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Fürstenfeldbruck:"Man sieht den Feind nicht"

Benjamin Miskowitsch, Jahrgang 1984, ist seit 20 Jahren Mitglied des Bayerischen Roten Kreuz, Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung; der CSU-Politiker lebt in Mammendorf und ist Landtagsabgeordneter.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Benjamin Miskowitsch über die Arbeit des BRK-Krisenstabs

Auf seinem Facebook-Account lehnt Benjamin Miskowitsch in voller Montur an das rote Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Mammendorf. Auch aus seinem Engagement beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK), als Ehrenamtlicher im Krisenstab, macht der CSU-Politiker keinen Hehl. Gerade jetzt, da die Tätigkeit in Land- und Kreistag sowie Gemeinderat angesichts der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie weitgehend heruntergefahren wurden, bringt er sich gerne als Helfer ein. Ein Gespräch über besondere Herausforderungen.

SZ: Herr Miskowitsch. Sie sind beim Krisenstab des BRK. Was macht der eigentlich genau?

Benjamin Miskowitsch: Ich arbeite im Kreisverband Fürstenfeldbruck als ehrenamtlicher Helfer mit. Der Krisenstab des Bayerischen Roten Kreuzes ist relativ schnell eingerichtet worden, nachdem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder den Katastrophenfall ausgerufen hat. Wenn so etwas passiert, laufen automatisch verschiedene Mechanismen an. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt übernimmt von behördlicher Seite die Koordination im Landkreis. Und der BRK-Krisenstab hat vom Landratsamt die Aufgabe übernommen, die Schutzmaterialien an die ambulanten Pflegedienste weiter zu verteilen. Ganz allgemein untersucht der BRK-Krisenstab aber auch Fragen wie zum Beispiel: Wie geht es dem Personal im Rettungsdienst? Oder wie kann das Ehrenamt dabei am besten unterstützen?

Was sind momentan Ihre Aufgaben?

Wir bekommen aktuell sehr viele Informationen von allen Seiten zugespielt: Wie ist die Situation im Krankenhaus, wie entwickelt sich die Zahl der Infizierten, wie sieht es in Altenheimen aus. Das muss alles analysiert und zusammengeführt werden. Dazu kommen ganz andere Aufgaben. Am Wochenende hat das BRK beispielsweise unterstützt in einem Pflegeheim.

Haben Sie jetzt andere Aufgaben als sonst in einem Katastrophenfall?

Die Coronakrise hat die Herausforderung dass man den Feind nicht sieht. Das ist für alle ein neues Erlebnis, die im Katastrophenschutz aktiv sind. Beim Hochwasser sehe ich, wie es sich entwickelt, das Virus sehe ich nicht. Das macht die Sache gerade schwierig für alle, auch für die Politik.

Wo sitzt der BRK-Krisenstab und woran arbeiten Sie aktuell?

Wir haben fünf Arbeitsplätze im BRK-Kreisverband direkt neben dem Krankenhaus, und wir haben ein Einsatzleitprogramm, mit dem wir arbeiten. Es zeigt uns zum Beispiel die wöchentlich zur Verfügung stehenden Helfer, oder es liefert uns für einen speziellen Einsatz die notwendigen Kapazitäten an Fahrzeugen und Personal praktisch auf Knopfdruck. Im Katastrophenschutz sagt man: Wir müssen vor die Lage kommen. Und da sind wir jetzt ganz gut aufgestellt.

Wie viel Zeit verbringen Sie dort und wie schaffen Sie neben diesem Ehrenamt noch Ihr politisches Engagement?

Ich bin da schon sehr oft, fast jeden Werktag von neun bis 17 Uhr. Emails und Anrufe für meine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter kann ich auch von dort aus erledigen. Das kommt nicht zu kurz. Gerade im Moment bekomme ich sehr viele Anfragen besorgter Bürger. Zeitlich ist das alles aktuell gar kein Problem, da ja fast alles abgesagt ist, auch in München. Das wenige, was noch passiert, machen wir über Telefon- und Videokonferenzen. Es ist auch für uns Politiker eine besondere Situation.

Ein großes Problem zurzeit ist fehlende Schutzausrüstung. Hat der BRK genug?

Nein. Desinfektionsmittel hat man meines Erachtens gut in den Griff bekommen, weil viel heimisch produziert werden kann. Bei Masken haben wir schon noch Bedarf. Da kam gestern eine größere Lieferung an, die wird jetzt verteilt. Wenn man die Menge runterbricht, kommt bei dem einzelnen kleinen Pflegedienst nicht mehr viel an. Wir sind aber auf einem guten Weg. Neu produzierende Gewerbebetriebe in Bayern und Import sind allmählich zu spüren. Man wird sich aber für die Zukunft überlegen müssen, ob man diese ganze Politik, günstige Produktion in China in diesen hochsensiblen Bereichen, fortführen will. Die Politik wird da noch viel nacharbeiten müssen.

© SZ vom 09.04.2020

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