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Fürstenfeldbruck:Kein Segen für den Brandschutz

Der Philharmonische Chor bei einer seiner Aufführungen in der Klosterkirche von Fürstenfeldbruck. Ein zweiter Fluchtweg wäre nötig, damit dem Brandschutz Genüge getan würde.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auflagen gefährden die Konzerte des Bach-Chors und des Philharmonischen Chors in der Klosterkirche Fürstenfeld. Mit weniger Besuchern lassen sich Aufführungen nicht mehr finanzieren

Die Konzerte von Bach-Chor und Philharmonischem Chor in der Klosterkirche von Fürstenfeld stehen in Frage. Grund dafür ist der Brandschutz, genauer gesagt der fehlende zweite Fluchtweg. Bei Aufführungen mit Orchester und Chor ist der Zugang zum Ausgang in der Sakristei verstellt. Das für Anfang Juli geplante Verdi-Requiem des Bach-Chores versieht Pfarrer Otto Gäng "mit einem Fragzeichen". Der Pfarrverband, das Veranstaltungsforum Fürstenfeld und die Vereine sollen nun zusammen mit den Behörden ein Konzept entwickeln, das Kunstgenuss und Sicherheit vereinbart.

In der barocken Klosterkirche finden seit Jahrzehnten Konzerte statt. Vor allem auch wegen der beiden Orgeln ist das Gebäude eine Veranstaltungsort, der eigentlich für das kulturelle Leben der Stadt unverzichtbar ist. Als Veranstalter treten sowohl die Pfarrgemeinde als auch die Stadtkapelle, Bach-Chor und Philharmonischer Chor oder gelegentlich das Veranstaltungsforum auf. Eigentümer des Gebäudes ist der Freistaat Bayern, die Pfarrgemeinde hat einen Nutzungsvertrag, der solche Konzerte eigens vorsieht. "Wir wollen solche Veranstaltungen", betonte der Pfarrer.

Im Frühjahr 2018 beschwerte sich jedoch ein Konzertbesucher bei der Stadt über mangelhaften Brandschutz. Die Kommune gab den Fall an das Landratsamt und das staatlich Bauamt München II weiter. Mitte Juli übermittelte die Behörde dem Pfarramt eine Reihe von Auflagen. Es müsse ein zweiter Fluchtweg bereit stehen, die beiden Seitenportale offengehalten, eine Beschilderung der Notausgänge mit Beleuchtung installiert, Feuerlöscher aufgestellt und Ordner eingesetzt werden. "Das hätte schon das Aus bedeuten können", kommentierte der Pfarrer. Er habe die Vereine über die Auflagen informiert. Im September fand ein erstes Treffen des Pfarrers mit Vertretern des staatlichen Bauamt und der Regierung als Eigentümerin statt, bei dem über den Brandschutz diskutiert wurde. Weil bei Konzerten in einer Kirche, anders als bei Gottesdiensten, die Versammlungsstättenverordnung gelte, seien die Auflagen anders.

Das große Problem sei, erklärte Gäng der SZ, dass bei großen Konzerten mit Orchester und Chor tatsächlich der Weg zur Sakristei zugestellt sei. Die Chöre stehen rund um den Kreuzaltar und versperren den Zugang. Man experimentiere bereits, ob Chor und Orchester weiter nach hinten in den Chorraum verlegt werden könnten und wie sich das auf die Akustik auswirkt.

Im November 2019 bekam der Pfarrer ein Konzept samt Bestuhlungsplan zugeschickt, das ein Ingenieur für das staatliche Bauamt erstellt hat. Demnach blieben noch Sitzplätze für maximal 384 Besucher übrig, plus Platz für Sänger und Musiker und Ordner. Die großen Chöre könnten damit ihre Projekte nicht mehr finanzieren, sagen sowohl der Pfarrer als auch Norbert Leinweber, der Leiter des Veranstaltungsforums. Etwa 600 Plätze seien notwendig, damit sich der Aufwand rentiert. Während nach dem Konzept die Zahl der Sitzplätze um etwa 40 Prozent schrumpft, würden die weiteren Auflagen die Kosten je Konzert um etwa 1500 Euro erhöhen.

In der Debatte am Mittwoch im Kultur- und Werkausschuss gab es zunächst Wortwechsel zwischen Leinweber und Gäng sowie Birgitta Klemenz (CSU). Der Pfarrer und die Kulturreferentin ärgerten sich über einen runden Tisch, der im Januar stattgefunden hatte - mit Vertretern der Chöre und des Veranstaltungsforums, aber ohne die Pfarrgemeinde. Leinweber wiederum erklärte, die Vereine hätten sich von der Pfarrei "nicht optimal informiert gefühlt" und deshalb an das Veranstaltungsforum gewandt, weil sie dessen Expertise in Sicherheitsfragen nutzen wollten. Den Vorwurf der mangelnden Kommunikation, der auch im Protokoll des runden Tisches vermerkt ist, wies Klemenz zurück. Der Pfarrer versicherte, er habe die Vereine umgehend über das Konzept informiert. Angekreidet wurde Leinweber außerdem, dass er dem Verfasser des Konzepts des Bauamtes vorwarf, entweder noch nie in der Klosterkirche gewesen zu sein, jedenfalls aber noch nie ein Konzert dort miterlebt zu haben.

Immerhin sind sich in der Sache alle einig und wollen die Konzerte unterstützen, weshalb der Kultur- und Werkausschuss sich trotz des Hickhacks rasch einigte. Das Veranstaltungsforum soll bei der Entwicklung eines Sicherheitskonzepts helfen. Im Kern geht es darum, einen anderen Plan für die Bestuhlung zu entwerfen und mit den Behörden abzustimmen. Seine Experten hätten erklärt, es wäre möglich, dass deutlich mehr als 384 Besucher kommen können, sagte Leinweber.

© SZ vom 14.03.2020

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