Fürstenfeldbruck:Landkreis vor der Corona-Notbremse

Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz auch an diesem Mittwoch über 100 liegt, dann gelten von Karfreitag an wieder strengere Maßnahmen. Davon ist dann auch das Osterwochenende betroffen

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Der Landkreis Fürstenfeldbruck wird an diesem Mittwoch die Corona-Notbremse ziehen müssen. Seit Montag liegt er mit seiner Sieben-Tage-Inzidenz wieder über der 100er-Marke. Am Dienstag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Wert von 114 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Wenn der Wert 100 auch an diesem Mittwoch und damit am dritten Tag in Folge überschritten wird, dann gelten zwei Tage später, also von Karfreitag an, wieder strengere Maßnahmen zum Eindämmen der Pandemie. Dazu zählt unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre.

Die Regelungen sieht die 12. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vor, sie treten dann automatisch in Kraft. "Wir ordnen die Maßnahmen nicht an, sondern das steht in der Verordnung drin", konkretisiert Simon Bausewein, der derzeit als Pressesprecher im Landratsamt fungiert. Die Behörde hätte dabei keinen Handlungsspielraum. Maßgeblicher Wert zur Beurteilung der Lage ist jener des RKI.

Auch über die Ostertage dürfen sich im Landkreis dann nur Angehörige des eigenen Hausstandes und eine weitere Person treffen. Zulässig ist zudem "die wechselseitige, unentgeltliche, nicht geschäftsmäßige Beaufsichtigung von Kindern unter 14 Jahren in festen, familiär oder nachbarschaftlich organisierten Betreuungsgemeinschaften", wenn sie Kinder aus höchstens zwei Hausständen umfasst. Tagesbetreuungsangebote für Kinder aber müssen nach den Feiertagen schließen, es findet lediglich Notbetreuung statt. Ist die Lage nach den Osterferien unverändert, gilt - mit Ausnahme der vierten Klassen der Grundschulen, der elften Klassen in Gymnasien/Fachoberschulen sowie der Abschlussklassen - wieder Distanzunterricht.

Der Einzelhandel muss wieder schließen. Geöffnet werden dürfen dann nur Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittelläden, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tankstellen, Kfz- und Fahrradwerkstätten, Banken, Filialen des Brief- und Versandhandels, Reinigungen, Blumenfachgeschäfte, Garten- und Baumärkte, Gärtnereien, Lieferdienste, Versicherungsbüros, Buchhandlungen, Tierbedarf. Vorbestellte Waren im Laden per Click-and-collect abzuholen, bleibt möglich. Friseure bleiben geöffnet, auch nichtmedizinische Fuß-, Hand-, Nagel- und Gesichtspflege dürfen weiterhin angeboten werden. Gastronomie bleibt weiterhin zu.

Von 22 bis 5 Uhr gilt erneut eine Ausgangssperre. Die gilt dann auch in der sogenannten Freinacht von Karsamstag auf Ostersonntag. Ausnahmen gemacht werden dürfen nur bei Notfällen, bei bestimmten beruflichen Tätigkeiten, für die unaufschiebbare Betreuung unterstützungsbedürftiger Personen, für die Begleitung Sterbender und für die Versorgung von Tieren.

Sport kann nur rudimentär in kontaktfreier Version stattfinden, Mannschaftssport ist generell untersagt. Weil auch Museen und Ausstellungen für das Publikum nicht mehr geöffnet werden dürfen, muss beispielsweise das Bauernhofmuseum Jexhof bei Schöngeising samt seiner Sonderausstellung "Eiszeit(en)" wieder dicht machen. Erst vor wenigen Tagen war mit vorheriger Terminbuchung geöffnet worden. Für Kreisklinik und Pflegeheime gilt keine Beschränkung der Besucheranzahl pro Patient und Tag mehr, allerdings Hygienemaßnahmen vor Ort und bei Pflegeeinrichtungen ein negativer Coronatest des Besuchers. Beim Überschreiten der 100er Inzidenz ist allerdings auch kein gemeinsamer Besuch zweier Hausstände bei einem Heimbewohner möglich. Im Zweifelsfall ist es notwendig, sich bei den einzelnen Einrichtungen vorab zu erkundigen.

Möglich bleiben, auch im Hinblick auf die Ostertage, Gottesdienste - mit den entsprechenden Vorkehrungen wie Anmeldung, Abstandhalten, Maskentragen.

Die Inzidenzzahl 100 überschritten hatte der Landkreis zuvor zuletzt am 26. Januar. Damals meldete das Gesundheitsamt eine Zahl von 112,72. Danach ging die Inzidenz beständig nach unten - sogar bis auf einen Tiefstwert von 24,55 am 18. Februar -, um seither wieder anzusteigen. Seit gut einer Woche gehen die Zahlen rapide in die Höhe. Den höchsten Inzidenzwert der Pandemie hatte der Landkreis laut Statistik seines Gesundheitsamtes übrigens am 6. November des Vorjahres erreicht: mit 240.

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