge können Vermieter die Mieten Zug um Zug anheben. Zum Stichtag 31. Dezember 2024 gab es in Fürstenfeldbruck nach Angaben der Stadtverwaltung noch 408 Wohnungen, die nach den Regeln der einkommensorientierten Förderung (EOF) deutlich unter Marktniveau vermietet werden. Lediglich acht davon befinden sich in städtischem Eigentum.

Dem Negativtrend versuchen 16 von 23 Landkreisgemeinden sowie der Landkreis selbst mit der 2019 unter seinem Dach gegründeten WBG entgegenzuwirken. Die muss im Gegensatz zu privaten Unternehmen keine Gewinne erwirtschaften, soll gleichwohl kostendeckend arbeiten. Premiere war der Bau zweier Mietshäuser an der Fürstenfeldbrucker Friedrich-Ebert-Straße, eine Kooperation von Stadt, Landkreis und Wohnbaugesellschaft. 2024 wurden die Neubauten vorrangig von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landratsamts bezogen. Die Gesellschaft bewarb sich für den geplanten Neubau des städtischen Bauhofs und legte eine Machbarkeitsstudie vor.

Sie musste aber auch bereits Rückschläge hinnehmen. So wurde die Bebauung eines städtischen Grundstücks im Fürstenfeldbrucker Ortsteil Puch auf Eis gelegt – Anwohner hatten sich gegen die aus ihrer Sicht zu massive Bebauung des Ortsrandes gewehrt. Besser sieht es in Maisach aus. Dort hat der Gemeinderat im Juli einstimmig für die Bebauung an der Lusstraße unter Federführung der WBG gestimmt. Im Frühjahr will diese die Baugenehmigung beantragen. Wann die Bagger anrollen, hänge von der Erteilung der Förderbewilligung ab, heißt es. Entstehen sollen 20 EOF-Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern auf etwa 1540 Quadratmetern Wohnfläche.

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