Fürstenfeldbrucker BrauchtumKleine Architekten im Auftrag Lucias

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Fürstenfeldbrucker Grundschülerinnen haben die Lucienhäusl gestaltet.
Fürstenfeldbrucker Grundschülerinnen haben die Lucienhäusl gestaltet. (Foto: Johannes Simon)
  • Am Samstag, 13. Dezember, schwimmen 150 selbstgebastelte Häuschen von Grundschulkindern erleuchtet von Kerzen auf der Amper in Fürstenfeldbruck.
  • Das Luzienhäuschenschwimmen geht auf ein Gelübde von 1785 zurück, als Anwohner die Heilige Lucia um Schutz vor Hochwasser baten.
  • Die Viertklässler haben aus Pappe, Papier und Naturmaterialien kreative Nachbildungen von Gebäuden, Kirchen und Fantasiebauten geschaffen.
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Beim traditionellen Luzienhausschwimmen in Fürstenfeldbruck schicken Grundschulkinder am Samstag 150 selbstgebastelte Häuschen erleuchtet von Kerzen auf die Amper. Bis dahin kann man sie in der Sparkasse bewundern.

Von Manfred Amann

Zu Ehren der heiligen Lucia werden am Samstag, 13. Dezember, in Fürstenfeldbruck wieder von Kindern gebastelte Häuschen die Amper Richtung Emmering hinabtreiben. Das Brucker Luzienhäuschenschwimmen hat eine lange Tradition und ist eine der originellsten Brauchtumsveranstaltungen in der Region. „Es ist jedes Jahr wieder ein Erlebnis, wenn die Häuschen, erleuchtet von flackerndem Kerzenlicht, auf den Wellen schaukelnd in der Dunkelheit auftauchen“, sagt eine Mutter in Vorfreude auf das Ereignis. Spannend ist es auch für die stolzen jungen Baumeister, denn je nach Wind und Wellengang ist nicht sicher, dass jedes Häuschen auch die Schwimmzeit übersteht. „Mein schöner kleiner Königspalast war leider schon nach ein paar Metern gesunken, da war ich maßlos enttäuscht, denn irgendwie war das doch eine Blamage“, verrät ein Jugendlicher, während er die bunten Häuser bewundert, die in der Stadtparkasse in der Altstadt ausgestellt sind, bis sie am Luzientag auf die Wasserreise gehen.

Etwa 150 Luzienhäuschen haben die Viertklässler der Grundschulen am Theresianumweg und an der Philipp-Weiß-Straße in vielen Werkstunden entworfen, aus Pappe, Papier, Flaschenkork und allerhand Naturmaterialien wie Moos, Eicheln, Kastanien, Fichtenzapfen oder Ästchen gebastelt und ideenreich bemalt. Im Vergleich zu anderen Jahren sind es deutlich weniger, 2018 zum Beispiel waren es 286. „Das Wichtigste bei den Bauwerken ist die Grundplatte, am besten aus Holz. Sie darf nicht zu schwer sein und muss genügend groß sein, um den Aufbau und die Kerzen auf den Wellen tragen zu können“, sagt der junge Baumeister. Styropor wiederum sei zu leicht. Lachend erwähnt er zudem, dass so manches schöne Bauwerk auf dem Wasser auch schon den Flammen zum Opfer gefallen sei.

„Es sind alles kleine, teils filigrane Kunstwerke“, lobt eine Besucherin. Oft handelt es sich bei den Luzienhäuschen um Nachbildungen von Häusern in der Stadt, von Kirchen und markanten Gebäuden wie zum Beispiel der Aumühle. Aber auch eine Handballarena, in der gerade gespielt wird, ein Floß mit Segel, ein Vulkan, ein Freizeitzentrum „Tropical Island“ und eine Party-Location warten darauf, illuminiert von Mitgliedern der Brucker Wasserwacht ins Wasser gelassen zu werden. Ebenso ein Hühnerhof, eine Rakete, ein Poseidon-Tempel, ein Fantasieschlösschen und ein Häuschen mit Flügel. „Beeindruckend realitätstreu“ findet ein Besucher das Rathaus aus Pappe und Papier mit seinem Zwerchgiebel, das mit den entlang der Hauptstraße auf beiden Seiten anschließenden Gebäuden den Oberen Brucker Marktplatz nachbildet.

