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Fürstenfeldbruck:Kommunen als Bauherren

Städte und Gemeinden wollen dem Wohnungsmangel gemeinsam entgegentreten. Sie verhandeln über eine Gesellschaft. Doch gegen Planungen mit vielen und hohen Häusern gibt es auch Widerstand

Von Andreas Ostermeier

In seinem Bemühen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, kommt der Landkreis Fürstenfeldbruck in diesem Jahr ein Stück voran. Jedenfalls, was die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden betrifft. Die große Mehrheit von ihnen verabredet, Gespräche über die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft aufzunehmen. Vor allem Kreisräte der SPD haben dies lange gefordert, Landrat Thomas Karmasin (CSU) hat sich lange dagegen gesperrt. Nun soll im neuen Jahr darüber verhandelt werden, auf welchem Weg die Kommunen zusätzlichen Wohnraum erstellen können. Leicht wird das nicht, denn Städten und Gemeinden fehlt es häufig an Grundstücken.

Aber es ist auch nicht so, dass alle Gemeinden darauf warten, dass gemeinsam etwas getan wird. So will Olching in den kommenden Jahren 130 Wohnungen für einkommensschwache Personen errichten, 15 in jedem Jahr. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) sieht die Stadt deshalb auf einem guten Weg. Mit den Planungen für ein Haus am Nöscherplatz und das Areal "Großer Berg" an der Münchner Straße hat die Stadt bereits begonnen. Auch die Gemeinde Mammendorf will ihren Beitrag leisten, dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum abzuhelfen. Sie will ein Grundstück zwischen Ronbergerweg und Kreuzstraße bebauen lassen. Dafür, so beschließt es der Gemeinderat, nimmt Mammendorf auch einen Kredit von einer Million Euro auf.

Baukräne über Germering: In der einwohnerstärksten Kommune des Landkreises wird - wie auch anderswo - rege gebaut.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Unter den Bauherren von Sozialwohnungen befindet sich auch die Kreisstadt. In der Buchenau lässt sie gerade ein entsprechendes Wohnhaus errichten. Dieses soll im nächsten Jahr fertig werden. Die Nachbargemeinde Alling geht etwas großflächiger vor. Am nördlichen Ortsrand von Biburg soll ein Neubaugebiet mit Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern entstehen. Bei der Vergabe von Wohnungen sollen Einheimische bevorzugt werden. Zwei der Mehrfamilienhäuser, so erste Vorstellungen, könnten der neuen Wohnungsbaugesellschaft zur Verwaltung übergeben werden.

In Germering entstehen derweil bezahlbare Wohnungen im Zusammenspiel von Stadt und privaten Bauherren. Die einwohnerstärkste Kommune des Landkreises setzt dabei auf eine Regelung, nach der neue Bebauungspläne vorsehen, dass 30 Prozent der Wohnungen zu günstigen Konditionen vermietet werden müssen. Dafür gewährt die Stadt durch die Planung ein großzügiges Baurecht. Am östlichen Stadtrand entsteht momentan ein mehrgeschossiges Wohnhaus mit 15 Sozialwohnungen und einer Kinderbetreuung. Früher hat das Areal zu einem Autohaus gehört, durch das Entgegenkommen der Stadt können dort zahlreiche Wohnungen entstehen.

30 Prozent

der Wohnungen in Neubaugebieten müssen Mietpreise haben, die auch von einkommensschwächeren Personen oder Familien bezahlt werden können. Das vereinbaren Städte wie Fürstenfeldbruck oderGermering mit den Bauherren bei der Neuplanung von Baugebieten vor. Mit dieser Regelung wollen sie den stetig steigenden Mietpreisen begegnen und es auch Erziehern, Pflegern oder Polizisten ermöglichen, eine bezahlbare Bleibe zu finden. Vorbild für dieses Vorgehen ist die Stadt München und die von ihr praktizierte soziale Bodennutzung.

Allerdings trifft das verdichtete Bauen auch auf Widerstände aus der Bevölkerung. Eine Bürgerinitiative übergibt mehr als 600 Unterschriften gegen eine Bebauung des Kreuzlinger Feldes, wie sie von einem Architekten vorgestellt worden ist. An der westlichen Stadtgrenze, unweit zur Landsberger Straße und zur S-Bahn, könnten nach den Vorstellungen der Verwaltung in bis zu fünfgeschossigen Häusern bis zu 1000 neue Wohnungen auf einem bislang unbebauten Areal entstehen. Anwohnern gefällt das nicht. Sie befürchten eine erhebliche Zunahme des Verkehrs im westlichen Stadtgebiet, vor allem rund um die Realschule und das Carl-Spitzweg-Gymnasium, und Staus bis zum Kleinen Stachus. Ihrem Unmut geben die Mitglieder der Initiative in einer Versammlung im Rathaus Ausdruck. Die Diskussionen über das Projekt im kommenden Jahr dürften durchaus kontrovers werden. Denn auch die Grünen geben zu verstehen, dass sie die bisherigen Entwürfe für zu groß geraten halten. Widerstand haben sie auch gegen ein anderes großes Bauvorhaben angekündigt, nämlich die Errichtung von fast 600 Wohnungen auf dem Hausäcker-Areal zwischen Heimgarten- und Kirchenstraße. Ehe über dieses Projekt wieder diskutiert werden soll, will Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) die Ergebnisse einer Demografiestudie für Germering abwarten. Die Studie soll im ersten Halbjahr 2019 fertig werden.

© SZ vom 29.12.2018
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