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Fürstenfeldbruck:Kürzere Wege, mehr Freiraum

Der Landkreis präsentiert den Bruckern seine Pläne für die neue Berufsschule. Das Hauptgebäude und die vier verstreuten Werkstätten werden ersetzt durch drei verbundene Module. Dadurch bleibt Platz für einen Grüngürtel

Mitte nächsten Jahres werden neben der Turnhalle der Realschule Klassencontainer aufgestellt. Und schrittweise, während des Unterrichtsbetriebs, wird dann der aus den Fünfzigerjahren stammende Altbau nebst den vier separaten Werkstattgebäuden der Berufsschule an der Ecke Bahnhof-/Hans-Sachsstraße durch einen modernen, dreigeschossigen Neubau ersetzt. Für Schulleiterin Andrea Reuß ein Wunschprojekt. Denn die lediglich einmal in den Achtzigerjahren erweiterte staatliche Einrichtung entspricht so gar nicht den heutigen Anforderungen und dem im Jahr 2000 grundlegend reformierten pädagogischen Konzept. Der Unterricht ist über mehrere Gebäude verteilt, es fehlt an integrierten Fachräumen für die Verzahnung von Theorie und Praxis.

"Wir wären sehr zufrieden, wenn die Planungen des Landkreises umgesetzt werden", sagt Reuß am Dienstag am Rande der Informationsveranstaltung im Landratsamt, bei dem vor allem den Nachbarn Gelegenheit gegeben werden soll, Sorgen und Anliegen zu dem 36-Millionen-Euro-Projekt des Landkreises vorzubringen. Nur einen Wunsch hat die Oberstudiendirektorin und Chefin von 80 Lehrkräften - dass die Arbeiten möglichst zügig vorangehen, "denn Unterricht auf einer Baustelle ist nicht leicht."

Die drei Trakte des Neubaus, von der Hans-Sachs-Straße aus gesehen. In den erhöhten Erdgeschossen links und rechts werden Werkstätten untergebracht.

(Foto: balder architekten oh)

Bei der von Landrat Thomas Karmasin geleiteten Veranstaltung wird wenig Kritik vorgebracht, wohl auch wegen des bereits auf 17 Uhr angesetzten Beginns ist nur eine Handvoll Besucher gekommen. Lediglich die Parkplatzsituation bereitet den Wortführern Kopfzerbrechen. Axel Schuhn vom Kreisbauamt hält die von drei Nachbarn vorgebrachten Sorgen für eher unbegründet. Denn statt der zurzeit 34 wird es künftig 83 Stellplätze direkt im Spitz von Bahnhof- und Hans-Sachs-Straße geben. Die Schülerzahlen, das macht der für Schulen im Landkreis zuständige Günter Sigl klar, werden durch den Neubau aber nicht steigen. Zumindest den aktuellen Plänen zufolge. Sollten die Schülerzahlen entgegen aller Prognosen stark steigen, dann könnte langfristig durchaus mit einem weiteren Ausbau im westlichen Bereich reagiert werden - der Parkplatz könnte nach Vorbild des neuen rückwärtigen Gebäudemoduls auf Stelzen überbaut werden. Etwa 2100 Schüler besuchen die Berufsschule, die meisten lediglich ein- bis zweimal die Woche. Gleichzeitig halten sich hier also durchschnittlich etwa 850 Schüler auf, die Ausbildungen in 15 verschiedenen Berufen durchlaufen, in Bereichen wie dem Finanzwesen und der Elektrotechnik bis hin zu Gesundheit und IT. Viel zu viele davon kämen, ebenso wie Schüler des nahen Schulzentrums am Tulpenfeld, mit den Autos, parkten das ganze Viertel zu und nähmen den dort Wohnenden den Platz weg, klagen die Anwohner. Dass zwischen Berufs- und Realschule eine breite, grüne Verbindung vom Wittelsbacher Platz zum Stockmeierweg hergestellt wird und alles für Radfahrer und Fußgänger attraktiver werden soll, überzeugt sie nicht.

Karmasin dämpft Hoffnungen auf mehr Parkplätze: Allein durch deren Ausweisung werde sich das Problem in dem Viertel auch kaum lösen lassen. Schuhn weist darauf hin, dass die Vorschriften der städtischen Stellplatzverordnung übererfüllt werden und stößt ins gleiche Horn wie der Landrat: die Schaffung zusätzlicher Parkplätze berge sogar die Gefahr, dass gerade dadurch weiterer Autoverkehr generiert wird. Andreas Schnödt, der die Kreisstadt als zuständige Genehmigungsbehörde vertritt, signalisiert, dass man im Sinne der Anwohner bereit sei, über Parkzeitbegrenzungen zu diskutieren oder über Fahrbahnmarkierungen in Kurvenbereichen, die für parkende Autos tabu bleiben sollen. Ob die Zufahrt zum künftigen Parkplatz statt über die Hans-Sachs-Straße über die Bahnhofsstraße angebunden werden könnte, soll ein Verkehrsgutachter noch prüfen. Dies gilt aber wegen der in der Bahnhofstraße verkehrenden und haltenden Busse als unwahrscheinlich.

Bruck: Ansicht BERUFSSCHULE

Eng, marode, nicht mehr zeitgemäß: Blick in die Aula des Altbaus.

(Foto: Johannes Simon)

Das vom Brucker Architekten Franz Balda konzipierte Gebäude soll kurze Wege gewährleisten und fasst ähnliche Fachschaften in den drei Modulen zusammen. Das mittlere Modul mit der Aula ist von der Hans-Sachs-Straße aus gesehen zurückgesetzt und eröffnet somit einen Eingangsbereich, im Erdgeschoss der beiden äußeren Module sind die Werkstätten untergebracht. Unter dem abgeschrägten Dach ist die Haustechnik untergebracht, da auf den wegen des hohen Grundwassers teuren Einbau eines wasserdichten Kellers verzichtet wird. Grund- und Geschossflächen sowie Gebäudelänge bleiben beinahe unverändert, die öffentliche Grünfläche wächst von 3900 auf 5800 Quadratmeter. Einige Bäume müssen gefällt werden.

Mit den Baumaßnahmen und dem Abbruch des Altbaus soll Mitte 2016 begonnen werden. Die ersten beiden Module sollen bis Herbst 2018 fertig sein, das westliche Modul zwei Jahre später. In sechs Jahren soll das gesamte Projekt nebst der Außenanlagen abgeschlossen sein.