Fürstenfeldbruck Livemusik trifft DJ

Vorgeschmack auf das, was kommt: The Stimulators heizen am Samstagabend in der Location im Brucker Gewerbegebiet ordentlich ein.

(Foto: Günther Reger)

Aus dem Klub Buck Rogers wird die Alte Druckerei - mit eigener Bühne

Von Katharina Knaut, Fürstenfeldbruck

"Time goes bye", singt Oliver Stephan, Leadsänger der Band "The Stimulators". Neben ihm lässt Lead-Gitarrist Peter Schneider seine Finger über sein Instrument wirbeln. Hinter ihnen ergänzt Schlagzeuger Hans Mühlegg das Stück mit schnellen Rhythmen. Dann erklingt in bester Bluesmanier eine aufsässige Trompete. Stephan tritt noch näher ans Mikro. "Time goes bye!" Es ist eines der letzten Stücke, das die Band bei der Neueröffnung der "Alten Druckerei" spielt. Ein Lied, dessen Haupttextzeile wie ein inoffizielles Motto über dem Abend schwebt.

Viel ist im Laufe der Zeit in diesem Gebäude in der Hasenheide bereits geschehen. Bis Anfang der Zweitausender nutzte es der Amperkurier als Druckerei, dann wurde es von Hans Schmölz zum Klub "Buck Rogers" umfunktioniert. Neun Jahre lang tanzte Brucks Jugend zu Elektrobeats. Dann die Nachricht: Die Location schließt. Erneut ein Wandel, ein neues Gesicht. Die "Alte Druckerei", in Anspielung auf die frühere Nutzung, wurde geboren. Obwohl baulich nichts verändert wurde, spürt man deutlich das neue Flair: Vip-Bereich und DJ-Pult sind verschwunden, stattdessen erhebt sich nun eine breite Bühne über die Tanzfläche, auf der am Anfang des Abends bereits Schlagzeug, Verstärker und diverse Gitarren aufgebaut sind. LED-Lichter sind Bühnenscheinwerfern gewichen, die den Raum in wärmeres, schummrig rotes Licht tauchen. Herzstück ist der gewaltige, bodenlange rote Vorhang, der sich über eine Seite der Tanzfläche und die Bühne erstreckt. Aus dem Elektro-Klub ist eine gemütliche, aber auch stylische Eventlocation geworden.

Mehr als zwei Stunden lassen die Musiker die Besucher zu Jazz, Blues, Rock und Reggae tanzen. Vor allem gegen Ende des Konzerts bewegen sich die Gäste mit sichtlichem Vergnügen über die Fläche, manche Paare legen sogar einen Rock 'n' Roll auf das Parkett. Besonders die Solos lösen beim Publikum Begeisterung aus. Vor allem, wenn Gitarrist Schneider mit geschickten Fingern seinem Instrument beinahe schräge Töne entlockt. Oder als Schlagzeuger und Perkussionist sich ein wildes Duell liefern, bei dem sie sich gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Und dazwischen erklingt immer wieder die volle, tiefe Stimme von Lead-Sänger Stephan, der mit seiner untersetzten Statur, der Sonnenbrille und dem konsequent stoischen Gesichtsausdruck John Belushi aus dem Film "Blues Brothers" frappierend ähnlich sieht.

Insgesamt ein Abend, der ganz ins neue Konzept von Schmölz passt. Er will die Alte Druckerei zur Kulturstätte aufbauen. Zu einem Ort, der nicht nur die Jugend, sondern ein breiteres Publikum anspricht. Auch Leute jenseits der 20 sollen kommen. Am liebsten wäre ihm eine Mischung der Generationen. Dementsprechend ist nach dem Auftritt der Stimulators Party angesagt. Zwanziger und Fünfziger zusammen auf einer Tanzfläche - das scheint in etwa so wahrscheinlich wie Mozart als Diskjockey. Und doch scheint Schmölz zumindest an diesem Abend das Unmögliche zu gelingen: Nach der letzten Zugabe der Stimulators werden die Gitarren weggepackt, das Schlagzeug abgebaut, das DJ-Pult herbeigerollt. Statt Trompete und Percussion hört man nun die Songs der Neunziger und aktuellere Hits. Nach und nach strömen Jüngere in die Alte Druckerei. Zunächst stehen sie noch abseits, während die Älteren die Tanzfläche für sich haben. Nach und nach wagen sich dann aber auch die Jüngeren dazu, für kurze Zeit wiegen sich zwei Generationen nebeneinander im Takt. Dann übernimmt die Jugend die Fläche, die Älteren ziehen sich zurück. "Die Tochter kommt, der Vater geht", sagt jemand und lacht.