bedeckt München
vgwortpixel

Fürstenfeldbruck:Kaum Alternativen

Rembeck

Reisen nach Ägypten bietet Hans-Georg Rembeck in seinem Gröbenzeller Reisebüro an, weil es günstig und scheinbar sicher sei.

(Foto: Günther Reger)

Wer einen Tunesien-Urlaub gebucht hat, kann ihn jetzt stornieren oder umbuchen. Aber Reiseziele mit vergleichbarem Preisniveau sind selten

Tunesien vergangene Woche, Ägypten vor 14 Tagen - zwei Anschläge auf touristische Einrichtungen innerhalb kurzer Zeit, die die Reisebranche erschrecken. Doch schon nach einem Schulterzucken oder ähnlich fatalistischen Reaktionen buchen Kunden in Reisebüros im Landkreis dann doch wieder ein Land, in dem das nächste Attentat auf Ausländer vorbereitet wird. Stornierungen und Umbuchungen sind eher selten, allerdings scheint die Verunsicherung der Touristen doch groß zu sein angesichts der Frage: Wohin noch in Urlaub fahren?

"Die Lage ist gespenstisch, nicht nur bei uns, sondern auch in Fürstenfeldbruck oder in der Münchner Leopoldstraße", sagt Hans-Georg Rembeck in Gröbenzell. Generell rät er von Reisen in islamische Länder nicht ab, in Einzelfällen warnt er seine Kunden aber schon. Ägypten ist für ihn so ein Fall, ein Land, in dem man auf dem Landweg von Kairo nach Luxor so in Gefahr kommen kann, dass das Auswärtige Amt eine sogenannte Teilreisewarnung dafür erlassen hat. "Doch es ist günstig und man glaubt, es sei sicher", nennt Rembeck zwei Argumente, die für die Kunden entscheidend seien. Der Reiseprofi sagt, dass man derzeit bei allen Staaten des Maghreb, also von Marokko bis Ägypten vorsichtig sein sollte, insbesondere keine Reisen in die Sahara unternehmen sollte.

Nicht ganz verstehen kann der Gröbenzeller Reisebürobesitzer mit persönlicher Vorliebe für Südamerika nicht, dass das Interesse an dem Reiseland Türkei sinkt. Trotz der Nähe zu Syrien sei Ostanatolien gar nicht vom Terrorismus betroffen. Als überaus begehrtes Kulturreiseland hat sich seiner Erfahrung nach Iran entwickelt. "Es ist total spannend, jugendlich und modern", schwärmt Rembeck, auch wenn er weiß, dass die Pauschalreisen "restlos ausgebucht" seien. "Es herrscht dort eine Stimmung wie in der DDR vor 1989: man weiß nicht, was kommen wird, aber man wartet darauf."

Von Griechenland als einem Krisenland will Rembeck nicht sprechen: "Nur in Athen merkt man die Krise", auf den Inseln im Mittelmeer sei alles normal, die Infrastruktur - also Verkehrsmittel und Hotels - litten nicht unter der Euro-Diskussion. Als Tipp gibt Rembeck seinen Kunden mit auf den Weg: "Bargeld mitnehmen, weil es an den Geldautomaten wahrscheinlich keines geben wird."

Zu Griechenland gibt es kurzfristig offenbar nur wenige Alternativen. Bulgarien mit seiner Schwarzmeerküste käme in Frage, heißt es, freilich auch die klassischen Urlaubsdestinationen Spanien, Italien und Kroatien. Kurzentschlossene, die auf die Ferienzeiten angewiesen sind, tun sich bei der Auswahl schwer. Doch wer sich statt im Internet zu informieren Rat bei Reisekaufleuten holt, bekommt stets den einen oder anderen Tipp für einen Ort, an dem der Urlaub erholsam und vom Preis-Leistungsverhältnis gerechtfertigt ist. Karsten Marquordt, zum Beispiel, unterbreitet unentschlossenen Kunden gerne mal einen Vorschlag, auf den sie selbst vielleicht nie gekommen wären. Süditalien in den letzten beiden Sommerferienwochen etwa empfiehlt der Reiseverkehrskaufmann vom DER Reisebüro in Fürstenfeldbruck, eine Flugreise nach Kalabrien. "Familienfreundlich und zu bezahlen." Laut Marquordt haben jene Kunden, die sich für Tunesien als Sommerreiseziel entschieden haben, meist bis Ende Juli Zeit, entweder die Reise kostenfrei zu stornieren oder umzubuchen. Die meisten Veranstalter würden dies nach dem Attentat von Sousse anbieten. Mit Interesse hat Marquordt, der seit 40 Jahren beim DER-Unternehmen beschäftigt ist, verfolgt, dass einige Anbieter zur kommenden Wintersaison ihre Schwerpunkte auf Ägypten gesetzt hätten. "Ob sie sich damit nicht verschätzt haben", gibt er zu bedenken und verweist auf die unsichere politische Lage.

Mit persönlichen Einschränkungen verbunden ist in Zukunft nach Auskunft aus den Reisebüros auch der Aufenthalt auf Mallorca. In Palma, der Hauptstadt der deutschen Lieblingsinsel, ist es bei Strafe verboten, mit nackten Oberkörper durch die Straßen zu ziehen. Eine "Nackerten-Steuer", nennt das der Gröbenzeller Reisekaufmann Hans-Georg Rembeck. In anderen Reiseländern würden bei solchem Auftreten nicht Steuern drohen , sondern Hiebe.