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Fürstenfeldbruck:Kreisstadt will 2035 klimaneutral sein

Politiker verpflichten sich, die Forderung von Stadtjugendrat, Umweltbeirat und Fridays for Future zu erfüllen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Kreisstadt soll bis 2035 keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Wird trotz aller Einsparungsbemühungen noch das Klimagas CO₂ emittiert, kann dies beispielsweise durch Aufforstung ausgeglichen werden. Zwei Fachausschüsse haben nun den im Sinne von Fridays for Future gestellten Antrag der Klimaschutzreferentin Alexa Zierl (ÖDP) befürwortet und gehen damit über die Empfehlung der Stadtverwaltung hinaus. In einem gemeinsamen Papier listen Stadtjugendrat, Umweltbeirat und Fridays for Future bereits Maßnahmen auf, die sich schnell umsetzen ließen - wie etwa Verzicht auf nächtliche Beleuchtung oder Kompensation von Dienstreisen.

Zierl hatte die Forderung der überparteilichen Gruppen nach der Selbstverpflichtung aufgegriffen und mit der akuten Klimakrise begründet, die der Stadtrat jüngst formal anerkannt hat. Die Folgen der Erderwärmung seien längst deutlich sichtbar. Über viele Papiere hinaus sei deutlich mehr Engagement erforderlich, um das Temperaturplus "gegenüber der vorindustriellen Zeit deutlich unter zwei Grad, besser noch nahe 1,5 Grad zu halten". Zierl beruft sich auf das Pariser Klimaabkommen von 2015. In der Debatte zeigte sie sich positiv überrascht, dass sich eine breite Mehrheit (einzig Martin Kellerer, CSU, stimmte dagegen) bereit erklärte, sich auf eine konkrete Jahreszahl festzulegen. Thomas Müller, Klimaschutzbeauftragter der Stadt, hatte eine weniger bindende Formulierung ohne Termin vorgeschlagen. Nun gelte es, das ausgegebene Ziel auch mit Inhalt zu füllen, mahnte Mirko Pötzsch (SPD).

Wie das aussehen könnte, darüber haben sich Umweltbeirat und Stadtjugendrat sowie in einem separaten Positionspapier Fridays for Future Fürstenfeldbruck bereits Gedanken gemacht. Die beiden umfangreichen Stichwortlisten sollen als Grundlage dienen für einen Aktionsplan, der von einem Arbeitskreis ausgearbeitet und bis März vorgelegt werden soll. Georg Tscharke, Vorsitzender des Umweltbeirats, zeigte sich angetan von der umfassenden Berücksichtigung, auch mehrere Vertreter des Stadtjugendrats verfolgten die Sitzung aufmerksam als Zuschauer.

Nicht alle Vorschläge können von der Stadt in Eigenregie angepackt werden, darauf machte auch Grünen-Fraktionssprecher Jan Halbauer aufmerksam. Vor allem wenn es um den öffentlichen Nahverkehr, allgemeine Förderprogramme oder beispielsweise um die Reduzierung des Restmülls und einen Verzicht auf die Müllverbrennung geht, kann die Stadt bestenfalls bei Landkreis, Land, Bund oder Bahn auf eine Lösung drängen, diese aber nicht durchsetzen. Andere Maßnahmen lassen sich sehr wohl anpacken. So schlug Alexa Ziel vor, noch vor dem Jahreswechsel das kaum noch nachgefragte städtische Förderprogramm für Gebäudesanierungen zu überarbeiten. Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) pochte hier freilich auf den formal korrekten Weg, ein Überarbeitungsbeschluss könne ohne Vorbereitung noch nicht gefasst werden. Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen werden bereits von der Stadt verfolgt, wie die Errichtung von Mobilitätsstationen, die Etablierung eines Grünflächenmanagements, die Förderung der Elektromobilität oder die Parkraumbewirtschaftung. Manche Vorschläge der Liste sind aus Sicht des Klimaexperten nicht so geeignet, wie ein Tempolimit für beidseitige Radwege oder ein kommunales Verbot von Einwegplastik. Andere Maßnahmen wiederum scheinen gute Aussichten auf Umsetzung zu haben, wie etwas die Einführung von Stoffstrom- und Wassermanagement, die bessere Personalausstattung der Bauverwaltung, die Flächensicherung für den Klimaschutz, Umstieg auf Recyclingpapier oder die Reduzierung der Außenbeleuchtungen. In eine ähnliche Richtung zielt die sehr detaillierte Liste von Fridays for Future. So wird unter anderem vorgeschlagen, in Schulen mehr auf vegane Kost zu setzen und das künftig auf dem Fliegerhorst entstehende Stadtviertel autofrei zu planen.

© SZ vom 16.10.2020

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