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Fürstenfeldbruck:Lücke an der VHS-Spitze

Die noch amtierende VHS-Leiterin Silvia Reinschmiedt

(Foto: Mark Kujath; Volkshochschule FFB)

Debatte über Neuausrichtung nach Kündigung von Silvia Reinschmiedt

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Nachdem die langjährige Leiterin der Volkshochschule in Fürstenfeldbruck, Silvia Reinschmiedt, zum 1. Juli gekündigt hat, gerät die Einrichtung der Erwachsenenbildung wieder in den Fokus. SZ-Informationen zufolge soll die 57-Jährige unter anderem deshalb die Konsequenzen gezogen haben, weil sie sich im Aufsichtsrat unzureichend unterstützt fühlte. Reinschmiedt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, sie ist krank geschrieben. In dem Aufsichtsgremium soll es nach SZ-Informationen aber eine Art Lagerbildung gegeben haben: Georg Tscharke, Vorsitzender des Fördervereins Volkshochschule, und Johann Klehmet, Referent im Stadtrat für Erwachsenenbildung (BBV), sollen Reinschmiedt eher den Rücken gestärkt haben, während Oberbürgermeister Erich Raff (CSU), Klaus Wollenberg (FDP) und Gina Merkl (Grüne) eher dem kritischen Lager zugerechnet werden.

Wollenberg hatte immer wieder auch öffentlich durchblicken lassen, dass er die bisher als gemeinnützige Gesellschaft arbeitende Gretl-Bauer-Volkshochschule lieber wieder in die Stadt eingliedern würde. Auf breiter Basis, also im Stadtrat, wurde über eine Änderung der Gesellschaftsform bislang aber noch nicht gesprochen. Durch die Kündigung Reinschmiedts gibt es nun Druck in dieser Sache. "Das muss bald entschieden werden", sagt denn auch Raff, der den Stadtrat einbinden will. Soll die gemeinnützige GmbH aufgelöst werden, dann müsste die Entscheidung wohl möglichst bis Ende Mai fallen. Raff selbst tendiert nach eigenen Worten eher zu einer Beibehaltung des Status Quo. In diesem Fall würde der Posten an der Spitze der weiterhin formal unabhängigen Tochtergesellschaft also neu ausgeschrieben. Sollte die VHS in Form eines Eigenbetriebs in die Stadt eingegliedert werden, würde sie künftig von einem Werkleiter geführt - vergleichbar mit dem Posten von Norbert Leinweber, der Chef des Veranstaltungsforums Fürstenfeld ist. Große Synergieeffekte knüpft Raff an eine Integration nicht, auch wenn damit möglicherweise das leidige Thema einer zumindest theoretisch möglichen Insolvenz der VHS, vor der Reinschmiedt im vergangenen Jahr gewarnt hatte, vom Tisch wäre. Nach den coronabedingten Einnahmeausfällen sei die "Vorzeige-VHS" mittlerweile wieder auf einem guten Weg, sagt Raff.

Johann Klehmet bedauert den Weggang von Silvia Reinschmiedt nach acht Jahren an der VHS-Spitze ausdrücklich. Sie habe die Einrichtung gut, engagiert und mit "sozialem Gespür" geführt - "das wird fehlen". Klehmet warnt vor einer vorschnellen Änderung der Rechtsform: "Da sollte man sich Zeit nehmen". Denkbar sei auch ein Zusammenschluss mehrerer Volkshochschulen in Form eines Zweckverbands. Wichtig sei in jedem Fall, dass die Gretl-Bauer-Volkshochschule weiter politisch unabhängig bleibt und dass eine Neuausrichtung nicht zulasten der sieben Mitarbeiterinnen geht. Zu möglichen Konflikten zwischen Aufsichtsräten und Silvia Reinschmiedt wollte sich Klehmet mit Verweis auf seine Verschwiegenheitspflicht als Aufsichtsrat nicht äußern.

Informationen über das aktuelle Kursangebot der Gretl-Bauer-Volkshochschule und die coronabedingten Einschränkungen unter vhs-ffb.de

© SZ vom 04.05.2021
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