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Fürstenfeldbruck:Kreisklinik auf Schmerzensgeld verklagt

Ein 50 Jahre alter Malermeister fordert 1,4 Millionen Euro, weil er seit einer Operation am Knie erwerbsunfähig ist. Der betroffene Belegarzt sieht keinen Zusammenhang mit dem medizinischen Eingriff

Ein 50-jähriger Familienvater hat das Klinikum Fürstenfeldbruck vor dem Landgericht München II unter anderem zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 1,4 Millionen Euro verklagt. Der Malermeister ist seit einer Operation im Januar vergangenen Jahres zu hundert Prozent erwerbsunfähig. Die Klage richtet sich gegen einen Belegarzt und einen Unfallchirurgen der Klinik. Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass der Malermeister aus dem Landkreis Rosenheim bei einer Operation einer Zyste in der Kniekehle falsch gelagert wurde. Bei dem Eingriff befand sich der 50-Jährige in Bauchlage. Sein Kopf war zur Seite gedreht.

Nach der OP am 22. Januar 2019 habe er "tierische Nackenschmerzen" gehabt, berichtete der Kläger am Dienstag in dem Zivilverfahren vor der Arzthaftungskammer. Außerdem habe seine linke Schulter stark geschmerzt. Wie sich später herausstellte, hatte der 50-Jährige zwei Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule erlitten. Die Folgen waren gravierend. Seither kann der Malermeister seinen Kopf weder nach oben noch nach unten neigen. Eine Wendung nach links ist ihm nahezu unmöglich. Außerdem klagt er über motorische Ausfälle in einigen Fingern seiner linken Hand. Zur Stabilisierung seiner Halswirbel musste der 50-Jährige sich eine Stahlplatte implantieren lassen. Er vermutet, dass sein Kopf bei der OP "verdreht" worden sei, als ihm eine Sonde eingeführt wurde. Das Verdrehen des Kopfes soll zu den beiden Bandscheibenvorfällen an der Halswirbelsäule geführt haben. 2013 hatten Ärzte bei dem Familienvater im Rahmen einer Schulterverletzung bereits "minimale Vorwölbungen" an den Halswirbeln festgestellt. Eine Behandlung sei aber nicht notwendig gewesen, betonte der Kläger. Unklar ist, ob die Ärzte des Klinikums Fürstenfeldbruck von der Vorwölbung der Halswirbel wussten.

Der Belegarzt und Neurochirurg sagte bei seiner Vernehmung, er bedauere die "gesundheitlichen Probleme" an denen der Familienvater leide, und dass man nun hier vor Gericht sitze. Allerdings sei er davon "überzeugt, dass kein Zusammenhang mit dem Eingriff" im Januar vergangenen Jahres bestehe. Er und sein Kollege hätten sich für einen Eingriff in Bauchlage entschieden, da ihnen dieser "sinnvoll" erschien. Der Unfallchirurg der Klinik, der mit eingebunden war, hob hervor, dass man die Operation in der Kniekehle "nicht in Seitenlage" hätte durchführen können. Auf die Frage des Gerichts, ob ihm der Kläger nach der OP etwas über seine starken Schmerzen gesagte habe, erklärte der Arzt: "Das stimmt nicht." Sein Kollege verwies auf ein "Schmerzprotokoll", das der Familienvater selbst ausgefüllt habe. Darin habe der 50-Jährige seine Schmerzen einen Tag nach dem Eingriff auf einer Skala von eins bis zehn mit vier bewertet. Am Tag der Entlassung sogar nur noch mit zwei. Diese Angaben hätten sich allerdings auf die "OP-Narbe" bezogen, entgegnete der Familienvater. Darüber hinaus sei er vor dem Eingriff nicht über die Risiken aufgeklärt worden, behauptet der 50-Jährige, sondern nur über "den technischen Ablauf". Nach der Operation habe er dem Personal sofort gesagt, dass er starke Schmerzen im Nacken und in der Schulter habe. Beide Stellen seien daraufhin mit Voltarensalbe behandelt worden. Außerdem habe er Schmerztabletten erhalten, so der 50-Jährige. Da die Schmerzen aber blieben, habe er nach seiner Entlassung aus dem Klinikum, drei Tage nach dem Eingriff, seinen Hausarzt aufgesucht. Schließlich habe er einen Orthopäden konsultiert. Dieser habe den Verdacht geäußert, dass die Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule von einem "Lagerungsschaden" im Zuge der Operation herrührten und zudem sein Unverständnis darüber geäußert, dass der Eingriff in Bauchlage durchgeführt worden sei. Denn für die Wirbelsäule sei dies belastend.

Da er seit der Operation laut einem Gutachten zu hundert Prozent erwerbsunfähig ist, musste der Malermeister seinen Betrieb schließen und seine Mitarbeiter entlassen. "Ich war 23 Jahre selbständig", sagte er, den Tränen nahe, am Rande der Verhandlung. Zur Zeit lebe er von 1500 Euro Krankengeld. Dem gegenüber stünden jedoch monatliche Fixkosten in Höhe von 4000 Euro. Das Haus, in dem er mit seiner Familie lebt, ist noch nicht abbezahlt. "Meine Frau hat drei Jobs, damit sie uns über Wasser halten kann", so der 50-Jährige. Wenn das Verfahren länger dauere, müsse er sein Haus womöglich verkaufen, erklärte der Familienvater mit gebrochener Stimme. Die Vertreterin der Klink beantragte Sachverständige hinzuziehen, was bedeutet, dass es zu weiteren Verhandlungen kommen wird. Die Zyste, wegen der sich der 50-Jährige im Klinikum Fürstenfeldbruck hatte operieren lassen müssen, hat sich inzwischen wieder vergrößert. Eine erneute Operation sei unumgänglich.