Fürstenfeldbruck Kahlschlag am S-Bahnhof

Gegenüber dem Bahnsteig werden mehrere Hundert Bäume gefällt, weil sie bei Stürmen oder durch Abrutschen des Hangs auf den Gleisen landen könnten. Bund Naturschutz und Aufsichtsbehörden halten das für vertretbar

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Fahrgäste der S-Bahn dürften sich am Montag in Fürstenfeldbruck die Augen gerieben haben: Standen sie bislang auf dem Bahnsteig, dann blickten sie auf einen dicht bewaldeten Hang auf der anderen Seite der Gleise. Der ist nun auf einer Länge von etwa 100 Metern beinahe kahl, Dutzende bis zu 40 Jahre alte Bäume liegen kreuz und quer unterhalb der nun sichtbaren Hangkante. Hier hat kein Orkan gewütet: Die Bahn hat die Fällung der Stämme - größtenteils Eschen, vereinzelt auch Ahorn, Linde und Hainbuche - in Auftrag gegeben und begründet das mit der Verkehrssicherungspflicht. Was bei einigen Bruckern einen Sturm der Entrüstung entfacht, stufen Bund Naturschutz und Aufsichtsbehörden eher als Kröte ein, die man eben schlucken muss.

Vor zehn Tagen hatte die Bahn auf ihrem 8000 Quadratmeter großen Areal "Vegetationsarbeiten" und einen "präventiven Rückschnitt" von Bäumen und Sträuchern im Hangbereich angekündigt. Dass diese förmlich in einem Kahlschlag enden, das kam für viele aber dann doch überraschend. Wie viele Bäume bereits gefällt worden sind, weiß Bahnsprecher Bernd Honerkamp nicht. Er bleibt aber dabei, dass die Maßnahme notwendig sei, um Betriebsstörungen bei Sturm oder anhaltendem Schneefall zu minimieren. Die Baumstümpfe sollen stehen bleiben und mit ihrem Wurzelwerk den Hang stabilisieren, das kontrollierte erneute Austreiben daraus bewusst zugelassen werden. Eine Vereinbarung mit Forstamt und Landratsamt sieht eine "Hangentwicklungspflege" sowie nach fünf Jahren je nach Bedarf eine Nachpflanzung von Laubbäumen vor. "Buschwerk ist unkritisch, aber Bäume wollen wir in dem Bereich gar nicht", so Honerkamp. Denn was umknickende Stämme oder Geäst bewirken können, das habe man erst am vergangenen Donnerstag wieder gesehen, als eine Sturmböe einen Baum umgelegt hatte und die Bahnlinie zwischen Bruck und Buchenau mehr als zwei Stunden lang gesperrt war. Bis zum Mittwoch dürften die Fällarbeiten abgeschlossen sein, dann soll ein Lastenhubschrauber zwei Tage lang die insgesamt wohl um die 600 Stämme aus dem Hang herausheben. Das gilt als bodenschonend, zudem kann so die oberste Baumreihe auf der Hangkante verschont werden und Streckensperrungen sind nicht erforderlich.

Die Baumreihe an der Hangkante, auf Höhe des Weiherhauses, wird wohl erhalten.

(Foto: Johannes Simon)

In den sozialen Medien wurde die Maßnahme dennoch sarkastisch kommentiert. "Endlich sind am Bahnhof all die lästigen Bäume weg. Jetzt fährt die S-Bahn bestimmt pünktlich!", heißt es, oder: "Da wurde der Weg für die Schneelawine frei gemacht, die dann auf den Gleisen zum Liegen kommt." Friedrich Meyer-Stach, Ortsvorsitzender des Bundes Naturschutz, sieht es nüchtern. Man sei nicht informiert worden, habe da aber ohnehin keine Handhabe. Und das von der Bahn vorgebrachte Argument der Verkehrssicherungspflicht hält er für stichhaltig. Meyer-Stach: "Es ist schade um jeden Baum, aber wir sehen auch die Notwendigkeit."

Die Baumstöcke bleiben stehen, ein erneuter Austrieb soll kontrolliert werden.

(Foto: Johannes Simon)

Ähnlich äußert sich die Untere Naturschutzbehörde, die das FFH-Gebiet genau im Auge hat. Schön sei dieser "Kahlhieb" nicht, räumt Abteilungsleiterin Petra Heber ein. Die Ortsbegehung im Oktober, gemeinsam mit Forstamtschef Gero Brehm, habe aber ergeben, dass "der ganze Hang brenzlig" ist und zum Rutschen neigt. Die Instabilität nehme mit dem Wachstum der Bäume eher zu. Wegen der Windanfälligkeit einen ähnlichen Effekt hätte es Heber zufolge, würde man die etwa 80 Prozent teils am Eschentriebsterben erkrankten Eschen herausschneiden und die restliche Laubbäume stehen lassen. Wirkliche Alternativen zum großflächigen Abholzen sieht auch Gero Brehm in diesem "Ausnahmefall" nicht. Er hält Kritik an der Bahn für nicht gerechtfertigt.