bedeckt München 29°

Fürstenfeldbruck:Läuft gerade nicht so

Alter Schlachthof

Vertreter der im Stadtrat sitzenden politischen Parteien und Vereinigungen diskutieren im alten Schlachthof mit den Mitgliedern des Vereins Subkultur.

(Foto: Günther Reger)

Subkultur diskutiert mit Politikern über Schlachthof

Von Valentina Finger, Fürstenfeldbruck

Kalt ist es in den Räumen des Alten Schlachthofs, das hat Jan Halbauer ganz richtig erkannt. Der eigentlich banale Einwurf des Grünen-Stadtrats trifft ins Mark der Debatten, die seit Jahren um das Gebäude auf der Lände in Fürstenfeldbruck andauern. Umfassende Sanierungsarbeiten sind notwendig, um die Räumlichkeiten, die seit 18 Jahren vom Verein Subkultur mit Veranstaltungen aller Art bespielt werden, weiterhin nutzbar zu halten. Die Stadt hat den jungen Kulturschaffenden ihre Unterstützung zugesichert. Passiert ist trotzdem nicht viel, seit Vertreter der politischen Fraktionen vor etwas mehr als einem Jahr das letzte Mal auf Einladung des Stadtjugendrates zu öffentlichen Gesprächen zu dem Thema zusammenkamen.

Dass den Reden nun endlich Taten folgen, war auch bei der Wiederaufnahme der Podiumsdiskussion am vergangenen Sonntag das zentrale Anliegen des Subkultur-Vereins. Vertreten wird dieser, der 1994 gegründet wurde und nun mehr als 400 Mitglieder zählt, durch die Vorsitzende Aline Pronnet. Sie fordert einen konkreten Ansprechpartner bei der Stadt, der sich hauptverantwortlich um den Bau kümmert. Zudem sei eine Bestandsaufnahme wünschenswert, um anstehende Arbeiten - zum Beispiel an der Fassade, dem Dach, den Rohren oder der Heizung - aufzulisten und systematisch angehen zu können.

Zuspruch bekommt Pronnet, die sich auch als Kunsthistorikerin mit dem 1910 von Adolf Voll erbauten Gebäude auseinandersetzt, mitunter von Jan Halbauer und von dem OB-Kandidaten der SPD, Philipp Heimerl. Ein solcher Maßnahmenkatalog soll Klarheit darüber schaffen, für was genau die für das Projekt Schlachthof im Haushalt zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel eingesetzt werden sollen. Zudem sollen bei einem noch im Frühjahr anstehenden städtebaulichen Wettbewerb Ideen zur Überplanung des ganzen Geländes gesammelt werden.

Dass Subkultur trotz eventueller Bauaktionen seinen Sitz im Schlachthof behalten wird, darüber herrscht bei allen Politikern Einigkeit. Andreas Lohde (CSU) nennt den Kulturverein und die benachbarten American Footballer der "Fursty Razorbacks" die "Eckpfeiler", die bei der Umplanung der Lände im Einklang mit den Interessen der Stadt Fürstenfeldbruck berücksichtigt werden müssten. Pronnet wünscht sich eine Bestätigung dafür, dass die Politik die Arbeit des Kulturvereins bestätigt. Statt der immer nur befristeten Verträge möchte der Verein ein Abkommen, das Subkultur die Nutzung des Standortes über mehrere Jahre hinweg zusichert.

Für die Verzögerungen im Renovierungsprozess wurden am Sonntag mehrere Gründe genannt. Für Stadtrat Andreas Ströhle (Piraten) liege die Stagnation vor allem am Dienstausfall von Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV). Ein "Hemmschuh" sei auch, dass das Gebäude unter Denkmalschutz stehe, weshalb alle Änderungen mit der zuständigen Behörde abgesprochen werden müssten, erläuterte OB-Kandidat Georg Stockinger (Freie Wähler).

Aktuell stehen 50 000 Euro für Arbeiten am Alten Schlachthof zur Verfügung. Es sei ein Versäumnis der Verwaltung, dass seit dem Zusammentreffen 2016 nur rund 2500 Euro abgerufen worden seien. Von jenen Ausgaben für Glasscheiben, Rohrreinigung und die Überprüfung des Brandschutzes hat Pronnet trotz ihres Vereinsvorsitzes selbst erst aus der Presse erfahren.

© SZ vom 15.03.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite