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Fürstenfeldbruck:Hintergangen von der besten Freundin

Eine heute 67-jährige Frau aus dem Landkreis bezahlte ihr Vertrauen teuer: Sie ist in einer Schuldenfalle gefangen

Von Franziska Stadlmayer, Fürstenfeldbruck

Freunde sind Menschen, denen man vertraut. Menschen, mit denen man viel erlebt hat und deren Charakter man zu kennen glaubt. Und wenn nun die beste Freundin in Geldnot gerät, einen um Hilfe fragt: wer würde da schon "Nein" sagen? Auch bei Helene Kaiser (Name geändert) fing es so an. Ihre beste Freundin bat sie um Geld, und Helene Kaiser half bereitwillig. Doch damit war die Angelegenheit nicht erledigt, die Freundin brauchte wieder Geld. Immer öfter fragte sie Helene Kaiser nach Unterstützung, hatte immer Erklärungen und versprach eine baldige Rückzahlung. Helene Kaiser glaubte ihr. Sie machte Schulden für ihre Freundin, auch dann noch, als ihr schon ein leiser Verdacht kam, dass die Freundin sie ausnutzen könnte. Schließlich stand sie vor einem riesigen Schuldenberg - und die Freundin war verschwunden.

Auch jetzt, Monate später, versagt Helene Kaiser fast die Stimme, als sie von ihren Erlebnissen erzählt. "Es ist ja nicht nur die finanzielle Seite", versucht sie ihre Gefühle zu erklären. Der emotionale Betrug durch eine Vertrauensperson wiege viel schwerer. Sie erstattete Anzeige und bekam im Januar 2015 einen Anruf von der Polizei. Ihre angeblich beste Freundin sei eine Betrügerin, hieß es. Damit hatte Helene Kaiser endlich Klarheit. Im Alter von 67 Jahren musste sie Privatinsolvenz anmelden. "Ich habe viel Unverständnis zu spüren bekommen", berichtet Kaiser. Keiner versteht, wie sie auf diesen Betrug hereinfallen konnte. Auch auf den Ämtern, wo sie um Hilfe bittet, zeigt niemand Verständnis für ihre Situation. In dieser Zeit ist Helene Kaiser nicht nur finanziell, sondern auch psychisch am Ende. Aus Verzweiflung über die ausweglose Situation wendet sie sich schließlich an den Weißen Ring. "Die Nummer kannte ich aus der Fernsehserie Aktenzeichen XY", erzählt die 67-Jährige: "Ich hatte ja nichts mehr zu verlieren."

Dieser Anruf entpuppt sich als "die beste Entscheidung seit langem". Helene Kaiser landet bei Klaus Frank, der ihr einen neuen Anwalt vermittelt. Dessen Vorgänger hatte ihr die Rechtsschutzversicherung vermittelt. Er hatte sie freilich nicht gut vertreten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter informieren sie zudem über die ihr zustehende Rechtsbeihilfe. "Von solchen Aspekten hatte ich viel zu wenig Ahnung", räumt Helene Kaiser ein. Für die Unterstützung in formellen Fragen ist sie dankbar, doch viel wichtiger ist der menschliche Beistand. "Ich weiß, dass ich Herrn Frank jederzeit anrufen kann", erklärt sie.

Nach Monaten der Selbstvorwürfe hat sie durch den Weißen Ring Ansprechpartner gefunden, die zuhören, ohne zu verurteilen. "Diese Organisation ist ein wahrer Segen", sagt Kaiser. Durch den Beistand der Helfer hat sie neue Hoffnung geschöpft. In den nächsten sieben Jahren, bis zum Abschluss des Privatinsolvenz-Verfahrens, werden die hohen Schulden noch auf ihren Schultern lasten. Aber die Bürde lässt sich mit einem Verbündeten wie dem Weißen Ring nun deutlich leichter ertragen.

© SZ vom 22.03.2016
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