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Reliquien:Heiliger Rest

Rasso-Kirche

Seit Ende des 17. Jahrhunderts ruhen die Gebeine Rassos in der Klosterkirche Grafrath.

(Foto: Günther Reger)

Die Germeringer Pfarrei Sankt Johannes Bosco besitzt ein Knochenstück des Namensgebers. Eine solche Reliquie haben sonst nur Sankt Rasso in Grafrath und Sankt Willibald in Jesenwang.

Den 200. Geburtstag ihres Namenspatrons begeht die Unterpfaffenhofener Pfarrkirche Sankt Johannes Bosco am Sonntag auf eine besondere Art. Während der Messe wird ein Knochenstück aus den Überresten des Heiligen Johannes Bosco in den Altar eingesetzt. Über Reliquien verfügen die allermeisten katholischen Kirchen. Überreste ihres Namenspatrons haben aber nur wenige, im Landkreis gehören außer Don Bosco die Kirchen Sankt Willibald in Jesenwang und Sankt Rasso in Grafrath dazu. Dementsprechend groß feiert die Unterpfaffenhofener Pfarrei; das Patroziniumsfest dauert einen ganzen Tag.

Reliquien haben in der katholischen Kirchengeschichte eine besondere Funktion, denn sie verweisen auf die Anfänge des Christentums, in denen die Gläubigen in den Katakomben auf den Gräbern Messe feierten. So erzählt es der Brucker Dekan Albert Bauernfeind. Neben der historischen gibt es aber auch eine spirituelle Erklärung. Bauernfeind sagt, in den Knochenstücken oder anderen Reliquien hätten die Gläubigen das Heilige "nahe bei sich". Deshalb sind Kirchen wie Sankt Rasso oder Sankt Willibald auch zu Wallfahrtsstätten geworden.

Seit Ende des 17. Jahrhunderts ruhen die Gebeine des Grafen Rasso hinter Glas auf dem Hochaltar der Klosterkirche in Grafrath. Schon im Mittelalter war der Kirchenstifter und Klostergründer Rasso von den Menschen aus der Umgebung als Wundertäter und Nothelfer verehrt worden. Zehntausende Wallfahrer pilgerten zu seinem Grab, sie sollen nicht nur aus Bayern und Schwaben, sondern auch aus Tirol und Kärnten gekommen sein, ist im Heiligenlexikon zu erfahren. Dort steht auch, dass Rasso niemals selig- oder gar heiliggesprochen worden ist. Die Erhebung seiner Gebeine auf den Hochaltar könne aber "als kirchliche Bestätigung für die Rechtmäßigkeit seiner Verehrung als Heiliger gelten", heißt es im Lexikon.

Don Bosco

Am Sonntag wird in Germering ein Knochenstück von Johannes Bosco in der gleichnamigen Kirche beigesetzt.

(Foto: Günther Reger)

In der Willibaldskirche in Jesenwang gab es dagegen lange Zeit nur das Stück einer Albe, des weißen Untergewandes eines Priesters, das der Heilige Willibald getragen haben soll. Eine derartige Reliquie wird als Berührungsreliquie bezeichnet, das heißt, sie ist kein Teil des Heiligen, sondern kam mit ihm nur in Kontakt. 1746 ist das Gewandstück nach Jesenwang gekommen, wie es in einem Text an der Nordwand der Kirche heißt. Dort befindet sich seit etwa zwei Jahren in einem Schrein auch ein Knochenstück des Heiligen. Willibald lebte im achten Jahrhundert in Eichstätt und war der erste Bischof dort. Ein Knochenstück aus seinem Grab fand durch Vermittlung von Militärdekan Alfons Hutter in die Jesenwanger Kirche. Hutter stammt aus dem Bistum Eichstätt, er wurde dort zum Priester geweiht.

Nicht nur ein Knochenstück, sondern ein ganzes Skelett können Besucher in der Klosterkirche Sankt Mariä Himmelfahrt in Fürstenfeld sehen. Im linken vorderen Seitenaltar wird die Reliquie des Hyazinth von Kappadokien, angetan mit einem Gewand, in einem Glassarg aufbewahrt. Hyazinth soll es abgelehnt haben, an Opferzeremonien für römische Götter teilzunehmen. Als man ihm im Gefängnis nur den Göttern geweihtes Fleisch vorsetzte, verhungerte der Märtyrer laut Heiligenlexikon um das Jahr 120 in Rom.