Er sei den Lehrern und den Kindern dankbar für das Engagement zur Erhaltung des Brauchtums, lobte Brucks Oberbürgermeister Christian Götz bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Häuschen spiegelten Ideenreichtum und vielfältige Kreativität wider, sagt eine Oma und bewundert mit ihrem Enkel die Vielfalt und die „faszinierende Präzision“ mancher Nachbildung.

Zu Ehren der Heiligen haben die Kinder auch das Rathaus samt umgebender Häuserzeilen...
Zu Ehren der Heiligen haben die Kinder auch das Rathaus samt umgebender Häuserzeilen... (Foto: Johannes Simon)
...einen Bauernhof mit Tieren...
...einen Bauernhof mit Tieren... (Foto: Johannes Simon)
... und sogar eine eishockey-Arena errichtet.
... und sogar eine eishockey-Arena errichtet. (Foto: Johannes Simon)

Der Brauch soll auf ein Gelübde zurückgehen, das Anwohner im Spätherbst 1785 abgelegt haben, als die Amper über ihre Ufer zu treten und das Wasser in die Häuser zu laufen drohte. Der Überlieferung zufolge baten die Brucker damals die Märtyrerin Lucia von Syrakus, die als Heilige des Lichtes verehrt wird, den Markt und seine Bürger zu schonen, was offenbar auch eintrat. Angeblich wurde daraufhin der Zimmermann, der „Luci-Mo“ in der Maisacher Straße, beauftragt, Häuschen zu bauen, die nach einer Messe am Namenstag der Heiligen als eine Art Dankesopfer in den Fluss gesetzt wurden. Damit war das Brauchtum geboren.

Tatsächlich gibt es das Luzienhäuschenschwimmen jedoch schon länger. So schreibt der Volkskundler Günther Kapfhammer im Landkreisbuch, dass bereits im 17. Jahrhundert Kinder beleuchtete Häuschen aus Papier auf die Amperwellen gesetzt hätten. Dokumentiert ist auch, dass im Jahre 1624 die Stadt Ausgaben in Höhe von einem Gulden für „Luciae den Schuelkhindern zu Prugg wie breichig“ verbuchte. Berichtet wird zudem, dass 1706 der Freisinger Bischof verbot, den vermeintlich heidnischen Brauch zu segnen. Im Zuge der Aufklärung und vor allem zur Zeit der Klosteraufhebungen Anfang des 19. Jahrhunderts geriet der Brauch in die Kritik und es wurde auf Gottesdienst und Häuschenweihe verzichtet, nicht aber auf das Schwimmenlassen.

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Dennoch geriet das Luzienhäuschenschwimmen später in Vergessenheit, bis es 1949 auf Betreiben des Rektors der ehemaligen Knabenschule, Georg Kachelriß, wiederbelebt wurde. Lange Zeit wurde der originelle Brauch nur in der Kreisstadt gepflegt. Seit 1952 schwimmen kreativ gestaltete Häuschen auch in Grafrath in der Amper „weil auch unser Ort immer wieder vom Hochwasser bedroht ist“, wie die ehemalige Ortsarchivarin Christel Hiltmann einmal sagte. Auch in Puchheim (Gröbenbach) und in Überacker (Maisach) hat das Luzienhäuschenschwimmen mittlerweile Tradition.

Das Luzienfest beginnt am 13. Dezember mit einer Andacht vor der Leonhardikirche um 18 Uhr. Wer vorab die Häuschen bewundern möchte, kann dies in der Sparkasse, Hauptstraße 8, zu den Öffnungszeiten.

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