Kälte, Wind und Dauerregen haben am Samstag den Fürstenfeldbruckern ihre traditionelle Leonhardifahrt vermiest. Dass die meisten der 33 angemeldeten Reitergruppen, Kutschen und Gespanne dennoch „dem Schmuddelwetter trotzen“, freute Oberbürgermeister Christian Götz. „Weil auch kräftiger Sturm angesagt war, wollten wir schon absagen, aber so wie ihr haben wir uns nicht abschrecken lassen“, lobte das Stadtoberhaupt und dankte Teilnehmern und Organisatoren für ihr Engagement.
Bevor sich die Prozession mit deutlich weniger Einzelreitern als bei Umritten mit besserem Wetter und mit Polizeiauto voraus in Bewegung setzte, erinnerte Dritte Bürgermeisterin Birgitta Klemenz daran, dass die Verehrung des heiligen Leonhard von den Zisterziensern ausgegangen sei. Das Kloster Fürstenfeld hatte im Zuge seiner Gründung 1263 Inchenhofen bei Aichach dazubekommen, wo der Heilige schon früh verehrt wurde und sich eine Wallfahrt entwickelt hatte.
Kräftig gefördert durch die Fürstenfelder Mönche wurde daraus bald eine der größten christlichen Wallfahrten in Europa. „Die Zisterzienser holten die Verehrung schließlich nach Bruck und ließen die Leonhardskirche bauen, die im Jahre 1440 eingeweiht wurde. Eine Standarte, die daran erinnert, wird bei der Leonhardifahrt mitgeführt“, sagte Klemenz.
Auf einem von Ponys gezogenen Wägelchen wurde eine von Blumenschmuck umfangene Statue des Heiligen präsentiert. Musikalisch begleitet haben die Leonhardifahrt der Fanfarenzug Graf Toerring Gernlinden an der Spitze, die Stadtkapelle, die unter Leitung von Paul Roh die Votivmesse gestaltete, von der Blasmusik Schöngeising und von den Schleißheimer Schlosspfeifern. „Die Musiker tun mir richtig leid, ganz egal, ob Schnee, Hitze oder Regen, sie müssen spielen“, bedauerte eine Fürstenfeldbruckerin.

Der Gartenbauverein Aich fuhr mit einem Modell der Ortskirche mit, auch ein Abbild der Leonhardkirche war dabei, die Fürstenfeldbrucker Blumen- und Gartenfreunde hatten einen „Erntewagen“ prachtvoll mit Garten- und Feldfrüchten gefüllt. Auf ideenreich geschmückten Kasten- und Leiterwagen sowie in Kutschen fuhren Ministranten, Stadträte, Landes-, Bezirks- und Kreispolitiker sowie Mitglieder der Heimatgilde „Die Brucker“ mit. Ein historisches, von Pferden gezogenes „Spritzenfahrzeug“ der Freiwilligen Feuerwehr war ebenfalls zu sehen. Besonderen Applaus von den einigen hundert Zuschauern bekamen die Mitglieder des Brucker Historienspielvereins und des Edigna-Vereins Puch, der die Orts-Selige der Legende nach entsprechend betend auf einem von zwei Ochsen gezogenen Karren zeigte.

Die weiteste Anfahrt hatte der Freundeskreis St. Willibald aus Jesenwang mit einem Wagen auf sich genommen, auf dem ein Modell der Willibaldkirche stand. „Es ist uns eine Ehre, jedes Jahr wieder dabei zu sein. Dafür unterstützen Brucker auch unseren Willibaldritt“, sagte der Vorsitzende Martin Schmid. Wie aus einem von der Stadt aufgelegten Flyer hervorgeht, fand die erste Leonhardifahrt 1921 statt, alljährliche Umritte gibt es seit 1966. Vor den Ritten wird eine Votivmesse gefeiert, die heuer angesichts des Regens in die Kirche St. Leonhard verlegt wurde.
Mit der Votivmesse lösen die Fürstenfeldbrucker alljährlich ein Gelöbnis ein, das im Jahre 1743 abgelegt worden war. Wie Birgitta Klemenz erzählte, waren damals Fürstenfeldbrucker in Folge einer Viehseuche in Not geraten und hatten den heiligen Leonhard um Hilfe gebeten. Sie gelobten, künftig an dessen Gedenktag, dem 6. November, aus Dankbarkeit für seine Fürsprache bei Gott eine Messe zu feiern. „Das Gelöbnis wird heute wieder etwas früher eingelöst“, sagte sie.


Höhepunkt des Umrittes ist jeweils die Segnung der Tiere und der Menschen, die Pfarrer Otto Gäng mit Weihwasser und dem „Leonhard-Partikel“ vom ehemaligen Kloster Fürstenfeld vornahm, in dem laut Birgitta Klemenz, „eine kostbare Reliquie das Heiligen“ aufbewahrt wird. Das damalige Gelöbnis griff der Priester in der Predigt der Votivmesse auf, in der auch Gebete aus dem sogenannten „Leonhards-Missale“ gesprochen wurden, das 1317 im Kloster verfasst worden war. Pfarrer Otto Gäng regte an, sich die Menschen von damals und ihr Vertrauen in den Heiligen zum Vorbild zu nehmen.
Auch heute gebe es Seuchen wie zum Beispiel aktuell die Vogelgrippe und jedem Menschen sei geraten, sich an Heilige zu wenden, um sich aus seinen vielen persönlichen Verstrickungen zu lösen, sagte der Geistliche. Der heilige Leonhard stehe für Freiheit, die in großer Gefahr sei. Da heutzutage immer noch viel Leid, Not und Krieg auf der Welt herrschten, sei es besonders wichtig, Leonhard zu gedenken, der nicht nur der Schutzpatron des Viehs sei, sondern auch Menschen von ihren Ketten befreit habe. Die Kette, mit der Leonhard meist dargestellt werde, sei ein Zeichen dafür, dass der Heilige als „Befreier ohne Waffen“ ein Zeugnis dafür ablege, dass der Glaube an ihn und Gott helfen könne, die Ketten von Mutlosigkeit, Langeweile, Kleingläubigkeit und Abhängigkeit zu sprengen.

