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Fürstenfeldbruck:Luftwaffe bleibt drei Jahre länger

Bundeswehr Luftwaffe Offizierschule Abschlussappell Ende des Offizierlehrganges OffzLehrgOATrDLw Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Längst noch nicht der Abschiedsappell: Zumindest einige Abteilungen der Luftwaffe werden deutlich länger am Standort Fürstenfeldbruck bleiben als zunächst geplant (das Foto ist bei der feierlichen Verabschiedung des Offizierlehrganges im September entstanden).

(Foto: Matthias F. Döring)

Weil die Neubauten an zwei künftigen Standorten nicht rechtzeitig fertig werden, nennt die Bundeswehr als Termin für den Abzug nun 2026. Die Offizierschule will aber wie geplant bereits 2023 nach Roth umziehen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Luftwaffe wird etwa drei Jahre länger in Fürstenfeldbruck bleiben als bislang geplant. Erst 2026 soll der Standort komplett geräumt werden. Als Grund nennt das Verteidigungsministerium Verzögerungen bei Neubauprojekten an zwei Standorten in Kropp und Untermeitingen. Dorthin sollen zwei Dienststellen von "Fursty" verlegt werden. An dem für 2023 angesetzten Umzug der Offizierschule nach Roth bei Nürnberg soll sich hingegen nichts ändern.

Die Kreisstadt ist einer von sechs Bundeswehrstandorten, für die der Zeitplan geändert werden muss - und der einzige in Bayern. Betroffen sind auch in Baden-Württemberg das Bildungszentrum der Bundeswehr nebst Prüfungsamt in Mannheim, der militärische Teil des Berliner Flughafens Tegel, die Ebkeriege-Kaserne im niedersächsischen Wilhelmshaven, das Dienstgebäude im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr sowie die Meierwik-Kaserne im schleswig-holsteinischen Glücksburg. Der Wortlaut der Bundeswehr-Mitteilung lässt darauf schließen, dass auch das Jahr 2026 noch unter Vorbehalt steht: Der "Schließungszeitpunkt" sei "voraussichtlich 2026, in Abhängigkeit des Fortschritts von Baumaßnahmen in Kropp und Untermeitingen".

Im schleswig-holsteinischen Kropp befindet sich die Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne der Luftwaffe, die das Taktische Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" beherbergt. In Untermeitingen im Landkreis Augsburg wird die Infrastruktur zur Unterbringung von zehn Transportflugzeugen des Typs A 400 M errichtet. Start- und Landebahn werden verstärkt, neue Roll- und Abstellflächen für die Flugzeuge angelegt. "Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die geplante Verlegung der Offizierschule der Luftwaffe nach Roth im Jahr 2023 nicht betroffen", sagt ein Sprecher der im "Blauen Palais" untergebrachten Offizierschule.

Nach Worten von Christian Prawos, Oberleutnant des Kommandos Luftwaffe in Berlin, gibt es in Fürstenfeldbruck jenseits der dominierenden Offizierschule fünf kleinere Dienststellen: den Führungsunterstützungssektor eins, das Zentrum Luft- und Raumfahrtmedizin, das Ausbildungszentrum für Abbildende Aufklärung, die Lehrmittelwerkstatt sowie das Unterstützungspersonal Standortältester. Alle Dienststellen sind von der Standortentscheidung betroffen. Somit sind es aktuell 845 Soldaten der Luftwaffe, die den Standort zu unterschiedlichen Zeitpunkten verlassen werden.

Im Landkreis löst die Botschaft der Bundeswehr ein zwiespältiges Echo aus. Die Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler (CSU) ist am Dienstagmorgen informiert worden. Trotz der erneuten Verschiebung glaubt sie nicht, dass die Entscheidung, den Standort Fürstenfeldbruck aufzugeben, noch einmal grundsätzlich überdacht wird. Das sei eher keine "Trendwende". Staffler hatte sich in Berlin dafür eingesetzt, den Militärstandort zumindest in Teilen weiter zu nutzen, bislang aber ohne Erfolg. Wichtig ist ihr nun Planungssicherheit für die Anrainergemeinden. Darauf hofft auch Landrat Thomas Karmasin (CSU), der als Moderator zwischen Fürstenfeldbruck und seinen Nachbarn Emmering, Olching und Maisach vermitteln soll. "Das Zeitfenster für die Planungen ist jetzt länger offen", so Karmasin. Man könne damit immerhin "entspannt und in aller Ruhe" die Weichen stellen für die zivile Umnutzung des 200 Hektar großen Militärareals. Zwiespältige Gefühle löst die Botschaft aus Berlin bei Nadja Kripgans-Noisser aus. Sie ist in der Kreisstadt für die Konversion zuständig. "Natürlich ist es einerseits gut, dass die Planungen geordnet und in Ruhe vonstatten gehen können", sagt sie. Gleichwohl sei es natürlich bedauerlich, dass damit auch die Hoffnungen der Stadt einen Dämpfer bekommen, bereits Ende 2023 oder Anfang 2024 die Planungshoheit über das riesige Gelände zu erlangen.

Der nächste Meilenstein ist ein Ideenwettbewerb, für den sich der Stadtrat bereits vor drei Jahren ausgesprochen hat. Ziel ist ein städtebaulich-freiraumplanerisches Rahmenkonzept. Das Münchner Fachbüro BGSM Architekten Stadtplaner wurde bereits mit der Vorbereitung und Verfahrensbegleitung des Wettbewerbs beauftragt. Dieser Auftrag ruht zwar seit Inkrafttreten eines Planungsmoratoriums, kann aber laut Kripgans-Noisser bei Bedarf wieder aus der Schublade geholt werden. Der Auftrag bezieht sich auf das Stadtgebiet von Fürstenfeldbruck, könne aber bei Bedarf auf das gesamte Moratoriumsgebiet erweitert werden.

Nachgebessert werden muss nun freilich auch der gesamte Zeitplan für die Konversion. Hatte Kripgans-Noisser jüngst als grobe Zielmarke für die vollendete Neubebauung noch von 2029 bis 2034 gesprochen, so wird sich auch dies nun wohl weiter in die Zukunft verschieben.

© SZ vom 11.12.2019

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