FürstenfeldbruckKontinuität statt Abwechslung im Kreistag

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Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin gratuliert seinem zweiten Stellvertreter Michael Schanderl (links) im Beisein seiner ersten Stellvertreterin Martina Drechsler.
Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin gratuliert seinem zweiten Stellvertreter Michael Schanderl (links) im Beisein seiner ersten Stellvertreterin Martina Drechsler. Toni Heigl
  • Martina Drechsler (CSU) und Michael Schanderl (FW) bleiben erste und zweite Stellvertreter von Landrat Thomas Karmasin im Landkreis Fürstenfeldbruck.
  • 28 neue Mitglieder ziehen in den 70-köpfigen Kreistag ein, womit 40 Prozent aller Kreistagsmitglieder neu in dem Gremium sind.
  • Die CSU bleibt mit 26 Mandaten stärkste Fraktion, die Grünen verlieren vier Mandate auf 13, die AfD verdoppelt ihre Sitze von drei auf sechs.
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Alles bleibt wie es ist in der Kreispolitik in Fürstenfeldbruck: Martina Drechsler und Michael Schanderl vertreten auch künftig den Landrat. 28 Neulinge werden in den neuen Kreistag aufgenommen.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

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Thomas Karmasin (CSU) ist bekanntlich schon seit 30 Jahren Landrat im Landkreis Fürstenfeldbruck. Das mag – je nach Lesart – ein Zeichen für Beständigkeit sein oder einen Mangel an Abwechslung bedeuten. Doch im Brucker Land liebt man offenbar die Kontinuität, und so wurden jetzt auch Karmasins Stellvertreter in ihren Ämtern bestätigt. Erste Stellvertreterin bleibt Karmasins Parteikollegin Martina Drechsler, zweiter Stellvertreter ist weiterhin Michael Schanderl (FW).

Drechsler übt das Amt bereits seit zwölf Jahren aus, gilt als zuverlässig und bereit, ausreichend Zeit zu investieren, um für Karmasin einzuspringen, der auch noch Präsident des bayerischen Landkreistags ist. Schanderl war von 2002 bis 2020 Bürgermeister von Emmering und ist seither zweiter Stellvertreter des Landrats. Einstimmig fiel das Votum für ihn bei der konstituierenden Sitzung aus, bei Drechslers Wahl erhielt Grünen-Kreisrat Martin Runge sechs Stimmen, der jedoch gar nicht zur Wahl stand. Vielleicht hätte so mancher Grüne gerne auch einen aus der eigenen Partei auf einem Stellvertreterposten gesehen. Offizielle Ambitionen aber hatten die Grünen nicht angemeldet.

Stattdessen gehen sie erstmals mit einer Fraktions-Doppelspitze an den Start: Die Position teilen sich Ronja von Wurmb-Seibel, die Karmasin in die Stichwahl gezwungen hatte, und eben jener Martin Runge, ehemaliger Landtagsabgeordneter und seit mehr als 40 Jahren Kreisrat. Mit der neuen Struktur verbinde man „Erfahrung und Erneuerung“, sagt von Wurmb-Seibel. Die beiden haben auch bereits ein Motto für sich gefunden: „der Alte und die Neue“.

Die Neuen sind zahlreich im künftigen Kreistag: 28 Frauen und Männer drängen sich am Montag zu Sitzungsbeginn auf engem Raum, um den Eid zu sprechen. Landrat Karmasin spricht den Text in Abschnitten vor, die künftigen Kreisrätinnen und Kreisräte wiederholen gemeinsam, was ein bisschen dem Sound eines katholischen Gottesdienstes ähnelt. 40 Prozent aller Kreistagsmitglieder sind damit Novizen, und so müssen viele zunächst erst einmal einen Blick auf den Sitzplan werfen und ihren Platz im Saal suchen. Man begrüßt und beäugt einander, zückt die Handys, um den Moment festzuhalten.

„Lassen Sie sich nicht abschrecken!“, rät Karmasin den Neuen gleich zu Beginn. „Vor zwölf Jahren war es die Zuwanderungskrise, vor sechs Jahren Corona, und jetzt haben wir eine Finanzkrise“, aber man werde das „schon irgendwie bewältigen“.

In neuer Sitzordnung kommt der Fürstenfeldbrucker Kreistag zum ersten Mal in der neuen Amtsperiode zusammen. Er besteht aus 70 Mitgliedern aus insgesamt neun Parteien.
In neuer Sitzordnung kommt der Fürstenfeldbrucker Kreistag zum ersten Mal in der neuen Amtsperiode zusammen. Er besteht aus 70 Mitgliedern aus insgesamt neun Parteien. Toni Heigl

Bis auf Christian Holdt (ÖDP), der nicht mehr dabei ist, sitzen Karmasins Gegenkandidaten aus dem Wahlkampf ihm jetzt allesamt als Kreisräte gegenüber: Ronja von Wurmb-Seibel, Stefan Weinberger (FW), Peter Banholzer (AfD) sowie die langjährigen Kreisräte Andreas Magg (SPD) und Ulrich Bode (FDP). Mit 26 Mandaten bleibt die CSU die mit Abstand größte Fraktion. Am nächsten kommen ihr die Grünen, die aber den Verlust von vier Mandaten auf nunmehr 13 hinnehmen mussten. Dafür sind sie mit knapp 62 Prozent Frauenanteil die weiblichste Fraktion. Unter sich bleiben die Männer nur bei den Unabhängigen Bürgervereinigungen (UBV) und ihren vier Mandatsträgern. Die AfD verdoppelte die Zahl ihrer Kreistagsmitglieder von drei auf sechs.

Keine AfD-Kreisräte für die Verbandsversammlung der Sparkasse

Beschlüsse werden auch gleich gefasst beim Auftakt zur neuen Amtsperiode. Statt der bisher beratend tätigen Baukommission wird ein echter Bauausschuss installiert, der auch Beschlüsse fassen kann. Ein eigener Sozial- und Gesundheitsausschuss – ein Anliegen der SPD, das schon 2020 abgelehnt wurde – fand auch diesmal lediglich Befürworter bei SPD, Grünen und Linken – und damit zu wenige. Bemerkenswert ist, dass die beiden Politikerinnen der Linken, die dem Gremium neu angehören, beinahe bei allen Ausschussbesetzungen als einzige dagegen stimmen.

Bei der Abstimmung über die Kreistagsmitglieder, die in die Verbandsversammlung der Sparkasse Fürstenfeldbruck entsandt werden, spricht sich eine riesige Mehrheit für Klaus Wollenberg (FDP) als Mitglied und Jan Halbauer (Grüne) als seinen Stellvertreter aus – und damit gegen die beiden Kandidaten der AfD, was deren Sprecher Rolf Ertel mit höhnischem Applaus quittiert. Niemand reagiert darauf. Gemäß Landkreisordnung ist der Kreistag nur bei der Besetzung von eigenen Ausschüssen daran gebunden, das Stärkeverhältnis der Parteien zu berücksichtigen, nicht aber, wenn es um die Bestellung von Vertretern in weitere Gremien geht.

Im Kreistag sei „ein konstruktives Miteinander über Fraktionsgrenzen hinweg möglich“, das habe die Sitzung gezeigt, teilt kurze Zeit später CSU-Fraktionsvorsitzender Emanuel Staffler in den sozialen Medien mit. Darauf wird es aus seiner Sicht in den kommenden Jahren ankommen: „Vor uns liegen Entscheidungen, die nicht immer einfach und nicht immer populär sein werden.“

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