bedeckt München

Fürstenfeldbruck:Jugendhilfe-Etat ist zu knapp

Immer mehr junge Menschen und Familien benötigen Unterstützung - der Landkreis muss deshalb für die Jugendhilfe einen Millionen-Betrag nachlegen.

Heike A. Batzer

Die Jugendhilfekosten steigen unaufhörlich. 1,5 Millionen Euro werde man zusätzlich zu den im Haushalt vorgesehenen 16,9 Millionen Euro beantragen müssen, kündigte Jugendamtsleiter Peter Schmelzer am Donnerstag an. Der Landkreis würde damit in diesem Jahr die neue Rekordsumme von 18,4 Millionen Euro für Jugendhilfemaßnahmen bereit stellen.

Olching: Eröffnung FFB-Schau

Das Geld für eine angemessene Jugendhilfe ist zu knapp. Landrat Thomas Karmasin kritisiert, dass der Landkreis hohe Kosten allein tragen muss.

(Foto: Johannes Simon)

Schon seit Jahren benötigt die Jugendhilfe immer mehr Geld. Im Jahr 2006 gab der Landkreis noch 11,2 Millionen Euro dafür aus, 2008 waren es schon 13,7 Millionen. Kompensieren lässt sich dabei nur ein kleiner Teil, den Vorjahresausgaben von 16,2 Millionen Euro standen gerade mal Einnahmen von zwei Millionen Euro gegenüber. Landrat Thomas Karmasin (CSU), der sich in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses von seiner Stellvertreterin Gisela Schneid vertreten ließ, hatte schon häufiger vehement kritisiert, dass das Jugendhilfegesetz dem Landkreis fast alle Kosten aufbürdet, ohne im Einzelfall die Eltern zur Mitfinanzierung heranzuziehen.

Mittlerweile hat der Landkreis ein eigenes Controlling in seinem Jugendamt eingerichtet, das die Kreisräte vierteljährlich über den aktuellen Ausgabenstand unterrichtet. Von gestiegenen Fallzahlen und der Zunahme schwieriger, kostenintensiver Einzelfälle berichtete Controllerin Susanne Caspar, als sie in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses das dritte Quartal resümierte.

Eine "besorgniserregende Tendenz" nannte sie die Tatsache, dass immer mehr Kinder mit seelischer Behinderung stationär untergebracht werden müssen. In diesem Bereich müssten mittlerweile deutlich höhere Tagessätze bezahlt werden, erläuterte Schmelzer die Auswirkungen: "Hier zeigt sich, wie stark wir fremdbestimmt sind. Das Jugendamt kann hier keine andere Art der Hilfe bewilligen."

Auch die Zahl derer, die ambulante Hilfen in Anspruch nehmen, steigt. Darunter fallen auch alle sozialpädagogischen Maßnahmen, die Familien bei der Erziehung und Bewältigung von Alltagsproblemen unterstützen sollen. Steigende Fallzahlen registriert die Behörde auch bei der sogenannten teilstationären Unterbringung von Kindern in Tagesgruppen und Nachmittagsbetreuungen. In den meisten Fällen wenden sich die Eltern von selbst hilfesuchend an das Jugendamt.

Erst mit deutlichem Abstand kämen die Hinweise von Schule und Kindergarten, Polizei, Ärzten und Klinik sowie den Beratungsstellen, hat die Behörde für das Jahr 2010 erstmalig ermittelt. Rolf Regul, der dem Ausschuss als einer der Vertreter der sozialen Träger angehört, sprach dem Jugendamt hierbei ein Lob aus, weil es sich "von der Eingriffsbehörde zu einer unterstützenden Behörde entwickelt hat".

Einig waren sich Jugendamtsvertreter und Ausschussmitglieder, dass die Ganztagsschule sowie die sogenannte Inklusion, die vorsieht, alle Kinder in der Regelschule zu unterrichten, finanzielle Entlastung bringen könnten. Amtsleiter Schmelzer hält "beide Punkte für vernünftig", wandte aber ein, dass die personelle Ausstattung der Schulen dafür nicht ausreiche.

UBV-Kreisrat Klaus Quinten, der selbst als Lehrer tätig ist, forderte zudem ein vernünftiges Ganztagskonzept: "Hier geht es nicht nur ums Geld." Bisher sei hier nur "Stückelei" zu erkennen, kritisierte Tinka Rausch (SPD): "Von einem Ganztagsbetrieb sind wir hier weit entfernt und Schlusslicht in Europa." Zumindest eine für das Haushaltsjahr 2010 beruhigende Nachricht hinterließ Franz Minholz aus der Kreiskämmerei: Die anderthalb Millionen Euro an Zusatzkosten können gedeckt werden, weil der Landkreis einen Belastungsausgleich für Hartz IV in Höhe von 1,6 Millionen Euro erhalten hat.

© SZ vom 23.10.2010/feko
Zur SZ-Startseite