Infos für den ErnstfallBehörden warnen vor Katastrophen über Whatsapp

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Beim Hochwasser 2024 wird  Wasser abgepumpt und abgeleitet, wie hier in Eichenau.
Beim Hochwasser 2024 wird  Wasser abgepumpt und abgeleitet, wie hier in Eichenau. Carmen Voxbrunner
  • Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat einen neuen WhatsApp-Kanal für Katastrophenschutz eingerichtet, mehr als 4600 Menschen haben ihn bereits abonniert.
  • Der Kanal soll bei Unwetter, Hochwasser oder Stromausfällen schnelle und zuverlässige Informationen direkt aufs Smartphone liefern.
  • Alle Meldungen werden nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft und stammen ausschließlich vom Landratsamt und der Kreisbrandinspektion.
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Bei Hochwasser oder starken Unwettern will der Landkreis Fürstenfeldbruck seine Bevölkerung künftig über den Messengerdienst mit Informationen versorgen. Reichen bestehende Warnapps wie Nina nicht aus?

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Ein Hochwasser, wie es Anfang Juni 2024 den Landkreis Fürstenfeldbruck heimsuchte, mit Überflutungen, vollgelaufenen Kellern, gesperrten Straßen: Tagelang waren die Feuerwehren im Einsatz, weitere freiwillige Helfer wurden benötigt. Ein Paradebeispiel, wie und wofür künftig ein eigener Informations- und Warnkanal für Krisen- und Katastrophenschutz nützlich sein kann. Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat jetzt einen solchen eingerichtet. So soll die Bevölkerung im „Ereignisfall“, wie es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt heißt, „einfach, schnell und zuverlässig“ Warnungen auf das Smartphone bekommen.

Kommt es in der Region zu Unwetter, Hochwasser oder Stromausfällen, dann soll der neue Kanal künftig verlässliche Informationen liefern. Die Bevölkerung im Landkreis ist offenbar dankbar für das neue Angebot, bereits an den ersten beiden Tagen gab es mehr als 4600 Abonnenten, berichtet Kreisbrandrat Christoph Gasteiger.

Verbreitet werden die Informationen über Whatsapp, dem mit bis zu 60 Millionen Nutzern meistgenutzten Messenger-Dienst in Deutschland. Whatsapp genieße eine hohe Akzeptanz in allen Altersgruppen und sei rund um die Uhr verfügbar, heißt es aus dem Landratsamt Fürstenfeldbruck. Der Link, um sich den Kanal einzurichten, findet sich auf der Internetseite des Landkreises.

Der Kanal wird vom Landratsamt zusammen mit der Kreisbrandinspektion und weiteren Blaulichtorganisationen betrieben und ist Teil eines Gesamtkonzepts zur Optimierung des Katastrophenschutzes. „Bevor eine Meldung rausgeht, gilt immer das Vier-Augen-Prinzip“, stellt Gasteiger klar. Veröffentlicht werden ausschließlich geprüfte und offizielle Inhalte direkt aus dem Landratsamt und der Kreisbrandinspektion. Dazu zählen aktuelle Informationen zu Schadens- und Einsatzlagen, Warnungen, Verhaltensempfehlungen, Hinweise zu Hilfsangeboten und Anlaufstellen, zu Hotlines und Bürgertelefonen, aber auch Entwarnungen oder präventive Hinweise bei erwarteten Gefahrenlagen.

Reichen denn die bereits im Einsatz befindlichen Katastrophen-Warnapps wie Nina oder Katwarn nicht aus? Über Nina – die offizielle Warnapp des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe – kann jeder Nutzer Warnungen für bestimmte Landkreise, Gemeinden oder Standorte abonnieren, die dann als Push-Benachrichtigungen auf dem Handy erscheinen. Auch vom Landratsamt werde Nina weiterhin genutzt, vor allem wegen des „Weckeffekts“, also für die initiale Gefahrenmitteilung, teilt die Behörde mit. Nina sei aber nicht geeignet und auch nicht zugelassen für laufende Informations-Updates, die keine neuen Warnungen oder Verhaltensempfehlungen enthielten, weil jede Aktualisierung mit einem Warnton verbunden sei.

Die App Katwarn stammt vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme und wurde im Auftrag großer deutscher Versicherer vor allem für regionale Gefahrenlagen entwickelt. Über Katwarn werden Benachrichtigungen als Push-Meldungen, per SMS oder E-Mail verschickt.

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Nina und Katwarn sind nach Einschätzung des Landratsamtes Fürstenfeldbruck in der Bevölkerung eher wenig verbreitet: „Wir gehen von zehn bis 15 Prozent aus.“ Diese großen Apps seien vor allem für die „großen Katastrophen oder große Unglücke gedacht“, sagt Kreisbrandrat Gasteiger. Über den neuen Kanal des Landkreises könne indes ein besserer regionaler Bezug hergestellt und detaillierter kommuniziert werden. So könne die Bevölkerung auf diesem Weg zum Beispiel auch über mögliche Schulausfälle bei Schadensereignissen informiert werden.

Gasteiger, der seit einem Jahr auch Bürgermeister von Moorenweis ist, hat für seine Gemeinde bereits einen Whatsapp-Kanal eingerichtet, der zeitnah über wichtige Neuigkeiten aus der Gemeindeverwaltung informiert, aber auch Termine von Vereinen verkündet. Es dürften aber nicht zu viele Informationen sein, so Gasteiger. Deshalb wird es auf dem neuen Warnkanal des Landkreises keine individuelle Einsatzkommunikation geben und auch keine Chats. Auch Notrufe werden nicht über den Kanal angenommen, dafür gelten weiterhin die Rufnummern 112 oder 110.

Christoph Gasteiger in seiner Funktion als Kreisbrandrat beim Dankeschön-Fest für alle Einsatzkräfte und Helfer beim Juni-Hochwassers 2024. 
Christoph Gasteiger in seiner Funktion als Kreisbrandrat beim Dankeschön-Fest für alle Einsatzkräfte und Helfer beim Juni-Hochwassers 2024.  Johannes Simon

Einen der Nina-App vergleichbaren Warnton löst der neue Whatsapp-Kanal des Landkreises nicht aus. Wie die Nutzer einen neuen Beitrag angezeigt bekommen, hängt von der Whatsapp-Einstellung auf ihrem Handy ab. Ob das Landratsamt an den offiziellen Warntagen künftig parallel auch über seinen eigenen Kanal informiert, soll im Einzelfall entschieden werden.

Beim Hochwasser im Sommer 2024 wurden die Informationen über die Warnapp Nina, Pressemitteilungen, die Homepage des Landkreises und über die Social-Media-Kanäle des Landratsamtes verbreitet. Der neue Kanal bietet nun eine zusätzliche Möglichkeit direkter Kommunikation. Ein Pionier ist der Kreis Fürstenfeldbruck damit nicht, ähnlich machen es bereits der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen oder der Bodenseekreis.

Dass eine schnelle und zuverlässige Information im Ernstfall für die Bevölkerung unerlässlich ist, wurde bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 deutlich. Seither hat ein Umdenken stattgefunden, auch Sirenen werden wieder verstärkt genutzt. Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat das Thema Katastrophenschutz zudem seit Jahren auf der Agenda, weil er für sein Notfalllager, in dem sämtliche Geräte für den Katastrophenschutz untergebracht sind, eine neue Bleibe benötigte. Die ist mittlerweile gefunden. Kürzlich wurde die Einrichtung in Mammendorf in Betrieb genommen.

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