Derartige Glassärge finden sich zahlreich in Barockkirchen. Die Bedeutung dieser Reliquien unterscheidet sich nach den Worten von Bauernfeind nicht von der anderer Reliquien. Man habe zu dieser Zeit nur "besonders bedeutungsvoll" sein wollen, sagt der Dekan. Deshalb beherbergen diese Kirchen (so auch Fürstenfeld) öfter mehrere Glassärge, denn mit jedem Heiligen steigerte sich die Bedeutung des Gotteshauses. Allerdings darf man wohl skeptisch sein, was die Menge an Heiligen angeht, und auch, was die Legenden anbetrifft, die zu den jeweiligen Knochen erzählt worden sind, denn die Reliquien sollten nach Möglichkeit aus der Zeit des Urchristentums stammen.

Sankt Willibald

Eine Reliquie Willibalds befindet sich in der Kirche in Jesenwang.

(Foto: Günther Reger)

Eine jüngere Reliquie befindet sich in der Sebastianskirche in Puch. Dort liegen die sterblichen Überreste der Einsiedlerin Edigna. Woher die Frau kam, ist ungeklärt. Sie soll in Puch in einer Linde gewohnt, ein frommes Leben geführt und die Bauern lesen und schreiben gelehrt haben. Edigna ist als Selige verzeichnet, auch wenn es, wie im Fall von Rasso, nie eine Seligsprechung der Frau gegeben hat, die 1109 starb. Eine Handreliquie Edignas besitzt eine nach der Einsiedlerin benannte Kirche im niederbayerischen Hofdorf (Landkreis Straubing-Bogen).

Die Echtheit der Reliquien von Rasso oder Edigna ist anhand von schriftlichen Quellen relativ gut dokumentiert. Für ihre Echtheit spricht auch, dass die sterblichen Überreste nicht von anderswo hertransportiert wurden, sondern über die Jahrhunderte an den Orten verblieben sind, wo Rasso und Edigna auch gelebt haben. Sicher können sich auch die Mitglieder der Pfarrei Sankt Johannes Bosco sein, dass das Knochenstück ihres Namenspatrons tatsächlich von dem italienischen Heiligen stammt. Denn die Unterpfaffenhofener Pfarrei hat die Reliquie direkt von den Salesianern erhalten. Der Orden ist eine Gründung Don Boscos. Bereits im Jahr 2012 zogen Salesianer mit einer Reliquie des Ordensgründers durch Deutschland. Bei der Reliquie handelte es sich um einen Unterarm des Heiligen, der 1888 in Turin gestorben ist. Giovanni Melchiorre Bosco, so der bürgerliche Name Don Boscos, wollte angeblich schon als Neunjähriger Pfarrer werden und kümmerte sich, als er Seelsorger geworden war, vor allem um Jugendliche und junge Arbeiter in Turin. Er wurde 1934 von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Der von ihm gegründete Orden ist weltweit in der Erziehung und Betreuung schwer erziehbarer sowie armer und benachteiligter Jugendlicher tätig.

Feierliche Spatzenmesse

Am Sonntag, 25. Januar, feiert die Pfarrei Sankt Johannes Bosco ihren Namenspatron. Der Festgottesdienst mit der Spatzenmesse von Wolfgang Amadeus Mozart beginnt um 11 Uhr in der Pfarrkirche. Dabei setzt Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg die Reliquie des Heiligen in den Altar der Kirche ein. Um 13.30 Uhr und um 15 Uhr werden Führungen durch das Pfarrhaus angeboten. Einen Film über Leben und Wirken des Namenspatrons der Pfarrei gibt es um 15 Uhr zu sehen. Zudem können die Besucher mehrere Vorträge verfolgen, so über die Missionsarbeit der Don-Bosco-Schwestern (14.30 Uhr), die Pädagogik Don Boscos (15.30 Uhr) und die Arbeit der Ordensschwestern in Deutschland und Österreich (16.20 Uhr). Zwischen 15.30 Uhr und 16.30 Uhr betet Pfarrer Andreas Christian Jaster für individuelle Anliegen vor dem Altar mit der Reliquie. Das Patroziniumsfest endet mit einer Vesper in der Kirche um 17 Uhr. Zu diesem Abendgebet singt der neue Chor. ano

Auch die Vorgängerkirche von Sankt Johannes Bosco, Sankt Jakob in Unterpfaffenhofen, besitzt eine besondere Reliquie. Allerdings darf man in ihrem Fall skeptisch sein, was die Echtheit anbetrifft. In Sankt Jakob wird ein Holzsplitter aufbewahrt, der vom Kreuz Christi stammen soll. Einmal im Jahr erteile er mit dieser Reliquie den Wettersegen, erzählt Pfarrer Jaster. Dieser Segen war den Bauern in früherer Zeit sehr wichtig, hing von Sonne und Regen doch die Ernte ab. Bei der Zeremonie sei "viel frommer Glaube" dabei, sagt Jaster. Das gilt sicher auch für die Einschätzung der Kreuzreliquie.