Wirtschaft und ForschungAus für Hightech-Medizin-Projekt in Fürstenfeldbruck

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Bei einem Besuch des CSU-Landesgruppenvorsitzenden Alexander Dobrindt (Dritter von links) im Herbst 2023  erläutert Karl-Heinz Jansen das Konzept des medizinischen Entwicklungs- und Produktionszentrums.
Bei einem Besuch des CSU-Landesgruppenvorsitzenden Alexander Dobrindt (Dritter von links) im Herbst 2023  erläutert Karl-Heinz Jansen das Konzept des medizinischen Entwicklungs- und Produktionszentrums. (Foto: Johannes Simon)

Die Produktion von Radiopharmaka für die Krebstherapie auf dem Gelände des bisherigen Fliegerhorsts scheitert an Finanzierung und Umweltauflagen. Die Stadt und die Gemeinde Maisach möchten dennoch an der Ansiedlung von Hochtechnologie festhalten.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Aus dem „Biodrom“-Technologiecampus und der Produktion von Ausgangsstoffen für die Krebstherapie auf dem Fürstenfeldbrucker Fliegerhorsts wird nichts. Die Projektentwicklungsgesellschaft hat sich nach sechs Jahren Vorarbeit aus dem ehrgeizigen Projekt auf Maisacher und Fürstenfeldbrucker Flächen zurückgezogen. Für Bau und Betrieb der sogenannten Zyklotrone vorgesehen war ein Areal, das BMW derzeit noch für sein Fahrsicherheitszentrum nutzt. Die Anlagen sollen nun in anderen Ländern gebaut werden. Der von Stadt und Gemeinde eigens gegründete Planungszweckverband bedauert diese Entscheidung, will aber bei der möglichen zivilen Umgestaltung an der Ansiedlung von Hochtechnologie festhalten.

Der Fürstenfeldbrucker Unternehmer Karl-Heinz Jansen ist Geschäftsführer der Gesellschaft European Radiopharmacy Technologies (ERT) sowie der Biodrom-Projektentwicklungsgesellschaft. Er bestätigt auf Nachfrage der SZ eine entsprechende Mitteilung des Planungszweckverbands und nennt mehrere Gründe für die Entscheidung. So hätten Fürstenfeldbruck und Maisach auf eine Garantie bestanden, fünf Hektar in einem Zug zu bebauen. Damit sollten die auf mehrere Millionen Euro veranschlagten Erschließungskosten wieder eingespielt werden. Das ERT-Projekt hätte aber lediglich einen Hektar benötigt. Eine darüber hinausgehende, mit Martinsried vergleichbare Ansiedlung von Start-ups scheiterte an der ungeklärten Finanzierung.

Zudem gab es Widerstand aus Reihen der Naturschutzverbände, deren Sorgen wegen möglicher Strahlenrisiken für Menschen, Tiere und Pflanzen sich nicht zerstreuen ließen. Für die potenziellen Investoren des Biodrom-Projekts, die bis Ende Juni Klarheit haben wollten, war auch die Auslegung von Umweltauflagen offenbar schwer abschätzbar. So müssen gewisse Bauvorhaben einen Mindestabstand von 200 Metern zu besonders wertvollen Gebieten einhalten – weite Teile des Geländes auf Maisacher Flur sind als streng geschütztes Flora-Fauna-Habitat eingestuft. Eine Hängepartie wurde auch die gesamte Kalkulation, weil sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Grundeigentümer noch nicht zur Höhe des Verkaufspreises geäußert hat.

Für das ERT-Konsortium bedeutet die Absage für den Standort Fürstenfeldbruck im Gegensatz zu der an den Fliegerhorst gebundenen Biodrom-Entwicklungsgesellschaft nicht das Ende. Nach Jansens Worten werden drei Hochleistungszyklotrone nun in Norwegen, der Türkei und Japan errichtet. Ein Zentrum für die enge Verzahnung von Diagnostik und Therapie (Theranostik) entstehe in Garching, über den Standort für die radiopharmazeutische Aufbereitung in der Metropolregion München würden noch Gespräche mit den beiden Münchner Universitäten geführt.

Geplant war das sogenannte Biodrom vor allem auf bereits militärisch entwidmeten Flächen auf Maisacher Flur (hinten der alte und der neue Tower des ehemaligen Flugplatzes), von denen sich BMW mit seiner Driving Academy zurückzieht.
Geplant war das sogenannte Biodrom vor allem auf bereits militärisch entwidmeten Flächen auf Maisacher Flur (hinten der alte und der neue Tower des ehemaligen Flugplatzes), von denen sich BMW mit seiner Driving Academy zurückzieht. (Foto: Stefan Salger)

Jansen bedauert die Aufgabe des Biodrom-Projektes in Fürstenfeldbruck. „Es war immer einer meiner größten Wünsche, zum Ende meines Berufslebens für den Landkreis an einer soliden technologischen und wirtschaftlichen Basis mitzuarbeiten.“ Vor allem, da der angestrebte radiopharmazeutische Schwerpunkt eine der bedeutendsten onkologischen Fortschritte in der modernen Medizin darstelle. Der Unternehmer räumt aber auch ein, dass er „den administrativen und regulatorischen Aufwand eines solchen Projektes in einem nicht erschlossenen Bereich vollständig unterschätzt“ habe.

Stadt und Nachbargemeinde, denen da gerade ein hochkarätiges Hightech-Projekt abhandengekommen ist, haben mit weiteren Unwägbarkeiten zu kämpfen, die wie ein Schatten über allen größeren Planungen der Konversion liegen: Was, wenn die Bundeswehr den Fliegerhorst gar nicht räumt? Aktuell nennt sie das Jahr 2030 als Abzugstermin. Es gibt aber Zweifel daran, dass die Aufgabe des Standorts Fürstenfeldbruck wirklich schon ausgemachte Sache ist.

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:Die Zukunft des Fliegerhorsts

Wie geht es mit dem Gelände nach dem Ende der militärischen Nutzung im Jahr 2030 weiter? Ein Überblick von A wie Asylsuchende bis Z wie Zeitplan.

SZ PlusVon Erich C. Setzwein und Stefan Salger

Der Planungszweckverband der beiden Kommunen möchte sich durch sicherheitspolitisch motivierte Überlegungen, auf die er keinen Einfluss hat, nicht beirren lassen. Mitte Juli hat er einstimmig beschlossen, eine neue Konzeption für die Entwicklung des Standorts auszuarbeiten. Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU), der seinen Fürstenfeldbrucker Amtskollegen Christian Götz (BBV) jüngst turnusmäßig an der Spitze des gemeinsamen Planungszweckverbands abgelöst hat, gibt sich weiterhin überzeugt, dass zwischen Augsburg und München Bedarf besteht für einen Campus für zukunftsweisende Technologie – mit Strahlkraft für die Region.

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